Deutsch-Polnische-Schulbuchkommission

Die 1972 unter dem Dach der UNESCO-Kommissionen beider Länder gegründete Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission war bis 1990 die zentrale Plattform der Kooperation zwischen Historikern und Geographen in Deutschland und in Polen. Heute arbeitet die Kommission unter völlig veränderten Bedingungen, haben doch deutsche und polnische Wissenschaftler*innen vielfältige Foren, um sich zu begegnen und zusammenzuarbeiten. Dennoch bildet die Schulbuchkommission weiterhin ein starkes, von Vertrauen und langjähriger Zusammenarbeit getragenes Netzwerk und ist ein Eckpfeiler der internationalen Schulbuchforschung. Sie wirkt damit weit über die deutsch-polnischen Beziehungen hinaus, was vielfältige Arbeitskontakte mit Wissenschaftler*innen aus Europa und Ostasien belegen.

Ziel

Die Kommission verfolgt das Ziel, den fachwissenschaftlichen Dialog zu Schulbuchfragen zu vertiefen. Mittels ihrer Expertise und einer regelmäßigen wissenschaftlich-didaktischen Analyse deutscher und polnischer Lehrwerke wirkt die Kommission auf eine sachgemäße und angemessene Repräsentation des jeweiligen Nachbarn im Unterricht hin. Sie unterzieht die deutschen und polnischen Lehrpläne in Geschichte und Geographie einem gegenseitigen Revisionsprozess, der angesichts der unterschiedlichen Wahrnehmungsperspektiven notwendig ist, um eine wissenschaftlich korrekte und pädagogisch verantwortbare Darstellung der gegenseitigen Beziehungen zu erreichen bzw. zu erhalten. Dazu veranstaltet die Kommission ihre jährlichen Präsidiumssitzungen sowie Fachkonferenzen und verleiht den Maria-Wawrykowa-Preis für langjähriges Engagement im deutsch-polnischen Schulbuchdialog und besonders für die schulische Vermittlung der Anliegen der Kommission.

Deutsch-Polnisches Geschichtsbuch

Seit 2009 ist die Kommission an der Entwicklung des gemeinsamen, auf vier Bände angelegten deutsch-polnischen Geschichtsbuches „Europa. Unsere Geschichte” maßgeblich beteiligt. Band 1 („Von der Ur- und Frühgeschichte bis zum Mittelalter“) wurde im Juni 2016 in zwei inhaltlich und gestalterisch identischen Sprachfassungen der Öffentlichkeit vorgestellt und steht seitdem für den Einsatz im Geschichtsunterricht in Deutschland und Polen bereit. Band 2 („Neuzeit bis 1815“) wurde im September 2017 veröffentlicht und Band 3 („Vom Wiener Kongress bis zum Ersten Weltkrieg“) ist im Sommer 2019 erschienen. Band 4 („20. Jahrhundert bis zur Gegenwart“) folgt im Juni 2020. 

> Zur Website: Europa. Unsere Geschichte

2018 wurde ein deutsch-polnischer Arbeitskreis für Lehrer*innen bei der Kommission eingerichtet. In dieser Entscheidung spiegelt sich zum einen der Wunsch der Kommission, für die Implementierung des gemeinsamen Geschichtsbuchs stärker Expert*innen aus der Schulpraxis einzubinden. Zum anderen entspricht es dem Anliegen der Lehrer*innen beider Länder, mit ihrem Expertenwissen zur Weiterentwicklung der Lehrmittel beizutragen. Damit einhergehende Lehrer- und Autorenfortbildungen finden mehrmals im Jahr statt.

Im Juni 2017 wurde die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung mit dem Viadrina-Preis der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) ausgezeichnet.