Querschnittsbereich Erinnerungskulturen
Seit es in der Geschichtswissenschaft nicht mehr in erster Linie um die (Re)produktion von Fakten, sondern um Formen des Erinnerns geht, untersucht auch die Schulbuchforschung, wie mit der Vergangenheit in Schulbüchern bei sich wandelnden historischen Kontexten umgegangen wird.
Schulbücher sind schon oft als Medien analysiert worden, die kulturelle Erinnerung vermitteln, konstituieren und repräsentieren – bislang jedoch vor allem aus nationalstaatlicher Perspektive.
Der Querschnittsbereich bündelt verschiedene Projekte des Georg-Eckert-Instituts, die sich mit Schulbüchern und schulischer Praxis als Gegenstand und Spiegel von Erinnerungskulturen befassen. Theoretisch und methodisch knüpft die Schulbuchforschung an drei aktuelle Strömungen an:
1. Vom Gedächtnis zum Erinnern
Erinnern ist ein aktiver Prozess, der Vergangenheit von einem bestimmten Zeitpunkt aus (re)konstruiert. Erinnerung ist – im Unterschied zum eher statischen Gedächtnis - dynamisch, ein Bündel von Praktiken, die sich im Laufe der Zeit verändern.
2. Von der Repräsentation zur Rezeption
Kollektiv geteilte Erinnerung ist immer das prekäre Ergebnis einer Reihe von Faktoren. Es sagt noch nichts darüber aus, wie Menschen die Vorstellungen von Vergangenheit nutzen, die ihnen angeboten werden, ob sie diese übernehmen, ignorieren oder insgeheim umgestalten.
3. Von der Homogenität zur Heterogenität
In der Vergangenheit wurde die Homogenität der kollektiven Erinnerung überzeichnet. Neuere Ansätze lenken den Blick auf die Analyse von Erinnerungskonflikten innerhalb einer Gesellschaft oder auch zwischen Gesellschaften.



