Deutsch-Tschechische Schulbuchkommission

Schulbuchkonferenz in Breitenbrunn (Erzgb.) 2014 –
Exkursion ins Museum Uranbergbau (Foto: M. Mahdal)

Ziel der Kommissionsarbeit ist es, durch regelmäßige wissenschaftlich-didaktische Analyse der beiderseitigen Geschichtslehrwerke auf eine Verbesserung und Harmonisierung der Schulbuchinhalte und damit auf eine bessere Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen hinzuwirken. Die Kommission trifft sich im Jahresrhythmus abwechselnd in Deutschland und der Tschechischen Republik; alle zwei Jahre veranstaltet sie eine große wissenschaftliche Tagung und alternierend alle zwei Jahre im jeweils anderen Land ein Arbeitstreffen.

 

 

„Deutsch-Tschechische Schulbuchkommission. Konferenz in Budweis. 5. Oktober 2016. Foto: Hudičák (Fotoatelier Seidel in České Budějovice)“

Zuletzt wurde im November 2016 die XIV. gemeinsame Schulbuchkonferenz in Budweis abgehalten. Sie stand unter dem Titel „Migration als Unterrichtsthema in Deutschland und Tschechien“ [siehe Bericht]. Die Tagung wurde in Kooperation mit der Pädagogischen Fakultät der Südböhmischen Universität abgehalten.

Die deutsch-tschechische Schulbuchkommission erfreut sich in letzter Zeit einer zunehmenden Aufmerksamkeit in den Medien. In der Fernsehsendung des MDR "Heute im Osten unterwegs" konnte R. Maier am 1. Mai 2014 den Gegenstand der Schulbuchgespräche einem großen Publikum unterbreiten. Die „Pedagogická orientace“, eine der führenden pädagogischen Zeitschriften in der Tschechischen Republik, bot an, eine ausführliche Beschreibung der Kommissionsarbeit zu veröffentlichen. Tagungsberichte wurden in der Zeitschrift „Bohemia“ abgedruckt.

.
Die deutsch-tschechische Schulbuchkommission erfreut sich jüngst einer zunehmenden Aufmerksamkeit in den Medien. In der Fernsehsendung des MDR "Heute im Osten unterwegs" konnte R. Maier am 1. Mai 2014 den Gegenstand der Schulbuchgespräche einem großen Publikum unterbreiten. Die „Pedagogická orientace“, eine der führenden pädagogischen Zeitschriften in der Tschechischen Republik, bot an, eine ausführliche Beschreibung der Kommissionsarbeit zu veröffentlichen.

Historischer Rückblick 

Der Beginn der deutsch-tschechischen Schulbuchgespräche im Jahre 1967 geht auf eine Initiative der UNESCO-Kommissionen der ČSSR und der Bundesrepublik Deutschland zurück. Im selben Jahr kam es noch zu einer ersten Konferenz, die in Braunschweig stattfand. Thematisch befasste man sich mit der Reformation und der hussitischen Bewegung sowie der nationalen Wiedergeburt bis 1848. Infolge der Niederschlagung des “Prager Frühlings” 1968 kam es zum Abbruch der Schulbuchgespräche. Auf Initiative zweier Pioniere deutsch-tschechischer Verständigung, der inzwischen verstorbenen Professoren Ferdinand Seibt und Hans Lemberg beschäftigte sich die Historische Kommission der Sudetenländer e.V. auf zwei Tagungen (1976 und 1977) mit der Schulbuchmaterie, um die „Wartezeit“ zu überbrücken. Während dieser Epoche der sogenannten „Normalisierung“ in der  ČSSR konnten tschechische und slowakische Wissenschaftler an diesen Konferenzen einzig dann teilnehmen, wenn sie im „Westen“ im Exil lebten. Die Ergebnisse wurden vom GEI im Band 28 seiner Schriftenreihe publiziert.

Es musste noch einmal ein Jahrzehnt vergehen, bis 1987 der trilaterale Kontakt zwischen Tschechen, Slowaken und Deutschen wieder aufgenommen werden konnte. Auf einer Schulbuchkonferenz in Prag 1988 wurden Probleme der gemeinsamen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert in den Schulgeschichtsbüchern der ČSSR und BRD behandelt. Ein Jahr später ging es in Braunschweig um die tschechische, slowakische und deutsche Nationalbewegung. Auf einer dritten Konferenz untersuchte man 1990 in Prag das Thema „Die Epoche von Imperialismus, Weltkrieg und Revolution in beiden Ländern 1871-1918“.

