Deutsch-Polnische Schulbuchkommission

Die Kommission gehört zu den erfolgreichsten Projekten im Rahmen der „klassischen“ bilateralen Schulbucharbeit des Georg-Eckert-Instituts. Als sie 1972 auf Initiative der deutschen und der polnischen UNESCO-Kommission gegründet wurde, war vorrangiges Ziel ihrer Mitglieder die Geschichts- und Geographiebücher beider Seiten auf mögliche Falschdarstellungen, Vorurteile und Stereotypen hin zu untersuchen und für eine sachliche Darstellung der konfliktiven Beziehungsgeschichte einzutreten. Die im Klima des Kalten Krieges begonnene Arbeit der Kommission war immer auch von den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen geprägt. In der Anfangsphase verlangte dies von beiden Seiten einen gewissen Pragmatismus, z.B. beim Umgang mit der Vertreibung von Deutschen als Folge des Zweiten Weltkriegs. Entscheidend war jedoch, dass die Mitglieder der Kommission auch bei heiklen Fragen stets auf Augenhöhe miteinander diskutierten.

Inzwischen gehören Deutschland und Polen nicht mehr zu verschiedenen ideologischen Blöcken, sondern sind ganz „normale“ Nachbarn in Europa. In der Kommissionsarbeit stehen daher auch nicht mehr vergangene Beziehungsprobleme im Vordergrund, sondern die Frage, wie Geschichte und Geographie zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben beider Länder beitragen können. 

Das jüngste Projekt der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission spiegelt die Entwicklung ihres Tätigkeitsfeldes wider. Im Januar 2008 beauftragten die Außenminister Polens und Deutschlands die Kommission ein Konzept für ein deutsch-polnisches Geschichtsbuch zu entwickeln, das im regulären Unterricht beider Länder eingesetzt werden kann. Das GEI hat in der Person seines Direktors, Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, die wissenschaftliche Koordination des Projektes inne. Inzwischen ist sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite ein Verlag gefunden, der das Geschichtsbuch publizieren wird. Rechtzeitig zum 40jährigen Jubiläum der Kommission im Mai 2012 erscheinen in der Reihe „Eckert. Expertise“ die von polnischen und deutschen Wissenschaftlern erarbeiteten Empfehlungen zur inhaltlichen und formalen Gestaltung des Lehrwerkes.

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Thomas Strobel

Abteilung Europa

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