Newsletter Dezember 2010

Das Georg-Eckert-Institut wird Vollmitglied der Leibniz Gemeinschaft

Am 26. November 2010 hat die Mitgliederversammlung der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) beschlossen, das GEI als Vollmitglied aufzunehmen. Das GEI war zuvor bereits assoziiertes Mitglied und wird nun ab dem 01. Januar 2011 eines von 87 Vollmitgliedern sein und ein Scharnier zwischen den historischen und den bildungswissenschaftlichen Instituten der Leibniz-Gemeinschaft bilden.

Die Direktorin des GEI, Prof. Dr. Simone Lässig, sieht in der Aufnahme ihres Instituts in die Leibniz-Gemeinschaft einen positiven Impuls für die weitere Forschung: „Die Zugehörigkeit zur Leibniz-Gemeinschaft bietet uns nicht nur einen verlässlichen Rahmen für unsere zukünftige Arbeit, sondern auch attraktive Möglichkeiten für die Realisierung unserer Konzepte und die Erschließung innovativer Forschungsfelder. Ich bin zudem sicher, dass es uns mit der ‚Marke Leibniz‘ noch besser gelingen wird, herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Braunschweig zu ziehen und unser nationales wie internationales Kooperationsnetz weiter auszubauen.“

  • Kontakt: Verena Radkau

Präsentation von „Empfehlungen“ für ein Deutsch-Polnisches Geschichtsbuch

Am 1. Dezember 2010 kamen die Koordinatorin der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, Staatsministerin Cornelia Pieper, und der brandenburgische Bildungsminister Holger Rupprecht nach Warschau, um gemeinsam mit der polnischen Bildungsministerin Katarzyna Hall und Vizeminister Mirosław Sielatycki Empfehlungen für die Erarbeitung eines deutsch-polnischen Geschichtsbuchs entgegen zu nehmen.
Dieses mehr als zweihundert Seiten umfassende Dokument wurde von einer seit 2008 arbeitenden Projektgruppe aus Wissenschaftlern und Ministeriumsvertretern beider Länder verfasst. Sie wird vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und vom Büro des deutsch-polnischen Geschichtsbuchs am Willy-Brandt-Zentrum der Universität Wroclaw koordiniert. Politisch federführend sind auf deutscher Seite das Land Brandenburg und das (auf deutscher Seite die Finanzierung des Projekts tragende) Auswärtige Amt sowie auf polnischer Seite das Bildungsministerium. Die Empfehlungen sollen einen Rahmen bilden für die nun folgende Arbeit eines deutsch-polnischen Verlagstandems und seiner Autoren.
Das Projekt gilt als „Leuchtturmprojekt“ (Cornelia Pieper) der deutsch-polnischen Beziehungen und als immense Chance, den Schülern beider Länder zentrale historische Erfahrungen des Nachbarlandes nahezubringen.
Sowohl an der Pressekonferenz als auch an der folgenden Podiumsdiskussion nahm Simone Lässig teil. Sie erläuterte zentrale Elemente der Empfehlungen und gab Einblicke in den Arbeitsalltag des Projektteams am GEI. Bemerkenswert ist die sachliche bis wohlwollende Medienberichterstattung auch der konservativen polnischen Presse.


Über 100 Schulbuchrezensionen auf Edumeres.net online

Das Schulbuchrezensionen-Projekt des Georg-Eckert-Institutes kann auf ein erfolgreiches Jahr 2010 zurückblicken. Mittlerweile stehen auf Edumeres.net über 100 Rezensionen zur Verfügung. Im abgelaufenen Jahr entstanden, ermöglicht durch die universitäre Projektarbeit einer Rezensionsbeauftragten des Instituts, über 40 Rezensionen von Studierenden. Dies zeigt besonders deutlich, welchen Zuspruch das Projekt an Universitäten und hier vor allem in den fachdidaktischen Bereichen erfährt. Zukünftig soll das Augenmerk aber auch wieder verstärkt auf Wissenschaftler-, Lehrer- und Schülerrezensionen gelegt werden. Ziel ist es, die konzeptionell angelegte Multiperspektivität zu gewährleisten und auch neu erschienene Schulbücher zeitnah zu rezensieren. Neue Rezensenten sind hierfür stets willkommen.