Wegen personeller und organisatorischer Umstrukturierungen im Zusammenhang mit dem Zerfall der ČSFR konnten die Gespräche erst 1994 in Form von rein deutsch-tschechischen Konferenzen fortgesetzt werden. Auf einer vierten Konferenz 1994 in Braunschweig und einer fünften 1995 in Prag wurde der chronologische Durchgang durch die deutsch-tschechoslowakische Beziehungsgeschichte fortgesetzt, indem die „deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen bis Mitte der dreißiger Jahre“ und „Tschechen, Deutsche und der Zweite Weltkrieg“ zum Thema gemacht wurden. Anschließend wurde beschlossen, dem Problemkreis “Nationalstaat im Schulbuch“ nachzugehen. Zwei Konferenzen fanden dazu bisher statt: Das Thema der Konferenz in Braunschweig 1997 lautete “Die Nation - erweckt, ins Leben getreten, versiegt, zerstört, wiederauferstanden ... oder nur konstruiert? Die Schulbuchhistoriographie und ihr Umgang mit dem Nationalstaat“. Die VII. deutsch-tschechische Schulbuchkonferenz in Prag 1999 stand unter dem Thema „Endlich in nationaler Ruhelage? Tschechen und Deutsche reflektieren über ihr Verhältnis zum Nationalstaat“.

Im September 2000 ist die tschechische Sektion der Gemeinsamen deutsch-tschechischen Schulbuchkommission institutionalisiert worden. Der Minister für Schulwesen ernannte als Mitglieder Hochschullehrer der Karlsuniversität in Prag und der Südböhmischen Universität in Budweis sowie Pädagogen aus Pilsen.

Im November 2002 konstituierte sich die Gemeinsame deutsch-tschechische Schulbuchkommission in Dresden  nach 35 Jahren Schulbuchzusammenarbeit auch formal. Als Thema der ersten gemeinsamen Tagung unter den neuen Auspizien, der VIII. deutsch-tschechischen Schulbuchkonferenz im böhmischen Poděbrady wählte man „Die Zeit des Sozialismus im Geschichtsunterricht“. Hier ging es um die großen Gemeinsamkeiten, die der Alltag der Tschechen und der Deutschen in der DDR in dieser Epoche aufwies, um die vielfältigen Kontakte zwischen DDR-Bürgern und Tschechoslowaken und um die Probleme, diese Geschichte ihrer Eltern- und Großelterngeneration den heutigen Schülern nahezubringen. Damit stand für die Kommission erstmals ein Untersuchungsfeld jenseits der Konfliktgeschichte im Fokus.

Auf besonderen Wunsch der tschechischen Seite, die nach möglichen Synergieeffekten für den Unterricht mit den literarischen und musischen Schulfächern suchte, folgte 2005 im sächsischen Bautzen das Thema „Parallelen, Verbindungen, Gegensätze zwischen der kulturellen Entwicklung in der Tschechoslowakei und Deutschland 1918-1945: Beispiele und Vorschläge für fachübergreifende Unterrichtsprojekte.“ Schon der Gedanke an Franz Kafka und seinen Kreis zeigt, dass dies auch für die deutsche Seite von großem Interesse sein kann.

Einen Schlusspunkt im chronologischen „Durchlauf“ durch die gemeinsame Geschichte der beiden Länder und gleichzeitig einen neuen, spannenden Höhepunkt in der Suche nach dem Gemeinsamen setzte im Oktober 2007 in Pardubice die X. deutsche-tschechische Schulbuchkonferenz zum Thema "Epochenjahre 1968/1989: Politische und soziale Bewegungen, Ziele, Resultate im deutsch-tschechoslowakisch-europäischen Kontakt und Vergleich" [siehe Bericht]. Diese Konferenz wurde in deutscher und in tschechischer Sprache publiziert.

Im Dezember 2009 hielt die Kommission im Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) in Bad Berka eine wissenschaftliche Konferenz ab zum Thema „Geschichtsunterricht, Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur in der Tschechischen Republik und in der Bundesrepublik Deutschland“ [siehe Bericht]. Eine Tagung im Januar 2012 in Prag knüpfte daran an mit dem Thema „Der Geschichtsunterricht zwischen Massenmedien, Schulbuch und Unterrichtsmaterialien“. Es war der Zählung nach die XII. deutsch-tschechische Schulbuchkonferenz. Eine Publikation, welche die Bezüge des Geschichtsunterrichtes in Deutschland und Tschechien zur Geschichtskultur und zu den sie maßgeblich bestimmenden Faktoren untersucht und damit z.T. die Konferenzergebnisse präsentiert, ist in Bearbeitung.

