Newsletter Dezember 2011

"World Aware Education Award" für Historiana - Your Portal to the Past

Am 2. und 3. Dezember 2011 fand in Den Haag unter Beteiligung des GEI das letzte Treffen der Advisory Group des EU-Projekts „Exploring European History and Heritage“ statt. Das Gremium konnte mit großer Genugtuung feststellen, dass seit seinem ersten Treffen im November 2008 die vage Idee eines ICT-gestützten Lehrens und Lernens europäischer Geschichte nun Ausdruck in einer interaktiven und multimedialen ONLINE-Plattform gefunden hat. Unter der Federführung von EUROCLIO ist, unterstützt von mehreren Partnern – darunter dem GEI, die Website www.historiana.eu entstanden. Sie ist zwar noch nicht freigeschaltet, präsentiert sich aber bereits in einer solch ausgezeichneten Verfassung, dass ihr zum Ende des Jahres vom Nord-Süd-Zentrum des Europarats der World Aware Education Award 2011 zugesprochen worden ist.


Tagung „Polen im deutschen Schulunterricht: Zwischen Wunsch und Realität“

Polen spielt in der deutschen Unterrichtspraxis bis heute eine nur marginale Rolle. Vor diesem Hintergrund fand vom 17.-19. November 2011 eine Tagung des Deutschen Polen-Instituts gemeinsam mit dem Georg-Eckert-Institut im Haus am Maiberg (Heppenheim) statt. Ziel war es das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlichen Ansprüchen bei der Vermittlung von Wissen über Polen und den Rahmenbedingungen des schulischen Alltags zu beleuchten und nach Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu suchen. Mehrere Mitarbeiter des GEI stellten in diesem Rahmen ihre Projekte vor. So präsentierte Marcin Wiatr sein Projekt "Oberschlesien und sein kulturelles Erbe – Erinnerungspolitische  Befunde, bildungspolitische Impulse und didaktische Innovationen" und Thomas Strobel das Projekt „Deutsch-Polnisches Geschichtsbuch“; Lucas F. Garske kommentierte den Band „Polnische Geschichte“ des Deutschen Polen-Instituts. Die starke Präsenz von Lehrerinnen und Lehrern aus verschiedenen Regionen Deutschlands lässt erwarten, dass alle vorgestellten Projekte mit schulpraktischen Erfahrungen konfrontiert werden und Hinweise für deren erfolgreichen Einsatz im Schulunterricht gewonnen werden können.


Treffpunkt Bibliothek 2011

Erstmalig beteiligte sich die Bibliothek des Georg-Eckert-Instituts mit zwei Veranstaltungen rund um das Schulbuch an der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek – Information hat viele Gesichter“. 
Am 28. Oktober präsentierten Mitglieder des LeseTeams der Kinder- und Jugendbuchabteilung der örtlichen Buchhandlung Graff ihre Meinung zu ausgewählten aktuellen Geschichtsbüchern. Abseits von Routine und Schulstress entstanden durchdachte und kritische Rezensionen, die auf Edumeres.net veröffentlicht sind. 
Der Entstehungsprozess eines Schulbuchs stand am 31. Oktober im Mittelpunkt. Helen Fürniß, Redaktionsleiterin im Bereich Grundschule der Westermann-Verlagsgruppe in Braunschweig, berichtete sehr lebhaft und anschaulich über den komplexen Vorgang der Schulbuchentwicklung.

