PD Dr. Barbara Christophe

Am Georg Eckert Institut ist Barbara Christophe die Koordinatorin des Arbeitskreises Erinnerungskulturen und Erinnerungspraktiken.

Sie studierte Geschichte und Slawistik, promovierte 1996 mit einer soziologischen Studie zu Diskursen in Litauen an der Universität Bremen und habilitierte sich 2005 mit einer ethnographischen Studie zu Korruption in Georgien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Barbara Christophe ist als Gutachterin für die Bertelsmannstiftung, die VW-Stiftung und die EU tätig. Für den DAAD organisiert sie regelmäßige Sommerschulen. Im Promotionskolleg der Robert-Bosch-Stiftung hat sie Doktoranden betreut.

Forschungsschwerpunkte

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Transformationsforschung, der Friedens- und Konfliktforschung sowie der Erinnerungsforschung. Geographisch hat sie sich lange mit dem postsowjetischen Raum und hier insbesondere mit dem Baltikum, dem Kaukasus und Zentralasien beschäftigt. In letzter Zeit entwickelt sie allerdings verstärkt Projekte auch zu Deutschland und Ostmitteleuropa.

Projekte

  • In einer Reihe von Projekten nutzt sie Schulbuchforschung als Instrument einer kulturwissenschaftlich motivierten und dabei v.a. praxistheoretisch ausgerichteten Erforschung von Praktiken des Erinnerns. In einem Projekt mit Prof. Dr. Matthias König von der Universität Göttingen zu ‘Europeanisation, Multiple Modernities and Collective Identities – Religion, Nation and Ethnicity in an Enlarged Europe’ hat sie gemeinsam mit einem kleinen Team Europakonzeptionen in polnischen, rumänischen, griechischen und türkischen Geschichtsschulbüchern untersucht.
  • Das Projekt „Die Institutionalisierung kultureller Deutungsmuster: Geschichtslehrer als Schnittstellen zwischen kollektivem und individuellem Gedächtnis in Georgien, Kirgisien und Litauen“ untersucht gesellschaftliche Debatten um die Erinnerung an den Sozialismus in zwei Typen von Erinnerungstexten, in Geschichtsschulbüchern und in biographischen Erinnerungsnarrativen von Geschichtslehrern.
  • Das internationale Verbundprojekt „Teaching the Cold War – Memory Practices in the Classroom“ nimmt Schweden, Deutschland und die Schweiz in den vergleichenden Blick. Mit einem ausgefeilten methodischen Instrumentarium, das von Interviews mit Schülerinnen und Lehrerinnen bis zur videogestützten Unterrichtsbeobachtung reicht, wird untersucht, wie in der Schule die Erinnerung an eine Zeit verhandelt wird, die im Gedächtnis vieler Zeitzeugen noch sehr präsent ist.
  • In einer Pilotstudie zum ersten Weltkrieg entwickelt Barbara Christophe gemeinsam mit Kerstin Schwedes eine Unterrichtseinheit, die auf Schulbucherzählungen aus 18 unterschiedlichen Ländern beruht. In einer zweiten Phase wird im Rahmen einer Interventionsstudie untersucht, wie Schulklassen in verschiedenen Ländern auf diese gezielte Einübung von Multiperspektivität reagieren.

Publikationen (Auswahl)

Monographien

  • Metamorphosen des Leviathan in einer postsozialistischen Gesellschaft. Georgiens Provinz zwischen Fassaden der Anarchie und regulativer Allmacht, Bielefeld: Transcript 2005.
  • Staat versus Identität. Zur Konstruktion von Nation und nationalem Interesse in den litauischen Transformationsdiskursen von 1987 bis 1995, Köln: Verlag Wissenschaft und Politik, 1997.

Herausgeberschaft

  • Macgilchrist, Felicitas; Christophe, Barbara; Binnenkade, Alexandra (Hg.) (2015): Memory Practices and History Education (Special Issue). JEMMS 7 (2). New York: Berghahn Journals.
  • zusammen mit Kerstin Schwedes: Schulbuch und Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliche Analysen und geschichtsdidaktische Überlegungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2015.

