Deutsch-Israelische Schulbuchkommission

Die institutionalisierte deutsch-israelische Schulbuchzusammenarbeit reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Im Jahr 1985 legte die erste bilaterale Schulbuchkommission beider Länder ihre Empfehlungen vor. Die 2010 wiedergegründete Deutsch-Israelische Schulbuchkommission (DISBK) untersuchte in einer ersten Phase ihrer Tätigkeit etwa 400 deutsche und 100 israelische Geschichts-, Geographie- und Sozialkundeschulbücher auf die Darstellung des jeweils anderen Landes, seiner Geschichte und Gesellschaft sowie auf die Darstellung des Holocaust und seiner Erinnerung. Die Ergebnisse wurden im Sommer 2015 vorgestellt. Zu den zentralen Befunden zählen die einseitige und verzerrte Darstellung Israels im Kontext des Nahostkonflikts in deutschen Schulbüchern sowie eine allenfalls sporadische Präsentation Deutschlands nach 1945 in israelischen Bildungsmedien.

Entwicklung von Lernmodulen

Vor dem Hintergrund dieser Defizite empfahl die DISBK nicht nur entsprechende Änderungen in den Schulbüchern, sondern auch die gemeinsame Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien, die Schüler*innen in Deutschland und Israel ein differenziertes Bild des jeweils anderen Landes vermitteln sollen. Von 2016 bis 2019 entstanden im Rahmen der Schulbuchkommission und koordiniert vom GEI am Center for Educational Technology  in Tel Aviv digitale, interaktive Lernmodule für den Unterricht in beiden Ländern. Unter dem Oberthema „Migration aus bilateraler Perspektive“ wurden sieben Lehreinheiten auf Deutsch und Hebräisch entwickelt, die sich zum Beispiel mit der Einwanderung deutschsprachiger Juden in das Mandatsgebiet Palästina in den 1930er Jahren und mit Israel als Einwanderungsland beschäftigen. Ein Fortbildungsprogramm für Multiplikator*innen aus beiden Ländern flankiert die Verbreitung der gemeinsamen Unterrichtseinheiten.

> Zur Website: Migration aus bilateraler Perspektive. Deutsch-israelische Unterrichtseinheiten

Das Thema „Migration“ beschäftigt die DISBK auch weiterhin. So untersucht sie derzeit die Darstellung Israels, von Juden und Judentum sowie des Nationalsozialismus und des Holocaust in Bildungsmedien, die in Integrationsangeboten für Geflüchtete in Deutschland eingesetzt werden. Eine bilaterale Tagung, die im November 2019 in Leipzig stattfand, beleuchtete die Auswirkungen aktueller Zuwanderung nach Deutschland und Europa auf das deutsch-israelische Verhältnis.

Die DISBK ist in drei bilaterale Arbeitsgruppen für Geschichte, Geographie und Sozialkunde gegliedert. Deren Mitglieder treffen sich regelmäßig projektbezogen auf nationaler Ebene sowie zu bilateralen Konsultationen. Die Arbeit der Kommission wird durch das Auswärtige Amt und das israelische Erziehungsministerium gefördert.

Im Januar 2016 wurde das GEI für die Koordination der DISBK von der Botschaft des Staates Israel mit einer von 50 Ehrenmedaillen anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern ausgezeichnet.