Tagung: Quo vadis, deutsch-israelisches Verhältnis?

Tagung in Leipzig widmete sich den Auswirkungen von Migration auf die Beziehungen zwischen den beiden Ländern

Die Auswirkungen aktueller Zuwanderung nach Deutschland und Europa auf das deutsch-israelische Verhältnis zu untersuchen – das scheint zunächst ein etwas exotisches Unterfangen zu sein. Doch betrachtet man das Thema unter dem Gesichtspunkt der möglichen Folgen für die Erinnerungskultur hierzulande und hält sich das brennende Interesse vor Augen, das israelische Medien in den Jahren 2015 und 2016 an dem Geschehen in Europa und insbesondere in Deutschland gezeigt haben (und weiterhin zeigen), dann sieht das Ganze schon nicht mehr so randständig aus.

Eine bilaterale Tagung, die der Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik an der Universität Leipzig und das Georg-Eckert-Institut im Rahmen der Tätigkeit der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission am 28. und 29. November durchführten, befasste sich mit verschiedenen Aspekten dieser Thematik. Vier Panels widmeten sich den Einstellungen unter Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber Israel, dem Judentum und dem Holocaust, den Auswirkungen auf die Museums- und Gedenkstättenkultur in Deutschland, der Frage nach geeigneten Strategien für die Integrationspädagogik sowie der israelischen Erfahrung mit jüdischer Einwanderung und nichtjüdischer Migration. Die Arbeitsgruppe Geschichte der DISBK stellte erste Ergebnisse ihrer Analyse der für die Orientierungskurse des BAMF vorgesehenen Lehrbücher vor. Den Keynote-Vortrag hielt der bekannte israelische Fernsehjournalist und Deutschlandexperte David Witzthum, der die Rezeption der „Flüchtlingskrise“ von 2015 in den israelischen Medien rekapitulierte. Zum Abschluss der Tagung wagte sich der israelische Historiker Moshe Zimmermann an eine Prognose über die zukünftige Entwicklung des deutsch-israelischen Verhältnisses unter den sich abzeichnenden politischen und gesellschaftlichen Tendenzen in beiden Ländern, die jedoch nicht allzu optimistisch ausfiel. Die Tagung wurde – wie alle Aktivitäten der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission – vom Auswärtigen Amt gefördert.

V.l.: Sina Arnold (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin), Riem Spielhaus (GEI), Omar Kamil (Universität Erfurt), Orkide Ezgimen (KIgA Berlin)
V.l.: Riem Spielhaus (GEI), Omar Kamil (Universität Erfurt), Orkide Ezgimen (KIgA Berlin)
David Witzthum (Israelisches Fernsehen)
V.l.: Frank Langner (Friedrich-Ebert-Gymnasium, Bonn), Andrea Hopp (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin), Dervis Hizarci (Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie)
V.l.: Moshe Zimmermann (Hebräische Universität, Jerusalem), Alfons Kenkmann (Historisches Seminar, Universität Leipzig)
V.l.: Frank Langner (Friedrich-Ebert-Gymnasium, Bonn), Sophia Tölle (Universität Leipzig), Martin Liepach (Fritz Bauer Institut, Frankfurt a.M.), Alfons Kenkmann (Historisches Seminar, Universität Leipzig)