Peer reviewed Artikel

  • Christophe, Barbara: „Eigentlich hingen ja alle mit drin.“ Entnazifizierung und Kalter Krieg in deutschen Schulbüchern und in den Erzählungen von Lehrenden, in: Franziska Flucke und Ulrich Pfeil (Hg.): „Das geteilte Deutschland im Schulbuch. Die Darstellung des Kalten Krieges am Beispiel Deutschlands in den (Geschichts-) Schulbüchern von 1945 bis in die Gegenwart“, i.E.
  • Christophe, Barbara/Halder, Lucia: Concepts of the Past. Socialism. In: Anne Bock, Eckhardt Fuchs. (Hrsg.): Palgrave Handbook on Textbook Studies. London: Palgrave, i.E.
  • Christophe, Barbara: Victims or perpetrators or both? How do history textbooks and history teachers in Post-Soviet Lithuania remember the post-war partisans?. In: Randall Hansen, Achim Saupe, Anrdeas Wirsching, Daqing Yang, eds.: Historical Authenticity and Victimhood in Twentieth-Century History and Commemorative Culture. Toronto: Toronto University Press, i.E.
  • Ahlrichs, Johanna; Baier, Katharina; Christophe, Barbara; Macgilchrist, Felicitas; Mielke, Patrick; Richtera, Roman (2015): Memory Practices in the Classroom. On Reproducing, Destabilizing and Interrupting Majority Memories. In: JEMMS 7 (2), S. 89-109.
  • Corruption as Institutionand Habitus: Georgia under Eduard Shevardnadze as Seen from the Perspective of Pierre Bourdieu’s Theory of Practice, in: Stephane Voell/Iwona Kaliszewska, eds.: State and legal practic in the Caucasus. Anthropological perspectives on law and politics, London: Ashgate, 2015: 209-222.
  • Religiös und doch modern? Nation und Europa in polnischen und türkischen Schulbüchern, in: GW 64/1-2, 2013, 61-79.
  • Translating Globalization Theories into Educational research. Thoughts on Recent Shifts in Holocaust Education, in: Discourse. Studies in the Cultural Politics of Education 32:3, 2011. (mit F. Macgilchrist)
  • Migration in Geman Textbooks: Is Multiperspectivity an Adaequate Resonse?, in: Context 1:1 (2009), 190-202.
  • Capitalism as Organized Chaos - The Political Economy of Georgia under Eduard Shevardnadze, in: David Lane/Martin Myant, eds.: The Varieties of Post-Socialist Capitalism, Houndmills/New York 2007: 183-201.
  • Inszenierung von Scheinkonflikten als Strategie. Die Unsichtbarkeit der Macht in Georgien, in: Julia Eckert, Hg.: Anthropologie des Konfliktes, Bielefeld 2004.
  • Bringing Culture back into a Concept of Rationality. State-Society Relations and Conflict in Postsocialist Transcaucasia, in: J. Köhler/C. Zürcher, Hg.: The Potential of Post-Soviet (Dis)Order, Manchester 2003, 193-207.
  • When is a Nation? Comparing Lithuania and Georgia, in: Geopolitics 7:2 (2002), 147-172.
  • The Legacy of the Neo-Patrimonial State: A Forgotten Dimension in Explaining Ethnic Conflict in Post-Socialist Transcaucasia, in: Special Issue of the South Europe Review 1999, 85-95.
  • Von der Politisierung der Ökonomie zur Ökonomisierung der Politik. Staat, Markt und Außenpolitik in Russland, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 5:2 (1998), 201-240.

