Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses

Angesichts des pictorial turn, spätestens aber seit der Formulierung der Bildakt-Theorie durch den Kunsthistoriker Horst Bredekamp und deren Adaption durch den Historiker Gerhard Paul, erfahren Bilder in der Geschichtswissenschaft gesteigerte Aufmerksamkeit. Vor diesem Hintergrund formierte sich mit der Visual History ein eigenes Forschungsfeld, das einen methodenpluralistischen Ansatz zur Erforschung der Visualität von Geschichte sowie der Geschichtlichkeit des Visuellen verfolgt. Visual History wird dabei als „Rahmen“ verstanden, in dem sich verschiedene Disziplinen – von Geschichte und Kunstgeschichte, Kommunikations- und Medienwissenschaft, über die Politikwissenschaft bis hin zur Soziologie – mit dem Medium Bild auseinander setzen.

Das Netzwerkprojekt „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“ widmet sich in interdisziplinärer Perspektive insbesondere der Erforschung von Bildproduktion und -verbreitung im 20. Jahrhundert und untersucht anhand ausgewählter Medien den jeweiligen Beitrag zur Konstitution gemeinschaftlicher Bildgedächtnisse. Dabei stehen diejenigen Institutionen im Vordergrund, die Bilder produzieren, kaufen, verkaufen, sammeln, archivieren oder zensieren und dadurch einen zentralen Beitrag zur Steuerung eines kollektiven Bilderhaushaltes leisten.

Ziel des Netzwerkprojektes ist es, die Grundlagenforschung zu historischen Bildbeständen paradigmatisch voranzutreiben. Forschungsgegenstand sind die spezifischen Sammlungen der jeweiligen Kooperationspartner. Das Georg-Eckert-Institut verfügt über eine einzigartige Sammlung internationaler Schulbücher, deren Illustrationen bislang nicht als spezifische Bildquellen untersucht worden sind. Das am Institut angesiedelte Dissertationsprojekt befasst sich daher mit dem Schulbuch als visuelles Medium und untersucht am Beispiel Sozialismus die Rolle von Bildern in Schulbüchern für das Bildgedächtnis moderner Gesellschaften.

In vier Workshops diskutierten die Projektmitglieder gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Beirat (https://www.visual-history.de/sample-page/beirat/) konzeptionelle und inhaltliche Ansätze der Forschungsarbeiten. Seit Ende 2013 ist unter www-visual-history.de  die im Projekt erarbeitete Kommunikations- und Informationsplattform online. Sie liefert aktuelle Einblicke in das Forschungsfeld der historischen Bildforschung, vernetzt die wachsende Community und soll im besten Falle auch Debatten über theoretische und methodische Zugänge anstoßen. In unterschiedlichen Beitragsformaten werden in dem Blog zentrale Begriffe vorgestellt sowie Akteure der Bildwirtschaft näher beleuchtet. Unter der Rubrik „Aktuelles“ finden sich Besprechungen zu Publikationen, Ausstellungen und neueren Entwicklungen. Regelmäßig werden auf dem Blog auch aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt und archiviert. Projekte mit Bezug zur Visual History können von Forschenden in der Visual History-Datenbank selbst eingetragen (http://www.visual-history.de/visual-history-forschungsprojekte/) oder über die Redaktion von visual-history.de (redaktion@remove-this.visual-history.de) veröffentlicht werden.

Die Abschlusstagung des Forschungsprojektes hat vom 2.- 4. März 2016 in Berlin stattgefunden. Dort wurden die Projektergebnisse vorgestellt sowie mit Vertretern unterschiedlicher Disziplinen über Ziele, Methoden und Desiderate der Visual History diskutiert. Ziel war es, eine Bestandsaufnahme der bisher geleisteten Arbeit unter besonderer Berücksichtigung methodischer Fragen zu leisten und mögliche Perspektiven für zukünftige Forschungen zu entwickeln. 

Projektleitung

Projektbearbeiterin

Laufzeit

  • 2012-2016

Kooperation

  • Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (Gesamtkoordination)
  • Herder-Institut Marburg
  • Deutsches Museum München
  • Georg-Eckert-Institut Braunschweig

Finanzierung

  • Pakt für Forschung und Innovation der Leibniz Gemeinschaft (SAW)

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