Profil

Die zentrale Aufgabe des Georg-Eckert-Instituts besteht in der Erforschung historisch, politisch und geographisch bedeutsamer Darstellungen in Schulbüchern und anderen schulrelevanten Bildungsmedien. Seine Forschungs- und Transferaktivitäten reflektieren den vielschichtigen Charakter von Schulbüchern ebenso wie soziale und politische Kontexte.

Die zentrale Kompetenz des GEI liegt in der anwendungsorientierten Erforschung von Wissensstrukturen, Identitätsangeboten und Deutungsmustern, die über staatliche Bildung vermittelt und institutionell abgesichert werden. Im Zentrum des Interesses stehen Konstruktionen des Eigenen und des Anderen, symbolische Grenzziehungen und Repräsentationen von Staaten und einzelnen gesellschaftlichen Gruppen. Gesellschaftliche Wirkungen von Schulbüchern, ihre Produktionsbedingungen sowie schulische Rezeptionsprozesse im Kontext anderer Bildungsmedien gehören zu den neuen Feldern des GEI, das sich vor allem mit Schulbüchern für den Bereich der social studies (Geschichte, Geographie, Sozialkunde) beschäftigt.

Darüber hinaus erbringt das GEI vielfältige Transfer- und Serviceleistungen. So berät es nationale und internationale Bildungspolitiker, Bildungspraktiker und Bildungsorganisationen in Schulbuchfragen. Ausgehend von seinen Forschungsergebnissen trägt das GEI zur Dekonstruktion von Feindbildern bei und erarbeitet Vorschläge für die Versachlichung und Weiterentwicklung von Unterrichtsmedien. Insbesondere in (Post-)Konflikt- und Transformationsgesellschaften agiert es darüber hinaus auch als Mediator in Schulbuchkonflikten und unterstützt die Entwicklung neuer Lehrwerke.

Relevanz des Schulbuchs

Aufgrund ihres verdichteten und kanonischen Charakters sind Schulbücher wissenschaftlich, politisch und bildungspraktisch bedeutsame Medien: Sie definieren nicht nur „legitimes Wissen“ und wünschenswerte Kompetenzen, sondern vermitteln auch staatlich bzw. gesellschaftlich gewünschte Identitätsangebote. Sie sind deshalb immer auch ein Politikum und verweisen auf die Kontexte, in denen sie hergestellt, genutzt und verhandelt werden. Schulbücher können ethnische, kulturelle, religiöse oder politische Konflikte auslösen oder abbilden, zugleich aber auch als Instrument der Konfliktbewältigung und Verständigung dienen.

Das GEI im Forschungsfeld

Schulbuchforschung ist ein multidisziplinär strukturiertes Querschnittsfeld, das als akademische Disziplin an keiner Universität zu finden ist. Da dieses Feld aber für Wissenschaftler aus unterschiedlichen disziplinären Kontexten und Regionen attraktiv und anschlussfähig ist, sind sie auf ein „physisches Zentrum“ und ein forschungsförderndes Umfeld angewiesen. Genau dieses Umfeld bietet das GEI mit seinen wissenschaftlichen Arbeitsbereichen, seinen Veranstaltungen und seinen neuen, IT-gestützten Transferprojekten, mit seiner international geschätzten Forschungsbibliothek, seinen Stipendiatenprogrammen und seinem Gästehaus. Ausgehend von seinem Gegenstand benötigt und fördert das GEI die Kooperation zwischen regionaler und (multi)disziplinärer Forschung, die Vernetzung des Feldes und eine ebenso forschungsbezogene wie forschungsbasierte Infrastruktur. Es fungiert damit als ein Knotenpunkt der schulbuchbezogenen Bildungsmedienforschung. Dabei sind Forschung, Wissenstransfer, Infrastruktur- und Serviceleistungen durchgängig aufeinander bezogen.

Mittelfristige Perspektiven

Das mittelfristige Forschungs- und Arbeitsprogramm des GEI „Europa in der Welt – Die Welt in Europa: Repräsentationen, Praktiken und Transfers im Kontext von Schule und Unterricht“ definiert die zentralen Schwerpunkte der Institutstätigkeit bis 2015. In Übereinstimmung mit diesem Programm baut das GEI gegenwärtig neue Kompetenzen auf. Diese zielen auf die Erschließung von Arbeitsfeldern, die für eine moderne, nicht nur an Diskursen, sondern auch an kulturellen und sozialen Praktiken interessierte Schulbuchforschung unverzichtbar sind. Dazu gehören das Wechselverhältnis zwischen Schulbüchern und anderen Bildungsmedien, die Konzipierung eines Arbeitsbereichs „Geschichte, Theorien und Methoden der Bildungsmedien(forschung)“ und der Aufbau der empirischen Rezeptions-, Wirkungs- und Evaluationsforschung.

Durch eine weitere Stärkung der Forschung, durch die überlegte Ausweitung der Forschungsgegenstände, durch die – bereits eingeleitete – Erweiterung der Knotenpunktfunktion in den virtuellen Raum hinein und durch eine Verbesserung der Infrastruktur (unter anderem durch einen geplanten Erweiterungsbau) wird das Georg-Eckert-Institut seine Funktion als international agierendes, leistungsfähiges Kompetenzzentrum für die vergleichende Erforschung von Schulbüchern und ihren gesellschaftlichen Kontexten weiter stärken und ausbauen.

[Wissenschaft]

 
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Letzte Änderung: 28.02.2013