Abteilung Europa. Narrative, Bilder, Räume

„Europa“ ist in aller Munde – in der Politik, in öffentlichen Debatten, in der Wissenschaft und nicht zuletzt in der Schule. Dennoch bleibt die Idee „Europa“ schwer greifbar; die Vielzahl und Heterogenität der Stimmen zum Thema unterstreicht die Komplexität und Vieldeutigkeit. Gleichzeitig entsteht ein gemeinsamer europäischer Bildungsraum. Unverkennbar richten die Institutionen in den europäischen Ländern die politisch-historische Bildung auf Europa aus und versuchen, ihre Curricula europakompatibel zu gestalten. Anliegen der Abteilung ist es, Europa als Thema in der Bildung durch Analyse, Entwicklung und Beratung wissenschaftlich zu begleiten. Die drei Schwerpunkte sind:

Europa und der nationale Faktor

Welche Zukunft hat der Nationalstaat? Einerseits reichen die Visionen von Europa von einem losen Staatenbund bis hin zu einem einheitsstaatlichen Gebilde. Andererseits wird der nationale Gedanke unsere Vorstellungen von Europa wohl noch lange prägen. Es gilt, dieses Spannungsverhältnis auf seine Bedeutung für die schulische Praxis hin zu untersuchen.

Europa im Prisma der Region

Wenn Europa nicht länger nur als Zusammenschluss von Nationalstaaten gedacht wird, stellt sich im zweiten Arbeitsfeld die Frage, was dieses Gebilde denn sonst ausmachen könnte. An dieser Stelle werden seit einiger Zeit in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion die Regionen ins Spiel gebracht. Ihre nähere Definition ist noch eine Zukunftsaufgabe. Es zeichnet sich allerdings schon jetzt ab, dass Regionen nicht einfach als „Mini-Staaten“ oder „Nationen-Ersatz“ zu verstehen sind. Vielmehr handelt es sich um räumliche Konstruktionen von eigenem Charakter: gerade weil diese oft nach außen nicht sehr stark abgegrenzt sind, bieten sie wichtige Anknüpfungspunkte für die Bildung von Mehrfachidentitäten.

Globale Dimensionen

Im dritten Arbeitsfeld geht es um wissenschaftliche Fragen, die Europa als Ganzes betreffen oder darüber hinaus weisen. Essentialistische Vorstellungen zu Europa halten sich in Schulbüchern besonders hartnäckig und verbinden sich mit eurozentrischen Sichtweisen. Neuere Forschungen zeigen hingegen, dass Geschichtsbilder und Identitäten über Grenzen und Kontinente hinweg verwoben sind. Raumwahrnehmungen, Narrative und Bilder, die Europa immer wieder neu konstruieren, erfahren dabei gerade vom jeweiligen „Außen“ starke Impulse. Viele wichtige geschichtliche Entwicklungen gingen von Europa aus und wirkten sich global aus. Welchen Einfluss dies auf Selbst- und Fremdbilder hat, lässt sich ablesen am vielfältigen Umgang mit der „Kolonialen Frage“.