Newsletter April/Mai 2013

"Schulbücher des Jahres" gekürt

Am 15. März hat das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung drei herausragende Lehrwerke als "Schulbuch des Jahres 2013" ausgezeichnet. Außerdem wurde ein Preis für das beste nicht-curriculare Zusatzmaterial vergeben.

Die feierliche Preisverleihung fand mit rund 150 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Bildung auf der Leipziger Buchmesse statt. "Schulbücher versammeln das Wissen, das eine Gesellschaft an die nächste Generation weitergeben möchte. Das macht ihr Qualität so ungemein wichtig. Die Schulbücher, die wir auszeichnen, sollen zum Lernen anregen, sich an den Alltagserfahrungen der Schüler orientieren, Neugier wecken und methodisch sowie fachlich auf dem neuesten Stand sein", so Prof. Dr. Simone Lässig.

Die Gewinner:

In der Kategorie "Geschichte/Gesellschaft":

Histoire/Geschichte. Europa und die Welt von der Antike bis 1815 hg. v. Rainer Bendick, Peter Geiss, Daniel Henri und Guillaume Le Quintrec, Ernst-Klett-Verlag 2011, Geschichtsbuch für die 11.Klasse

Die Jury sagt: "Histoire/Geschichte ist der dritte Band eines gemeinsamen deutsch-französischen Schulbuchs. Es integriert in vorbildlicher Weise verschiedene Perspektiven - Weltgeschichte, europäische, deutsche und französische Geschichte - und dies trotz unterschiedlicher Curricula in den beiden Ländern."

In der Kategorie "MINT":

Biologie heute SII hg. v. Jürgen Braun, Andreas Paul (†) und Elsbeth Westendorf-Bröring, Schroedel 2011, Biologiebuch für die Gymnasiale Oberstufe

Die Jury sagt: "Das Lehrwerk ist ein sehr umfangreiches, gut durchdachtes und reich illustriertes Kompendium für den kompletten Stoff der Oberstufe, das allen Anforderungen an ein zeitgemäßes Schulbuch gerecht wird und selbst Lehrern und Studenten als Nachschlagewerk dienen kann."

In der Kategorie "Sprachen":

Kombi kompakt. Deutsch in der Oberstufe, Ausgabe N hg. v. Elke Langendorf und Thorsten Zimmer, C.C. Buchners Verlag 2012, Deutschbuch für die Gymnasiale Oberstufe

Die Jury sagt: "Kombi kompakt überzeugt durch inhaltliche Verschlankung , die sich am Curriculum orientiert und nicht alle Kompetenzbereiche in gleicher Tiefe umsetzen will - das Lehrbuch gewinnt dadurch Transparenz und Klarheit im Aufbau. Die Verknüpfung von Texten, Aufgabenstellungen. Wissen und Methodenhinweisen ist sehr gut gelungen. 'Kompakt' bedeutet hier im besten Sinne eine klare Fokussierung in gebührender Qualität und Tiefe."

In der Kategorie "Zusatzmaterial":

Geschichte und Geschehen Oberstufe. Geschichts- und Erinnerungskultur: Nationale Denk- und Feiertage in verschiedenen Ländern. Mythen hg. v. Michael Sauer, Ernst-Klett-Verlag 2012

Die Jury sagt: "Bei dem ganz neu konzipierten Themenheft überzeugt neben der gelungenen Mischung der Materialien besonders die Auswahl der wissenschaftlichen Texte. Diese geben den neuesten Stand der Forschung wieder, stehen kontrovers zueinander und fordern zur kontroversen Diskussion auf."


Wissenschaftsjahr 2013: Das Georg-Eckert-Institut auf Leibniz-Ausstellung

Unter dem Titel "Zukunft leben: Die demographische Chance" präsentiert die zentrale Ausstellung des Wissenschaftsjahres 2013 lebensnah die vielen Facetten des demographischen Wandels. Zahlreiche interaktive Module und Exponate ermöglichen es dem Besucher, sich mit Hilfe von Ergebnissen und Lösungsvorschlägen aus Wissenschaft und Forschung ein Bild vom Entwicklungspotenzial einer alternden, immer vielfältiger werdenden Gesellschaft zu machen. In Videointerviews äußern sich Wissenschaftler direkt zu Fragen rund um das Leben, die Arbeit und die Bildung der Zukunft. Das Georg-Eckert-Institut ist mit einem Videobeitrag zum Thema Migration von Götz Nordbruch vertreten.

