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GEI-Kolloquium, 25. April 2012
Ekaterina Makhotina (LMU, München): Musealisierung der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Litauen nach 1989.
Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens steht die Frage nach der
Entwicklung der musealen Präsentation des Zweiten Weltkriegs in Litauen
im Kontext des erinnerungspolitischen Wandels nach der Unabhängigkeit
von der Sowjetunion. Es reflektiert die Frage, ob und inwiefern die
Erinnerungskultur an "Didysis Tėvynės Karas", litauisch für den "Großen
Vaterländischen Krieg", lediglich ein "sowjetisches" Projekt gewesen ist
oder ob es doch auf ein bestimmte Art und Weise vom gesellschaftlichen
Erinnern mitgetragen und mitgeformt wurde.
Den Fluchtpunkt der Überlegungen bildet der Befund, dass das
Kriegsgedenken nach 1989 in der Erinnerungskultur des Landes an Gewicht
verloren und einem expliziten antisowjetischen Impuls sowie der Betonung
eines litauischen Opferbildes gewichen ist. Gegenwärtig wird der Krieg
auf der staatlichen Ebene vor allem im Kontext des Holocaust-Gedenkens
thematisiert und erhält eine visuelle und materielle Gestalt lediglich
an den Orten, die mit der Massenvernichtung jüdischer Bürger
zusammenhängen. Sinnfällig ist dabei das visuelle Nebeneinander der in
einer emotionalisierenden und identitätsstiftenden Form gestalteten
Narrative der Holocaustopfer einerseits und der litauischen Opfer des
sowjetischen Terrors andererseits. Gleichzeitig lassen sich neben dem
aktuellen, staatlich geförderten Narrativ die Diskurse anderer
Kollektive ausmachen (wie Kriegsteilnehmer, transnationale Netzwerke),
die ihre eigene visuelle und rituelle Ausgestaltung erhalten.
17.00 Uhr, Konferenzraum im 3. OG, Haupthaus