Erste digitalisierte Geschichtsschulbücher der Partnerbibliotheken online

Seit der zweiten Jahreshälfte werden auch die Bestände externer Bibliotheken in das  Digitalisierungsprojekt GEI-Digital eingebunden. Auf der Grundlage eingehender  Recherchen in bibliographischen Verzeichnissen wurden mehrere hundert Titel in einer zweistelligen Zahl an Bibliotheken in Deutschland lokalisiert. Die in Frage kommenden Bibliotheken wurden kontaktiert und zu einer Projektbeteiligung eingeladen. Die ersten Bände sind mittlerweile digitalisiert und stehen bereits im Internet zur Verfügung.

Mit dem Ziel, alle relevanten Geschichtsschulbücher der Kaiserreichszeit  in Deutschland – auch außerhalb der eigenen Sammlung zu digitalisieren – geht das Projekt GEI-Digital neue Wege. Es wird angestrebt, verstreut existierende Bestände virtuell zusammenzuführen und für die Nutzer eine in sich kohärente Sammlung zu schaffen.

  • Kontakt: Robert Stroetgen

Veranstaltungen


Edumeres.net - Bildungsmedienforschung virtuell verbinden

Braunschweig, 9. Februar 2011

Im Rahmen eines zweitägigen Workshops zu technischen Umsetzungen von virtuellen Kommunikations- und Publikationsmöglichkeiten präsentiert das Georg-Eckert-Institut am 9. Februar die Virtuelle Forschungsumgebung seines Informations- und Kommunikationsportals der Öffentlichkeit. Das Edumeres-Team stellt dabei gemeinsam mit weiteren Experten die Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten von Web 2.0-Technologien in der internationalen Bildungsmedienforschung vor.

  • Kontakt: Kathleen Reiß

Fortbildung zum Thema "Geschichte, die verbindet", Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung

Hannover, 11. Januar 2011

Deutsche und muslimische Geschichte waren und sind eng miteinander verbunden. Das zeigen Ereignisse wie die Kreuzzüge und zahlreiche Reiseberichte. Auch ein Blick auf die deutsche Einwanderungsgeschichte verdeutlicht die schon lange vor der Zeit der Arbeitsmigration bestehenden Verbindungen. Wie diese historischen Verbindungen aussehen, ist Gegenstand der Fortbildung. Damit soll die gegenseitige Wahrnehmung in den Blick genommen und das Bild vom "Anderen" hinterfragt werden.

  • Kontakt: Felicitas Klingler

Fortbildung zum Thema „Identitäten Jugendlicher mit muslimischem Hintergrund“, Gymnasium am Fredenberg

Salzgitter, 27. Januar 2011

Wie unterschiedlich sind Jugendliche mit muslimischem Hintergrund? Welche Identitätsangebote bekommen sie und wie gehen sie damit um? Und was bedeutet dies für die Integrationsarbeit an Schulen? All diese Fragen stellen Diskussionspunkte dar, die die Schule in der Erarbeitung eines Integrationskonzeptes unterstützen sollen.

  • Kontakt: Felicitas Klingler

Fortbildung zum Thema "Idole, Stars und Vorbilder", Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung

Hannover, 10. Februar 2011

Idole, Stars und Vorbilder haben für Jugendliche Orientierungsfunktion und ermöglichen es, sich auszuprobieren sowie Identitäten weiterzuentwickeln und zu schärfen. Jugendliche mit muslimischem Hintergrund können hier auf sehr unterschiedliche Figuren zurückgreifen, die aus religiösen Spektren bis hin zu Hip-Hop-Szenen kommen. Wer diese Stars oder Vorbilder sind und was sie Jugendlichen vermitteln, stellt den Schwerpunkt der Fortbildung dar.