Die von der Leibniz-Gemeinschaft konzipierte Wanderausstellung tourt durch Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft in Mainz, Bochum, Bremerhaven und München und macht außerdem Station im Deutschen Hygiene-Museum Dresden.


Schlüsselregion "Oberschlesien" in polnischen Schulbüchern vernachlässigt

Die Ergebnisse des 2011 gestarteten und vom Beauftragten der Bundesregierung für Kutlur und Medien geförderten Forschungsprojekts am Georg-Eckert-Institut und der TU Braunschweig liegen vor. Unter dem Titel "Oberschlesien und sein kulturelles Erbe - Erinnerungspolitische Befunde, bildungspolitische Impulse und didaktische Innovationen" ging der Historiker und Literaturwissenschaftker Marcin Wiatr der Frage nach, ob und in welcher Form diese multikulturelle Region mit wechselvoller Geschichte Eingang in die Schulbücher des Nachbarlandes findet. Er analysierte rund 80 Geschichtsbücher der Sekundarstufe II, die seit 1989 erschienen sind. Dabei zeigte sich, dass die Region in weniger als 1% der Schulbucherzählungen vorkommt, Tendenz abnehmend. Wenn überhaupt, finden sich historische Darstellungen. Aktuelle Debatten werden ausgeblendet. Oberschlesien sei jedoch - so ein Fazit der Studie - zugleich Herausforderung wie auch bildungspolitische Chance: Denn eine Beschäftigung mit der Region kann die immer noch vorherrschende, nationale Perspektive der Schulbücher öffnen - hin zu Kontroversität, Multiperspektivität und einem europäischen Blick auf die Vergangenheit.


Podiumsdiskussion "Zukunftsmodell digitales Klassenzimmer?"

In den letzten Jahren setzen immer Schulen digitale Geräte und multimediale Lehrmittel ein. Notebook- und Tablet-Klassen sprießen überall aus dem Boden, Schulserver vernetzen Schüler und Lehrer miteinander und viele Schulen sind bereits voll ausgestattet mit digitalen Whiteboards. Was bedeutet dieser globale Wandel für das Unterrichten und Lernen im "digitalisierten Klassenzimmer"? Welche Kompetenzen benötigen Lehrer, um die neuen Medien effektiv im Unterricht einzusetzen und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Schüler individuell und kollaborativ mit diesen lernen können? Wie müssen digitale Bildungsmedien aussehen und wie kommen sie zum Einsatz? Wie verändern sich die Unterrichtssituation und die Lehrer- und Schülerrolle durch den Einsatz digitaler Geräte und welche pädagogisch-didaktisches Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?

Diese weitgreifenden Fragen diskutierten am 23.01.2013 im Georg-Eckert-Institut (GEI) Lehrer, Wissenschaftler, Bildungsexperten und Medienbeauftragte aus Deutschland und Schweden (Universität Umeå).


Digitale Schulbuchbibliothek "GEI-Digital" setzt neue Standards

Das Projekt „GEI-Digital“ (www.gei-digital.de) digitalisiert Schulbücher vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in den „sinnstiftenden“ Fächern Geschichte, Geographie und Staatsbürgerkunde und macht es somit einfacher, wissenschaftliche Studien zu gesellschaftlichen Werten, zur staatlichen Erinnerungspolitik und zur Identitätsbildung durch Schulbücher durchzuführen. Wissenschaftler können bereits in den rund 350.000 Schulbuchseiten per Volltextsuche einzelne Begriffe aufspüren, die Fundstellen visuell hervorheben und exportieren. Besonders hilfreich ist die Möglichkeit, auf Ausschnitte von einzelnen Seiten zu zoomen. Damit können auch detaillierte Karten in Schulbüchern in höherer Auflösung online betrachtet werden.

In den letzten 3 Jahren wurden rund 2.000 historische Geschichtsbücher und wertvolle Atlanten digitalisiert. Bis 2015 werden Wissenschaftler in rund 5.000 Schulbüchern auf insgesamt einer Million digitalisierter historischer Schulbuchseiten forschen können. Durch andere Bibliotheken digitalisierte Lehrwerke lassen sich in „GEI-Digital“ integrieren, das so zum zentralen Fachportal für digitale historische Schulbücher wird.

„GEI-Digital“ ist ein Kooperationsprojekt von GEI,  der Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (BBF/DIPF) und dem Gauß-IT-Zentrum der TU-Braunschweig und wird von der DFG gefördert.