Andere

  • Christophe, Barbara: Was War der sowjetische Sozialismus? Konflikte um authentische Erinnerung in Litauen. In: Barbara Christophe, Christoph Kohl, Heike Liebau (Hrsg.): Lokale Geschichte(n), (Macht-)Politik und die Suche nach historischer Authentizität, Berlin: Klaus Schwarz Verlag, i.E.
  • Christophe, Barbara (2015): Kulturwissenschaftliche Schulbuchforschung – Trends, Ergebnisse und Potentiale. In: Christoph Kühberger und Philipp Mittnik (Hg.): Empirische Geschichtsschulbuchforschung in Österreich. Innsbruck: Studien Verlag (Österreichische Beiträge zur Geschichtsdidaktik. Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung, 10), S. 35–47.
  • Christophe, Barbara (2015): Corruption as Institution and Habitus. Georgia under Eduard Shevardnadze from the Perspective of Pierre Bourdieu's Theory of Habitus. In: Stéphane Voell und Iwona Kaliszewska (Hg.): State and Legal Practice in the Caucasus. Anthropological Perspectives on Law and Politics. Farnham/Burlington: Ashgate Publishing, S. 209–222.
  • Friedl, Sophie; Christophe, Barbara; Schwedes, Kerstin (2015): Den Ersten Weltkrieg unterrichten. Didaktische Prinzipien und Herausforderungen im Spiegel von Schulbüchern. In: Barbara Christophe und Kerstin Schwedes (Hg.): Schulbuch und Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliche Analysen und geschichtsdidaktische Überlegungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 93-154.
  • Christophe, Barbara; Schwedes, Kerstin (2015): Den Ersten Weltkrieg erzählen. Schulbücher als Erinnerungstexte lesen. In: Barbara Christophe und Kerstin Schwedes (Hg.): Schulbuch und Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliche Analysen und geschichtsdidaktische Überlegungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 15-92.
  • Christophe, Barbara; Schwedes, Kerstin (2015): Einleitung, In: Barbara Christophe und Kerstin Schwedes (Hg.): Schulbuch und Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliche Analysen und geschichtsdidaktische Überlegungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 7-15.
  • Christophe, Barbara (2014): Uncertain Facts about an Age of Certainties. The Cold War in West German Textbooks. In: Eckert.Das Bulletin (14), S. 11-15.
  • Der Erste Welkrieg in internationalen Schulbüchern. Kulturwissenschaftiche Analysen und geschichtsdidaktische Anregungen, in: Eckert/Working Papers 2014/7.
  • Kulturwissenschaftliche Schulbuchforschung – Trends, Ergebnisse, Potentiale, in: Eckert, Working Papers 2014/6.
  • Schulbücher als Seismographen für diskursive Büche Ein neuer Ansatz in der kulturwissenschaftlichen Schulbuchforschung dargestellt am Beispiel der Analyse von Schulbucherzählungen über den Kalten Krieg, in: Eckert. Working Papers 2014/4 (gemeinsam mit K. Baier und K. Zehr)
  • Dviprasmiskumas kaip irankis? Lietuvos istorijos mokitojai kaip kulturino socializmo interpretaciju reiksmiu vertejai, (Ambivalenz als Ressource? Litauische Geschichtslehrer als Übersetzer von kulturellen Deutungsmustern des Sozialismus), in: Alvydas Nikzentaitis, ed.: Atminties daugiasluoksniskumas. Miestas, valstybe, regionas (Die Vielschichtigkeit der Erinnerung. Stadt, Staat, Region.), Vilnius 2013.
  • Der Kalte Krieg im Schulbuch, in: Eckert/Das Bulletin 14, 2013
  • Wie macht man es richtig und wer weiß es besser? Deutsche Lehrer und Lehrerinnen über Migration im Schulbuch, in: Eckert/Das Bulletin 13, 2013, 30-33.
  • Praktiken des Erinnerns mit den Mitteln der Schulbuchforschung untersuchen. Der Querschnittsbereich Erinnerungskulturen stellt sich vor, in: Eckert/Das Bulletin 12, 2012, 21-23.
  • Verhandlungen über den Sozialismus. Geschichtslehrer als Schnittstelle zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis, in: Eckert. Beiträge 2012/1.
  • Constructing National Identity in Romanian History Textbooks and the Challenge of Addressing a European Audience, in: James Williams: (Re) Constrcting Memory: School Textbooks, Identity, And the Pedagogies and Politics of Imagining Commuity, Rotterdam, i.E.
  • Verhandlungen über den Sozialismus. Geschichtslehrer als Schnittstelle zwischen individuellem und kollektiven Gedächtnis, in Eckert. Beiträge 1/2012. Online
  • Remembering Communism – Making Sense of Post-Communism. An Analysis of Dis-coursive Strategies in Lithuanian Textbooks, in: Eckert 10/2010. Online
  • Erinnerungen an Helden und Feiglinge. Vergangenheit und Gegenwart im litauischen Schulbuch, in: Osteuropa 8-2010, 71-90.
  • 1989-2009. Wider die Sprachlosigkeit oder wessen Geschichte zählt?, in: Jule Reuter, Hg.: Bewegte Welt – Erzählte Zeit., Berlin 2009, 10-25.
  • Cohesion and Difference. Nation and Natonalism in Lithuania, in: Egbert Jahn, ed.: Nationalism in Late and Post-Communist Europe, Baden-Baden 2009: 215-240.
  • Inszenierung von Scheinkonflikten als Strategie. Die Unsichtbarkeit der Macht in Georgien, in: Julia Eckert, Hg.: Anthropologie des Konfliktes, Bielefeld 2004.
  • Transformation als Inszenierung. Zur institutionellen und kulturellen Einbettung von Korruption in Georgien, in: H. H. Höhmann, Hg.: Kultur als Bestimmungsfaktor der Transformation im Osten Europa, Bremen 2000, 157-177.