 

 

Im November 2014 wurde die XIII. gemeinsame Schulbuchkonferenz in Breitenbrunn (Erzgb.) abgehalten. Sie stand unter dem Thema „Mensch, Umwelt, Grenze – am Beispiel des Uranabbaus in der deutsch-tschechischen Grenzregion“ [siehe Bericht; auf tschechischer Seite wurde im Portal Moderní dějiny ein Konferenzbericht online gestellt: http://www.moderni-dejiny.cz/clanek/v-sasku-se-konala-konference-clovek-zivotni-prostredi-a-hranice/]. Die Tagung zielte darauf ab, bi-nationale Unterrichtsmaterialien zu diesem Thema zu entwickeln und auf einer bilingualen Website Lehrkräften in beiden Ländern zur Verfügung zu stellen. Die Arbeit an den entsprechenden Modulen ist noch in Gange: http://uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info. Am 25. September 2015 fand in Braunschweig ein Arbeitstreffen der Kommission statt.

Laufzeit

  • seit 1989

Gefördert durch

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Volker Zimmermann (Collegium Carolinum München / Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), deutscher Kommissionsvorsitzender;
  • Prof. Dr. Zdeněk Beneš (Karlsuniversität Prag), tschechischer Kommissionsvorsitzender;
  • zahlreiche deutsche und tschechische Fachwissenschaftler, Didaktiker und Pädagogen.

Großer Wert wird zudem auf engen Erfahrungsaustausch mit der Gemeinsamen deutsch-polnischen Schulbuchkommission gelegt.

Kontakt

Robert Maier

Leiter / Abteilung Europa

Außenstelle B1.14.1
Tel.: +49 531 59099-550
E-Mail senden

Publikationen

  • Denisa Labischova: Zpráva z XIII. česko-německé konference o školním dějepisu konané 20.–22. listopadu 2014. In: Pedagogická orientace/Journal of the Czech Pedagogical Society. Brno 2015, S. 302-305. Online unter: URL: https://journals.muni.cz/pedor/article/view/3426/pdf2. (Abrufdatum: 28.05.2015).
  • Robert Maier: Die deutsch-tschechische und die deutsch-polnische Schulbuchkommission. Eine vergleichende Betrachtung. In: Hanna Kábová und Mikulás Čtvrtník (Hg.): Bylo nebylo. Studie (nejen) k dějinám dějepisectví, vzdělanosti a didaktice dějepisu. Praha: Karolinum 2012, (Historia Universitatis Carolinae Pragensis 52, Suppl.1)
  • Zdeněk Beneš (Hrsg.): Dvojí rok 1968? Zlomové roky 1968 a 1989 v českých a německých učebnicích dějepisu. Praha: Casablanca 2010
  • Andreas Helmedach und Robert Maier (Hrsg.): Zweierlei 1968? Die Umbruchjahre 1968 und 1989 in deutschen und tschechischen Geschichtsschulbüchern. Göttingen: V & R Unipress, 2008
  • Madlen Benthin: Die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa. Deutsche und tschechische Erinnerungskulturen im Vergleich, Hannover: Hahn, 2007
  • Heidrun Dolezel und Andreas Helmedach (Hrsg.): Die Tschechen und ihre Nachbarn. Studien zu Schulbuch und  Schülerbewusstsein, Hannover: Hahn, 2006
  • Robert Maier (Hrsg.): Zwischen Zählebigkeit und Zerrinnen. Nationalgeschichte im Schulunterricht in Ostmitteleuropa, Hannover: Hahn 2004
  • Andreas Helmedach (Hrsg.): Die Zeit des Sozialismus in deutschen und tschechischen Schulgeschichtsbüchern (= Internationale Schulbuchforschung/International Textbook Research Jg. 26 [2004], H.4)
  • Robert Maier (Hrsg.): Die Präsenz des Nationalen im (ost)mitteleuropäischen Geschichtsdiskurs, Hannover: Hahn, 2002
  • Robert Maier (Hrsg.): Tschechen, Deutsche und der Zweite Weltkrieg. Von der Schwere geschichtlicher Erfahrung und der Schwierigkeit ihrer Aufarbeitung, Hannover: Hahn, 1997
  • Hans Lemberg und Ferdinand Seibt (Hrsg.): Deutsch-tschechische Beziehungen in der Schulliteratur und im populären Geschichtsbild, Braunschweig: Westermann, 1978
  • Zur Geschichte der deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen, Braunschweig: Albert Limbach Verlag, 1968