  • Kontakt: Felicitas Klingler

Workshop „Teaching Intercultural Dialogue and Religious Diversity around the Mediterranean”

Alexandria (Ägypten), 21.-22. Februar 2011

Dieser Workshop wird ausgewählte Institutionen aus Europa und dem südlichen Mittelmeerraum zusammenbringen, die sich mit interkulturellem Dialog und religiöser Diversität im Bildungskontext befassen. Er findet in Kooperation mit dem North-South Centre des Europarats, der Anna Lindh Stiftung und dem Swedish Institute/Alexandria statt. Der Workshop soll den Teilnehmenden ermöglichen, Erfahrungen und Expertise auszutauschen und eine intensivere euromediterrane Kooperation auf diesem Gebiet anstoßen.

  • Kontakt: Inse Böhmig

„Vom Input zum Output – von Inhalten zu Kompetenzen. Was bedeuten Bildungsstandards für Schulbücher?“

Leipzig, 17. März 2011

Zu diesem Thema findet am 17. März, von 15:00 bis 16:30 Uhr, im Rahmen der  Leipziger Buchmesse eine Podiumsdiskussion statt. Angesichts des besonderen Stellenwerts von Schulbüchern wirft die nahezu flächendeckende und von der KMK explizit empfohlene Einführung von Bildungsstandards eine Reihe von Fragen auf:  Was geschieht, wenn inhaltliche curriculare Vorgaben an Bedeutung verlieren? Wie können sich LehrerInnen orientieren, wenn die gleichen Kompetenzen an ganz unterschiedlichen Inhalten gelernt werden können? Welche bildungspolitischen und wirtschaftlichen Auswirkungen hat eine Standardisierung auf den nach wie vor föderalen deutschen Schulbuchmarkt? Noch grundsätzlicher: Wie verträgt sich die Übertragung betriebswirtschaftlicher Kategorien auf den Bildungsbereich mit dem Wesen von Schulbüchern? Diese und ähnliche Fragen diskutieren auf dem Podium und mit dem Publikum Lehrer, Wissenschaftler, Bildungspolitiker und Verlagsvertreter.

  • Kontakt: Verena Radkau

Öffentliches Symposium aus Anlass der Aufnahme des GEI in die Leibniz-Gemeinschaft

Braunschweig, 24. - 25. März

Am 24. und 25. März werden alle DirektorInnen der Sektion A der Leibniz-Gemeinschaft im Georg-Eckert-Institut tagen. Dieser Termin bietet einen angemessenen Rahmen, um die Aufnahme des GEI in die WGL auch offiziell zu würdigen. Deshalb soll am Abend des 24. März ein Symposium stattfinden. Das Institut hofft, für eine Teilnahme auch hochrangige Vertreter des BMBF, des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums und des WGL-Präsidiums gewinnen zu können.

  • Kontakt: Verena Radkau

Neuerscheinungen


Robert Maier (Hg.), Akustisches Gedächtnis und Zweiter Weltkrieg.

Göttingen: V&R unipress, 2011.
ISBN 978-389971-585-9

Auch wenn die Geschichtswissenschaft infolge des iconic turn aus ihrer Textlastigkeit etwas herausgefunden hat, bewegt sie sich dennoch weiterhin in einer weitgehend lautlosen Sphäre. Töne und Geräusche werden bestenfalls zum Untersuchungsgegenstand, nachdem sie schriftlich festgehalten, also in Schrift »übersetzt« worden sind.

Der vorliegende Band fragt nach den Übersetzungsverlusten, nach der Differenz zwischen dem, was die Menschen »im Ohr« haben, wenn sie den Zweiten Weltkrieg erinnern, und dem, was davon von der Geschichtsschreibung aufgegriffen wird. Unwillkürlich nähert sich der Band damit der Frage nach dem akustischen Gedächtnis in seinen individuellen und kollektiven Ausformungen. Fünfzehn Beiträge aus deutscher, russischer und japanischer Feder befassen sich mit theoretischen Aspekten, Tonträgern, oral history, durchforsten Biographien auf Ton-Reminiszenzen, nehmen literarische Bearbeitungen in den Blick, untersuchen die Wirkungsmächtigkeit und das didaktische Potential der akustischen Dimension von Geschichte. Schließlich wird die Entstehung eines Akustik-Clips zum Zweiten Weltkrieg dokumentiert.


