Deutsch-Israelische Schulbuchkommission

Mitglieder des Arbeitsstabs Geschichte beim Auftakttreffen zur zweiten Projektphase am Matach-Zentrum in Tel Aviv am 14.6.2016.

Von 2011 bis 2015 untersuchte die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission (DISBK) Geschichts-, Geographie- und Sozialkundebücher beider Länder; im Fokus standen dabei die Darstellung des jeweils anderen Landes, seiner Geschichte und Gesellschaft und die Darstellung des Holocaust und seiner Erinnerung. Unter etwa 1.200 in Deutschland seinerzeit zugelassenen Schulbüchern der drei Fächer musste sich die Kommission auf eine Auswahl beschränken. Untersucht wurden Schulbücher aus fünf Bundesländern: Bayern, Berlin (bzw. Brandenburg), Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Insgesamt handelte es sich um über 400 Titel, von denen 94 relevante Texte im Hinblick auf die Darstellung Israels und 25 Kapitel aus Geschichtsschulbüchern unter dem Gesichtspunkt der Holocaustdarstellung analysiert wurden. Auf israelischer Seite wurden alle zugelassenen Geschichts-, Geographie- und Sozialkundeschulbücher der drei staatlich kontrollierten Bildungssektoren (allgemein-säkular, religiös und arabisch) auf relevante Inhalte geprüft und letztlich 44 Bücher einer eingehenden Analyse unterzogen.

Erste Ergebnisse der Analysen zum Israel- bzw. Deutschlandbild wurden im Dezember 2012 auf einer Konferenz im Auswärtigen Amt vorgestellt. Ende 2013 wurden die Zwischenberichte der einzelnen Arbeitsgruppen zu dieser Thematik vorgelegt und diskutiert; es folgten 2014 die Zwischenberichte zur Darstellung des Holocaust in deutschen und israelischen Geschichtsschulbüchern. Ende 2014 verabschiedete die DISBK bei einem Treffen aller drei Arbeitsgruppen in Tel Aviv die abschließenden Befunde und diskutierte einen ersten Entwurf der gemeinsamen Schulbuchempfehlungen. Diese sind im Juni 2015 zum fünfzigjährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in der Institutsreihe Eckert.Expertise erschienen.

Zu den Empfehlungen der DISBK gehörte die gemeinsame Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien, die Schülerinnen und Schülern in Deutschland und Israel ein differenziertes und vertieftes Bild des anderen Landes, seiner Geschichte und Gesellschaft vermitteln sollen. Bis 2018 wird die Schulbuchkommission in einer zweiten Projektphase entsprechende digitale und interaktive Lernmodule für den Unterricht entwickeln. Als Oberthema der Unterrichtseinheiten wurde „Migration im deutsch-jüdischen bzw. deutsch-israelischen Kontext“ gewählt. Unter anderem werden Module zur Einwanderung deutscher Juden in das Mandatsgebiet Palästina in den 1930er Jahren, zum Einfluss von Migration auf die stadträumliche Entwicklung von Berlin und Tel Aviv und zum Selbstverständnis von Einwanderern aus den GUS-Staaten in Israel und Deutschland entstehen. Die technische Umsetzung der Inhalte geschieht zum größten Teil am Tel Aviver Zentrum für Bildungstechnologie (Matach), das über weitreichende Erfahrungen bei der Entwicklung digitaler Unterrichtsmedien verfügt. Die inhaltliche Erarbeitung und die Quellenrecherche obliegen drei Arbeitsstäben für die jeweiligen Fächer, die sich aus den Mitgliedern der Schulbuchkommission, Mitarbeitern des Matach-Zentrums und den Angehörigen des Koordinierungsteams am GEI zusammensetzen.

Das Projekt wird auf deutscher Seite vom Auswärtigen Amt gefördert und vom Georg-Eckert-Institut koordiniert. Auf israelischer Seite ist das Erziehungsministerium federführend; die Koordination geschieht durch das Matach-Zentrum. Bis Ende 2015 arbeitete das GEI mit dem Mofet-Institut für Forschung, Curricula und Programmentwicklung für Lehrerbildner in Tel Aviv zusammen.

 

Mitglieder der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission

Arbeitsgruppe Geschichte

  • Dr. Elit Chemla, Open University, Tel Aviv
  • Dr. Simcha Goldin, The Goldstein-Goren Diaspora Research Center, Tel Aviv University
  • Dr. Orna Katz-Atar, Israelisches Erziehungsministerium, Jerusalem
  • Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Historisches Seminar, Universität Leipzig
  • Dr. Martin Liepach, Pädagogisches Zentrum – Fritz Bauer Institut & Jüdisches Museum Frankfurt a. M.

Arbeitsgruppe Geographie                                                          

  • Sara Brom, Fachberaterin für Geographie, Jerusalem
  • Dalia Fenig, Israelisches Erziehungsministerium, Jerusalem
  • Prof. Dr. Michael Hemmer, Institut für Didaktik der Geographie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Dr. Arnon Medzini, Oranim Academic College of Education, Tivon
  • Prof. Dr. Gabriele Schrüfer, Institut für Didaktik der Geographie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Prof. Dr. Ute Wardenga, Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig

Arbeitsgruppe Sozialkunde                                                                

  • Prof. Dr. Mark Arenhövel, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden
  • Frank Langner, OStD, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Bonn
  • Dr. Nava Rozen, Fachberaterin Sozialkunde, Tel Aviv
  • Prof. Dr. Wolfgang Sander, Didaktik der Sozialwissenschaften, Justus-Liebig-Universität Giessen
  • Dr. Tali Yariv-Mashal, The Beracha Foundation, Jerusalem

Mit beratender Funktion

  • Prof. Dr. Dan Diner, Hebräische Universität Jerusalem / Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig

Kooperationspartner

Seit 2016:

  • Matach – Zentrum für Bildungstechnologie, Tel Aviv

2011–2015

  • Dr. Michal Golan, Direktorin des Mofet-Instituts
  • Dr. Arie Kizel, Universität Haifa/Mofet-Institut, israel. Koordinator der Schulbuchkommission

 

 

Gefördert durch

Kontakt

Projektleiter und dt. Vorsitzender der Schulbuchkommission

Eckhardt Fuchs

Direktor / Direktion

Villa E2.09
Tel.: +49 531 59099-500
E-Mail senden

Wissenschaftlicher Sekretär der Schulbuchkommission

Dirk Sadowski

Abteilung Europa

Außenstelle B1.16
Tel.: +49 531 59099-305
E-Mail senden