Preventing Violent Extremism through Educational Media

Copyright: Permanent Delegation of Germany to UNESCO

Im UNESCO-Hauptquartier in Paris fand am 26. Juni 2017 ein internationaler Workshop zum Thema 'Prevention of Violent Extremism (PVE) through Educational Media' statt. Der Workshop wurde vom Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung und der ständigen Vertretung Deutschlands bei der UNESCO koordiniert.

Hintergrund

Als Reaktion auf die Zunahme der Zahl an Angriffen, die von lokalen und globalen gewalttätigen extremistischen Gruppen verübt wurden, wurden die Maßnahmen der UNESCO zur Prevention of Violent Extremism (PVE) rasch ausgebaut. Im Einklang mit dem im Dezember 2015 vorgestellten 'Plan of Action to Prevent Violent Extremism' des UN-Generalsekretärs und in Folge der Verabschiedung des Exekutivrats bzgl. 'UNESCO’s role in preventing violent extremism through education' (Beschluss 197 EX / 46), wurde der Workshop mit dem Ziel organisiert die nationalen Kapazitäten zu stärken, um gewalttätigen Extremismus durch Bildung zu verhindern – insbesondere mit Hilfe von Lehrbüchern und anderen Bildungsmedien (einschließlich Bildern, Audio- und Videomaterialien) durch die Ermittlung und Präsentation von Good-Practices.   

Ziele und Bedeutung

Das Hauptziel des Workshops war es, ein Forum für die Diskussion über Good-Practices in Bildungsmedien in formalen und nicht formalen Interventionen zu bieten, die dafür geeignet sind, dass Länder sie an ihren nationalen Kontext anpassen können, um damit die effektive Umsetzung der UNESCO- und UN-Länderverpflichtungen zu unterstützen. Im Rahmen der Agenda 2030 und insbesondere des Ziels 4.7, müssen die Bildungssektoren sicherstellen, dass sie mit angemessenen personellen, pädagogischen und finanziellen Ressourcen ausgestattet sind, um dieser Herausforderung zu begegnen.

Die Veranstaltung erhöhte nicht nur das Bewusstsein für PVE, sondern trug auch zum Aufbau von Capacity Building bei, indem Fachwissen geteilt, Hindernisse sowie Möglichkeiten zu ihrer Überwindung identifiziert und Impulse für weitere Maßnahmen gegeben wurden. Durch das Zusammenbringen mehrerer Organisationen die an PVE-E arbeiten, wurde die Notwendigkeit identifiziert, pädagogische Ansätze in PVE hinsichtlich ihrer Effektivität systematischer zu evaluieren und digitale Instrumente zu nutzen, um Resilienzen zu schaffen und Toleranz sowie Integration zu fördern. An der Veranstaltung nahmen Delegierte, Bildungsbeamte, LehrerInnen, AusbilderInnen von Lehrkräften, NGOs und Forscher teil.

Vorträge

Die Vorträge wurden entweder in englischer oder französischer Sprache abgehalten und in beide Sprachen simultan übersetzt. Der Workshop begann mit der Eröffnungsrede von H.E. Herr Stefan Krawielicki, Botschafter und Ständiger Delegierter von Deutschland bei der UNESCO, der die hohe Bedeutung von 'PVE through education' für die UNESCO unterstrich. In der ersten Sitzung gab Alexander Leicht, Chef der UNESCO-Abteilung 'Education for Sustainable Development and Global', einen Überblick über die bestehenden UNESCO-Initiativen zu PVE und betonte die Einbeziehung und Achtung der Vielfalt als das "wichtigste politische Prinzip", das wir in einem Bildungssystem fördern müssen, um Resillienz gegen die Botschaften des gewalttätigen Extremismus zu schaffen.   

Eckhardt Fuchs, Direktor des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung, unterstrich die Bedeutung von Schulbüchern für PVE und erörterte, wie wir aus erfolgreichen Schulbuch-Revisionen durch bilaterale Kommissionen, welche kontroverse und sensible Themen adressierten, lernen und auf ihnen aufbauen können. Eleni Christodoulou, Postdoktorandin am Georg-Eckert-Institut, erörterte die vielen Herausforderungen, denen Pädagogen bei der Integration von PVE in den Klassenräumen begegnen. Sie zeigte Möglichkeiten auf diese zu überwinden und mahnte zur Vorsicht in Bezug auf bestimmte Bildungspolitiken, die eine nachteilige Wirkung haben können und "zu Stigmatisierung und Stereotypisierung führen, anstatt die Schüler zu befähigen". Frau Christodoulou stellte einige gute Praktiken von PVE in Bildungsmedien aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland sowie aus regionalen und internationalen Organisationen vor.

Die zweite Sitzung umfasste eine Mini-Diskussionsrunde, in der Lehrer und Ausbilder von Lehrkräften aus Belgien, Frankreich und dem Libanon ihre Erfahrungen aus erster Hand in formalen und informellen Bildungsangeboten teilten. Bruno Derbaix, Lehrer und Schul-Coach für das 'Movement for active citizenship in schools and institutions' in Belgien, sprach über die Notwendigkeit, die Probleme und die lebenswichtigen Bedürfnisse der Gesellschaft zu überdenken und berichtete über seine Erfahrung, dass Lehrer selbst manchmal eine Identitätskrise durchmachen, was ihre Aufgabe von 'PVE through education' noch komplexer macht. Dider Guise, Lehrer und LehrerInnen-Trainer in Frankreich sowie Mitglied des Medien- und Informations-Bildungszentrums in Frankreich (CLEMI), unterstrich die unterstützende Rolle der Medien- und Informationskompetenz für den Aufbau von Resilienz und kritischem Denken bei SchülerInnen. Zusätzlich teilte er konkrete Beispiele von einem LehrerInnen Ausbildungskurs, an dem er beteiligt war. Fadi Tawa, Professor an der libanesischen Universität und Koordinator des Ausbildungszentrums für Lehrkräfte an öffentlichen Schulen, sprach über die jüngste Einführung des PVE-E-Projekts in Beirut im Mai 2017 und über die Herausforderungen, die ein Lehrer hat – vor allem in Regionen, in denen es eine getrennte religiöse Erziehung gibt. 

Der Diskussionsrunde folgten zwei Vorträge von NGOs. Jo Ritzen, Vorsitzender der CELL-Stiftung und ehemaliger Bildungsminister der Niederlande, erörterte die Bedeutung der Überarbeitung von Lehrbüchern als Teil von PVE und kündigte eine Initiative zur Reduzierung von polarisierenden Stereotypen in Lehrbüchern an. Ariane Wolf vertrat das Netzwerk für Gewaltprävention in Deutschland und stellte die dreistufige Vorgehensweise 'prevention, intervention and deradicalisation', zusammen mit Einsichten aus den Projekten und Erfahrungen der Organisation, vor. Ein Kernproblem im gesamten Workshop war die Notwendigkeit, die notwendigen Kompetenzen für junge Menschen zu entwickeln, um Konflikte friedlich und demokratisch zu lösen, anstatt auf gewalttätigen Extremismus zurückzugreifen.

Ein Nachrichtenartikel über die Veranstaltung finden Sie auf der offiziellen UNESCO-Website hier.

Das abschließende Programm des Workshops finden Sie hier.

Gefördert durch

Kontakt

Eleni Christodoulou

Abteilung Schulbuch und Gesellschaft

Außenstelle B1.10
Tel.: +49 531 59099-376
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