1. Schulbücher in Konflikten

Unter der Prämisse, dass gesellschaftliche, politische Konflikte nicht nur strukturelle Ursachen besitzen, sondern auch ein Ergebnis gesellschaftlicher Wahrnehmungen sind, befasst sich der Schwerpunkt mit der Rolle, die Schulbücher in Konflikten spielen können. Mehrere Möglichkeiten sind zu unterscheiden, aus denen sich unterschiedliche Forschungsfragen ergeben:

  • Schulbuchdarstellungen sind ein Spiegel verschiedener Konfliktkonstellationen einer Gesellschaft, ohne dass ihnen selbst im Rahmen des Konflikts eine Funktion zukommt. Die Frage ist hier, ob solche neutralen Positionen in Konfliktsituationen durchzuhalten sind und in welchen Konstellationen sie ggf. möglich werden.
  • Schulbücher zementieren Konflikte und tragen dazu bei sie latent zu halten, indem sie sie an immer neue Schülergenerationen weitergeben. Es ist zu fragen, welche Darstellungsweisen und Inhalte hier eine Rolle spielen - beispielsweise die Verwendung von Freund-Feind-Schemata oder die Festschreibung territorialer Ansprüche. Stehen hinter solchen Mustern staatliche Absicht oder gesellschaftlich internalisierte Sichtweisen und entfalten solche Darstellungen die ihnen zugeschriebene Wirkung?
  • Ein länger dauernder, gewaltsamer Konflikt wirkt sich in der Regel auch auf die Schulbuchdarstellungen aus. So zeichnen die Darstellungsweisen oft asymmetrische Beziehungen zwischen den Kontrahenten (Täter-Opfer, Mensch-Unmensch). Die Entwicklung solcher Darstellungsweisen im Zuge des Konflikts und die Rolle einer solchen sich im Konfliktverlauf verändernden Wahrnehmung im Rahmen einer Konfliktbewältigung sind zentrale Forschungsfragen für diesen Bereich.

Über die Analyse von Einzelfällen hinaus liegt in zukünftigen Vergleichsstudien ein Potential für verallgemeinernde Aussagen. Gleichzeitig liefern diese Untersuchungen eine Begründung dafür, Schulbücher im Rahmen von "Schulbucharbeit" in eine Konfliktbearbeitung einzubeziehen oder mit ihren Ergebnissen eine Konfliktprävention anzustreben. Derzeit befasst sich ein Projekt mit der konfliktverschärfenden oder friedensfördernden Rolle von Schulbüchern in Südasien.

 
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Letzte Änderung: 13.08.2009