Schulische Bildungsmedien im Zeichen von Globalisierung

Die in diesem Arbeitsbereich angesiedelten Projekte analysieren das Wechselverhältnis zwischen Bildungsmedien und Globalisierung aus der Perspektive von zwei Forschungsfragen. Zum einen untersuchen sie, wie Bildungsmedien junge Menschen darauf vorbereiten, die Herausforderungen einer globalisierten Moderne zu bewältigen. Zum anderen gehen sie der Frage nach, wie Bildungsmedien unsere Vorstellungen davon prägen, was Globalisierung ist.

Mit der Formulierung dieser beiden Forschungsfragen knüpft der Arbeitsbereich an drei wichtige Stränge der allgemeinen Theoriedebatte an. Zunächst begreift er Globalisierung als einen sozialen Prozess, der in erster Linie die Art und Weise beeinflusst, wie Menschen die Welt um sich herum wahrnehmen. Dass wir in einer globalisierten Welt leben, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass wir uns zunehmend der Tatsache bewusst werden, wie vielfältig und unterschiedlich der Blick ist, den Menschen an unterschiedlichen Orten auf die Welt werfen. Die Frage, ob und wie Bildungsmedien das Bewusstsein der SchülerInnen für die globale Vielfalt der Weltwahrnehmungen schärfen, wird vor diesem Hintergrund zu einem spannenden Forschungsgegenstand. Darüber hinaus kann man Globalisierung aber auch mit der Herausbildung weltweit vernetzter Kommunikationsräume gleichsetzen. Diese Vernetzung kann das Ergebnis der Entstehung von neuen Kommunikationsstrukturen sein. Ein typisches Beispiel wäre die Herausbildung transnationaler Medienkonzerne. Sie kann aber auch in der Angleichung von Kommunikationsinhalten wurzeln. Das geschieht, so die zentrale These, deshalb, weil Menschen sich mittlerweile weltweit beobachten können. Was an einem Ort als ein relevantes Thema gilt, hat damit immer auch Auswirkungen darauf, wie und worüber an anderen Orten kommuniziert wird. Der Arbeitsbereich untersucht, wie sich beide Formen der weltweiten Beeinflussung von lokalen Kommunikationsprozessen auf die Inhalte von Bildungsmedien auswirken. Globalisierung verändert aber nicht nur, wie sich Menschen zur Welt und zueinander in Beziehung setzen. Sie berührt auch die Vorstellungen darüber, wie ein normaler Mensch zu sein hat und welche Anforderungen man legitimer Weise an ihn stellen kann. Anders ausgedrückt – Globalisierung definiert auch den Subjektstatus von Menschen neu. Für den Arbeitsbereich ergibt sich daraus die Frage, wie dies in Bildungsmedien geschieht und welche neuen Anforderungen sich daraus für Lernende und Lehrende ergeben.

[mehr]

All diesen Fragen geht der Arbeitsbereich nicht nur in der Auseinandersetzung mit den Texten von Bildungsmedien nach. Er bezieht vielmehr auch die Kontexte, in denen diese Texte produziert und angeeignet werden in die Untersuchung mit ein. Konkret untersucht er einerseits, welche Akteure auf nationaler und transnationaler Ebene Einfluss darauf nehmen, welche Inhalte in Bildungsmedien aufgenommen werden und welche nicht. Andererseits fragt er danach, wie diese Inhalte von SchülerInnen und LehrerInnen in der Schule rezipiert werden.

[mehr]

Gegenwärtig wird im Arbeitsbereich in zwei Themenfeldern geforscht.

Erinnerungskulturen
Die Frage, welchen Beitrag Schulbücher zur Entstehung nationaler Erinnerungskulturen leisten, ist traditionell ein Schwerpunktthema der Schulbuchforschung. Der Arbeitsbereich setzt hier aber neue Akzente, indem er sein Augenmerk auf die durch Globalisierung angestoßenen Veränderungen richtet. Daraus ergeben sich zwei Schwerpunktsetzungen. Zum einen richtet er seinen Fokus auf den post-sowjetischen Raum, den Balkan und Afrika, also auf diejenigen Weltregionen, in denen Globalisierung Prozesse der Fragmentierung beschleunigt hat. Die Aufgabe, einen tragfähigen gesellschaftlichen Konsens über die Deutung der eigenen Vergangenheit herzustellen, stellt sich in diesen Regionen mit besonderer Dringlichkeit. Zum anderen analysiert er Bildungsmedien nicht nur als Träger eines nationalen erinnerungskulturellen Diskurses, sondern auch als ein Medium, in dem sich globale Debatten und Konjunkturen widerspiegeln. In den Vordergrund rückt damit die Frage, wie globale erinnerungskulturelle Trends in unterschiedlichen lokalen Kontexten angeeignet und übersetzt werden.

Heterogene Gesellschaften
Globalisierung hat im Zuge von Migration nicht nur dazu geführt, dass Gesellschaften in ihrer ethnischen und religiösen Zusammensetzung tatsächlich vielfältiger werden. Vielleicht noch wichtiger ist vielmehr, dass im Zeichen von Globalisierung das Bewusstsein dafür gestiegen ist, wie bedeutsam Identitätsunterschiede sind – unabhängig davon, ob sie auf der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen sozialen, kulturellen, religiösen oder ethnischen Gruppen bzw. auf Geschlechterdifferenzen beruhen. Dieses Bewusstsein hat nicht nur die Forderung nach der Anerkennung von Differenz hervorgebracht. Mindestens ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass Identitäten niemals eindeutig, sondern immer vielfältig und zudem fließend sind. Vor diesem Hintergrund geht der Arbeitsbereich der Frage nach, ob und wie sich dieser Bewusstseinswandel auch in Bildungsmedien widerspiegelt und wie Bildungsmedien auf die Herausforderungen regieren, die mit der zunehmenden Sensibilisierung für die Heterogenität von Gesellschaften verbunden sind.


Abgeschlossene Projekte

 
Seitenanfang
Letzte Änderung: 11.08.2010