Radikalisierung junger Menschen

Rechts, links, islamistisch: Was bringt junge Menschen in Deutschland dazu, sich politisch abzugrenzen und sich zu radikalisieren? Welche Dynamiken entstehen? Diese Fragen untersucht in den kommenden vier Jahren ein Verbundprojekt* unter Beteiligung des Georg-Eckert-Instituts - Leibniz-Institut für Internationale Schulbuchforschung (GEI). Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Riem Spielhaus (GEI) untersucht zusammen mit Teams der drei Universitäten  Universität Duisburg-Essen, Universität Leipzig und Universität Osnabrück, wie sich die Radikalisierung des Islams, seine pauschale Ablehnung und antidemokratische Mobilisierung immer enger verzahnen. 

Spätestens seit dem 9/11 - Anschlag haben Terroranschläge weltweit für ein negatives Bild vom Islam gesorgt. Rechtspopulisten und Rechtsextreme greifen dies auf und bauen „den Islam“ und „die Muslime“, die sie unter Generalverdacht stellen, als ein neues Feindbild auf. Islamistische Radikalisierungstendenzen basieren wiederum auf Ausgrenzungserfahrungen und extremistischen Lesarten des Korans und unterfüttern mit Gewalttaten die Islam-feindlichkeit.

„Das große Problem ist, dass einige Jugendliche auf diese Radikalisierungsspirale anspringen und sich im Zuge dessen von der Demokratie abwenden. Wann und warum das so ist und warum man diese Konflikte nicht so einfach lösen kann, interessieren das Forschungsteam besonders“, so die Verbundprojektleiterin Prof. Dr. Susanne Pickel von der Duisburg-Essen. 

„Schulbücher bieten eine besondere Chance, junge Menschen zu erreichen und zu stärken, und sie dabei zu unterstützen, sich mit gesellschaftlich relevanten, brisanten oder sogar polarisierenden Themen auseinanderzusetzen. Dazu gehört aktuell auch und besonders das Thema Islam. Umso wichtiger ist es daher, die Inhalte von Bildungsmedien in den Blick zu nehmen,“ erklärt die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus.

Das am Georg-Eckert-Institut angesiedelte Teilprojekt zielt daher darauf ab, Anregungen für auf den Islam bezogene Unterrichts¬einheiten zu geben, die geeignet sind, der gegenwärtigen Verflechtung religionsbezogener und politischer Diskurse Rechnung zu tragen und, (Co-) Radikalisierungstendenzen wirksam zu begegnen. „Uns liegt daran,“ so Riem Spielhaus weiter „die Ergebnisse aus der Radikalisierungsforschung im Verbundprojekt direkt in die Redaktionen der Bildungsmedienverlage zu vermitteln.“ 

An dem Verbundprojekt sind verschiedene Disziplinen beteiligt, darunter Politikwissenschaft, Integrationsforschung, Islamwissenschaften, Sozialpsychologie und Religionssoziologie. Ziel des Vorhabens ist auch zu erarbeiten, wie man gegen eine (Co-) Radikalisierung junger Menschen intervenieren und wie man ihr vorbeugen kann. 

* Das Forschungsprojekt lautet „Radikaler Islam versus radikaler Anti-Islam. Gesellschaftliche Polarisierung und wahrgenommene Bedrohungen als Triebfaktoren von Radikalisierungs- und Co-Radikalisierungsprozessen bei Jugendlichen und Post-Adoleszenten“. Die Leitung hat Prof. Susanne Pickel an der Universität Duisburg-Essen. Projektpartner sind vier Wissenschaftler der Universität Leipzig, ein Forscher der Universität Osnabrück sowie eine Forscherin des Georg-Eckert-Instituts, Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig.

Weitere Informationen:

Wissenschaftskommunikation:
Catrin Schoneville
Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung
Tel. +49 (0)531/ 59099-504 
schoneville@remove-this.leibniz-gei.de
www.gei.de