KIWI-Forschertage: Kinder entdecken Schulbücher anderer Zeiten und Länder

Am 25. März 2013 besuchten 15 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren im Rahmen der KIWI-Forschertage das Georg-Eckert-Insitut (GEI) und seine Bibliothek. Das vom Braunschweiger Haus der Wissenschaft initiierte Ferienprogramm für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren bietet unterhaltsame und altersgerechte Einblicke in die Arbeit verschiedener Forschungseinrichtungen in der Region.

Die KIWIs lernten in der Forschungsbibliothek des GEI Georg Eckert und seine Arbeitsschwerpunkte kennen und erfuhren Wissenswertes über die vielfältigen Aufgaben der Bibliothek. Anhand internationaler Schulbüchern aus Syrien, Vietnam oder Turkmenistan konnten die Kinder ihre geographischen Kenntnisse unter Beweis stellen und natürlich die sehr unterschiedlichen Lehrwerke mit den eigenen gewohnten Schulbüchern vergleichen.

Anschließend schlüpften die KIWIs selbst in die Rolle eines Schulbuchforschers und untersuchten in Schulbüchern aus der Kaiserzeit (1871-1918), was Schüler damals über fremde Länder wie China oder Russland erfuhren oder was sie über die alten Griechen oder die Ritter lernten.

Das GEI beteiligte sich mit dieser Veranstaltung zum ersten Mal am KIWI-Programm, das seit 2009 während der Oster- und Herbstferien angeboten wird.


ANKÜNDIGUNGEN


„Blick zurück im Zorn oder gibt es ein richtiges Leben im Falschen?“ Workshop und Gastvortrag von Gesine Schwan am 25. / 26. April am GEI

Am 25. / 26. April findet am GEI ein Workshop zum Thema „Blick zurück im Zorn oder gibt es ein richtiges Leben im Falschen? Biographische Erinnerungen von Geschichtslehrern an den Sozialismus“ statt. Der Workshop, der sich mit den lebensgeschichtlichen Erinnerungen von Geschichtslehrern in der ehemaligen Sowjetunion beschäftigt, bildet den Abschluss des von der Volkswagenstiftung finanzierten Forschungsprojekts: „Die Institutionalisierung kultureller Deutungsmuster des Sozialismus. Geschichtslehrer in Georgien, Kirgisien und Litauen als Schnittstelle zwischen kulturellem und individuellem Gedächtnis“. Höhepunkt der Veranstaltung ist ein öffentlicher Gastvortrag von Gesine Schwan am 25. April, in dem sie zum Umgang mit Schuld in post-diktatorischen Gesellschafen sprechen und dabei vergleichende Überlegungen zum nationalsozialistischen und realsozialistischen Erbe anstellen wird.

  • "Umgang mit Schuld in post-diktatorischen Gesellschaften"
  • Prof. Gesine Schwan
  • 25. April 2013, 18 Uhr, Bibliothek des Georg-Eckert-Instituts
  • Anmeldung für den Vortrag unter: christophe@remove-this.gei.de

NEUERSCHEINUNGEN


History Education and Post-Conflict Reconciliation

Karina Korostelina, Simone Lässig (eds.): History Education and Post-Conflict Reconciliation. Reconsidering Joint Textbook Projects. London: Routledge, 2013; 256 Seiten.

ISBN: 978-0-203-07260-8

Dieses Buch analysiert die Rolle des Geschichtsunterrichts in Konflikt- und Post-Konflikt-Gesellschaften und beschreibt Projekte für gemeinsame Geschichtsschulbücher in Europa, den Balkanstaaten, dem Kaukasus, dem Nahen und Mittleren Osten.

Seit der Entstehung des modernen Schulsystems und der Einführung der allgemeinen Schulpflicht werden Schulbücher als privilegierte Medien angesehen. Das durch sie vermittelte Wissen ist relativ langlebig und sehr selektiv: Jeder Schulbuchautor muss Informationen auswählen, weglassen, komprimieren, strukturieren und verallgemeinern.

Dieser Band erscheint zum richtigen Zeitpunkt, denn durch die wachsende Einsicht, dass ungelöste Meinungsunterschiede über historische Erzählungen zu erneuten Konflikten und oft genug sogar zu Gewalt führen können, findet der Geschichtsunterricht in Konflikt- und Post-Konflikt-Gesellschaften ein immer größeres Interesse.

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