Eckhardt Fuchs, Joachim Kahlert, Uwe Sandfuchs (Hrsg.): Schulbuch konkret. Kontexte - Produktion - Unterricht.

Bad Heilbrunn : Klinkhardt, 2010
ISBN 978-3-7815-1775-2

In jeder deutschen Schule wird täglich mit Schulbüchern gearbeitet. Im Gegensatz dazu befassen sich die didaktische Literatur und die Lehr-Lern-Forschung nur angelegentlich mit dem Schulbuch und seiner Qualität, mit Auswahlkriterien und mit didaktisch-methodischen Fragen des Einsatzes von Schulbüchern. Auch in der Lehrerbildung werden die Kompetenzen für eine optimale Nutzung von Schulbüchern sowie anderen Lehr- und Lernmitteln nur selten vermittelt. Der vorliegende Band will hier Abhilfe schaffen und gibt umfassende Informationen

  • zum Zusammenhang von gutem Unterricht und sinnvollem Schulbucheinsatz,
  • zur Schulbuchforschung,
  • zu den Rahmenbedingungen der Schulbucharbeit,
  • zu Entwicklung, Produktion und Revision von Schulbüchern,
  • zum Einsatz von Schulbüchern im Schulalltag.

Journal of Educational Media, Memory, and Society (JEMMS)

Volume 2 (2010), Issue 1: How Do Students Rate Textbooks?

  • Petr Knecht and Veronika Najvaroá: How Do Students Rate Textbooks? A Review of Research and Ongoing Challenges for Textbook Research and Textbook Production
  • Niklas Ammert: To Bridge Time: Historical Consciousness in Swedish History Textbooks
  • Eleftherios Klerides: Imagining the Textbook: Textbooks as Discourse and Genre
  • Neveen Eid: The Inner Conflict: How Palestinian Students in Israel React to the Dual Narrative Approach Concerning the Events of 1948 
  • Samira Alayan and Naseema Al-Khalidi: Gender and Agency in History, Civics, and National Education Textbooks of Jordan and Palestine
  • Ryôta Nishino: Narrative Strategies Regarding Japanese Ethnic Origins and Cultural Identities in Japanese Middle-School History Textbooks
  • Tomasz Kamusella: School History Atlases as Instruments of Nation-State Making and Maintenance: A Remark on the Invisibility of Ideology in Popular Education

Forum

  • Maria Stehle: Berlin's Potsdamer Platz as an Interactive Textbook: Space, Perspective, and Critical Research Skills
  • Maria Repoussi and Nicole Tutiaux-Guillon: New Trends in History Textbook Research: Issues and Methodologies toward a School Historiography

Volume 2 (2010), Issue 2, Autumn 2010: Contextualizing School Textbook Revision

  • Eckhardt Fuchs: Contextualizing School Textbook Revision
  • Georg Stöber and Basabi Khan Banerjee: Textbook Revision and Beyond: New Challenges for Contemporary Textbook Activities
  • Deepa Nair: Textbook Conflicts in South Asia: Politics of Memory and National Identity
  • Elie Podeh: Univocality within Multivocality: The Israeli-Arab-Palestinian Conflict as Reflected in Israeli History Textbooks, 2000-2010
  • Henrik Aström Elmersjö and Daniel Lindmark: Nationalism, Peace Education, and History Textbook Revision in Scandinavia, 1886-1940
  • Yangmo Ku: The Politics of Historical Memory in Germany: Brandt’s Ostpolitik, the German-Polish History Textbook Commission, and Conservative Reaction
  • Falk Pingel: Geschichtsdeutung als Macht? Schulbuchforschung zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis- und politischer Entscheidungslogik

Forum

  • Shinichi Arai: History Textbooks in Twentieth Century Japan: A Chronological Overview
  • Carsten Heinze: Historical Textbook Research: Textbooks in the Context of the “Grammar of Schooling”

Das Georg-Eckert-Institut wünscht ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr 2011.


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