Das „akustische Gedächtnis“ - eine Barriere auf dem Weg zu einem europäischen Geschichtsunterricht?
Dieses Projekt wendet sich der Grundlagenforschung zu und enthält einen empirischen Teil. Es befindet sich im Stadium einer Machbarkeitsstudie.
Es wird von der These ausgegangen, dass das menschliche Gedächtnis von akustischem Material in ähnlich starker Weise wie von bildlichem geprägt ist. Während Bedeutung, Wirkung und Entstehung von Erinnerungs-Ikonen und mithin das „Bild-Gedächtnis“ von Kollektiven relativ gut erforscht sind, wurde dem kollektiven akustischen Gedächtnis wenig Aufmerksamkeit zuteil. In dieses fließen in ähnlicher einprägsamer Weise Stimmen, Geräusche, Töne und Klänge ein. Man könnte fragen: Welche sprachlichen Töne verbinden wir mit bestimmten geschichtlichen Ereignissen? Im Gegensatz zu Bildern werden diese – soweit es nicht um Musik geht – primär von der jeweiligen Sprachgemeinschaft und nicht universell rezipiert. Man darf davon ausgehen, dass das akustische Gedächtnis in starkem Maße ein nationales Gedächtnis ist. Dies stellt für jeden Versuch, historisch-politische Bildung zu „europäisieren“ ein theoretisches und ein praktisches Problem dar.
In dem Projekt müsste zunächst neben einer Bestandsaufnahme die Ausgangsthese überprüft werden. Durch Erhebungen müsste die Existenz, die Beschaffenheit und die etwaige Homogenität eines akustischen Gedächtnisses festgestellt werden. Es gibt Sammlungen wichtiger politischer Tondokumente, die sich aber in der Regel als „nationale Ton-Museen“ verstehen. In Osteuropa darf aufgrund der sowjetischen Prägung eine Sonderentwicklung mit starken transnationalen akustischen Relikten vermutet werden. Eine komparatistische Forschung mit internationalem Anspruch hat sich diesem Phänomen noch nicht zugewandt. Die aus dem Projekt ableitbaren Folgerungen sind für den Medieneinsatz in einem Unterricht mit europäischem Ansatz vermutlich hochrelevant.
Deutsch-russisches Pilotprojekt
In einem deutsch-russischen Pilotprojekt wurden im Jahr 2008 Bestandsaufnahmen zusammengetragen und erste Erkenntnisse gewonnen. Ein gemeinsame mit der Akademie des Staatsdienstes Wolgograd (VAGS) veranstaltete Konferenz in Wolgograd wandte sich dem Thema „Akustisches Gedächtnis und Zweiter Weltkrieg“ zu. Dabei wurde der Versuch unternommen, die Sonosphäre des Zweiten Weltkrieges so zu bearbeiten, dass sie für den Unterricht zugänglich wird. Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe fertigten zu diesem Zweck Akustik-(Video)-Clips an.
Produkte
- Akustik-Clips:
„Switching channels“ von Jonas Grawert
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„Was bleibt“ von Lukas Fütterer
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- Veröffentlichung:
Robert Maier und Gennadij G. Slyškin (Hrsg.): Pamjat' o Vtoroj mirovoj vojne v sovremennych kommunikativnych technologijach [Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in modernen Kommunikationstechnologien]. Wolgograd: Paradigma 2009, 100 S. - Empirische Umfrage:
Befragung zum „akustischen Gedächtnis“ (im Wesentlichen durchgeführt von Nils Eckert)
Kontakt
Robert Maier
Aussenstelle#2 E 1.05
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[Wissenschaft - Leiter AB Europa]
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