Ausländer, Fremde oder Migranten? Veröffentlichung der Studie Migration und Integration in Schulbüchern

Braunschweig, 17.03.2015. Das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) hat für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration eine Studie zum Thema Migration und Integration in Schulbüchern durchgeführt, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie untersucht aktuelle Schulbücher der Sekundarstufen I in den Fächern Sozialkunde/Politik, Geschichte und Geografie und analysiert die Herausforderungen und Anforderungen an eine zeitgemäße Darstellung in Schulbüchern.

Die Schulbuchstudie betont die Notwendigkeit der Normalisierung von migrationsbedingter Heterogenität und fragt  in Bezug auf die untersuchten Schulbücher: Wie werden Migranten dargestellt, welche Vorstellungen von Integration werden vermittelt? Wer wird in Schulbüchern als Teil unserer Gesellschaft dargestellt und wer nicht?

Die 65 untersuchten Schulbücher behandeln Deutschland überwiegend als Einwanderungsland, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft ihre Heimat gefunden haben. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass in den analysierten Schulbüchern die Problematisierung von Migration gegenüber der Darstellung von Diversität als Normalfall überwiegt. Migration wird in den Sozialkunde- und Geschichts-Schulbüchern, teilweise auch in Geografie-Schulbüchern primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt.

 „Die Studie zeigt auch, dass Begriffe wie  „Ausländer“, „Fremde“ „Migranten“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“  häufig nicht unterschieden, sondern im Gegenteil sogar synonym im Schulbuch benutzt werden.  Die Möglichkeit, einen differenzierten, reflektierten und bewussten Umgang mit bestimmten Begriffen einzuüben, wird daher in den Schulbüchern nicht ausreichend wahrgenommen,“ erläutert Dr. Inga Niehaus, Leiterin der Studie, am Georg-Eckert-Institut (GEI).

Integration gilt in den Schulbüchern aller drei Fächer als unbedingt notwendig für den sozialen Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft, wird aber kaum konkretisiert. Von Menschen mit Migrationsgeschichte wird erwartet, sich an die deutsche Gesellschaft anzupassen. In welcher Weise der Staat dies besser unterstützen kann, wird hingegen selten thematisiert; die staatliche Integrationspolitik wird überwiegend positiv dargestellt.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Notwendigkeit, diversitätssensible Schulbücher zu produzieren, die (migrationsbedingte) Vielfalt widerspiegeln und deren Chancen für die Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen.

Die Schulbuchstudie Migration und Integration steht online und kann als gedruckte Version bestellt werden unter:

 http://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BPA/IB/Schulbuchstudie_Migration_und_Integration_09_03_2015.html?nn=670290