Vom Sparformular zum Planspiel Börse: Ökonomisches Wissen in Schule und Familie im 20. Jahrhundert

Seit Beginn der Finanz- und Bankenkrise 2007 wird das kindliche und jugendliche Wissen über Geld verstärkt als mangelhaft beklagt und die vermeintliche ökonomische Unmündigkeit vieler jüngerer Menschen als Problem benannt. In dem Feld der Financial Literacy agieren unterschiedliche Interessens- und Akteursgruppen und bemühen sich um Einfluss auf die schulische und familiäre Erziehung. Neben den Banken und Sparkassen sind Verbraucherberatungen, Schulen und auch Eltern aktiv.

Die jeweiligen Vorstellungen darüber, was Financial Literacy bedeutet, unterlagen im 20. Jahrhundert einem deutlichen Wandel. Das Projekt geht von der These aus, dass der exklusiv bürgerliche Wert der Sparsamkeit, der das 19. Jahrhundert dominierte, im frühen 20. Jahrhundert von einer Vorstellung abgelöst wurde, in der Sparsamkeit zu einem allumfassenden ‚guten Finanzverhalten‘ für alle Menschen – auch für Kinder und Jugendliche der Arbeiterschichten – wurde. Erst in den 1980er Jahren, so die weitere Annahme, trat ein neues Leitbild. Vormals ‚erwachsene‘ monetäre Handlungsweisen, wie Investitionstechniken, Unternehmensführung und Aktienspekulation wurden zum Bestandteil ökonomischer Subjektivierung von Kindern und Jugendlichen. Institutionen, wie Marktforschungseinrichtungen und Verbraucherberatungen, stellten weitere wichtige Akteure im Feld der frühen Financial Literacy-Diskurse dar, die das Feld des ökonomischen Wissens definierten und popularisierten. Parallel zu den Veränderungen in den Geldtechniken und Geldidealen wandelten sich jedoch auch die Konzepte davon, was ein Kind sein sollte und welches Kind - Junge oder Mädchen, Arbeiter- oder Bürgerkind - welche monetären Techniken erlernen sollte. Das Projekt verbindet aus diesem Grund die historische Perspektive auf Financial Literacy mit der Kindheits- und Jugendgeschichte.

Laufzeit

  • 2015-2018

Finanzierung

  • GEI

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