Weitere Informationen: 


Umfang der digitalisierten Bestände von GEI-Digital wächst

Nachdem im August 2009 im Rahmen des Projekts GEI-Digital mit der Digitalisierung der Geschichtsschulbücher aus der Epoche des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918) begonnen wurde, ist nun das 1300. Geschichtsschulbuch für Wissenschaft und Öffentlichkeit online verfügbar.
Im weiteren Verlauf des Projektes werden auch Bestände externer Bibliotheken digitalisiert. Die Staatsbibliothek und die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, beide mit Sitz in Berlin, steuern die umfangreichsten Bestände bei.
Erstere hat dem Projekt GEI-Digital 130 Bände zur Verfügung gestellt. Der Schwerpunkt dieses Bestandes der ehemaligen Königlichen Bibliothek und späteren Preußischen Staatsbibliothek liegt im Bereich der Geschichtsschulbücher für Volksschulen. Die Bücher, die aus der Epoche des Deutschen Kaiserreichs stammen, stellen eine Rarität dar. Viele dieser Volksschulbücher sind in keiner anderen Bibliothek in Deutschland nachgewiesen. 


Bibliothek des Georg-Eckert-Instituts übernimmt Teilbestände von der KMK

Im Sommer 2011 wurde die Bibliothek der Kultusministerkonferenz in Bonn aufgelöst. Das Georg-Eckert-Institut erhielt die Möglichkeit die Bestände vor Ort zu sichten und für die eigene Bibliothek geeignete Literatur auszuwählen. So konnten schließlich 400 Bände (Schulbücher und wissenschaftliche Literatur) übernommen werden. Hierbei handelt es sich teilweise um graue Literatur zum Bildungswesen weltweit, die in deutschen Bibliotheken kaum vorhanden ist. Die übernommenen Bände werden zügig katalogisiert und den Benutzern so bald wie möglich zur Verfügung gestellt.


Ankündigungen und Ausschreibungen


Kolloquium am 11. Januar 2012, um 17:00 Uhr, im Georg-Eckert-Institut

Thomas Höhne (PH Freiburg)
Der Funktionswandel von Schulbüchern/Bildungsmedien im Kontext eines neuen Bildungsregimes

Medienökologisch betrachtet sind Schulbücher respektive Bildungsmedien in einer spezifischen Umwelt situiert, deren Veränderung Resonanzen im Bereich von Lehr- und Lernmedien erzeugen. Mit Gerd Stein gesprochen: Politicum, Informatorium und Pädagogicum wirken hierbei genuin zusammen – mit dem Konstruktoriumsbegriff habe ich versucht, die Spezifik dieser Korrelation zu erfassen. Eine spannende Frage, der ich im Vortrag nachgehen und welche ich diskutieren möchte, lautet daher, ob sich die Funktion(en) von Schulbüchern seit den 1990er Jahren und vor allem mit der Umstellung auf neue Steuerungsformen im Rahmen von PISA in dem Maße verändert hat/haben, in dem sich die allgemeinen bildungspolitischen Bedingungen gewandelt haben (Stichwort: Neues Bildungsregime, Höhne/Schreck 2009). Denn die damit einhergehenden Entwicklungen/Transformationen sind sehr vielschichtig: Die Umstellung von Lehr- auf Bildungspläne, die neue Testkultur, Bildungsstandards, der zunehmende Einfluss privater Akteure auf Schule und Bildung (Marktbildung), das bildungspolitische Programm der Autonomen Schule, die zunehmende Privatisierung im Bildungsbereich usw.


XII. deutsch-tschechische Schulbuchkonferenz in Prag

Vom 26.-28. Januar 2012 wird an der Karlsuniversität in Prag die XII. deutsch-tschechische Schulbuchkonferenz zum Thema "Der Geschichtsunterricht zwischen Massenmedien, Schulbuch und Unterrichtsmaterialien" stattfinden.


Kolloquium am 1. Februar 2012, um 17:00 Uhr, im Georg-Eckert-Institut

Henning Hues (GEI)
Südafrikanischer Geschichtsunterricht zwischen curricularem Anspruch und schulischer Praxis

Der südafrikanische Lehrplan im Fach Geschichte spiegelt die rasante Entwicklung des Landes seit dem Ende der Apartheid 1990 wider: er vereint gesellschaftliche und politische Hoffnungen auf einen multi-ethnischen Staat mit egalitären Bildungsinstitutionen und versöhnenden schulischen Inhalten. Doch was von diesen großen Zielen kommt im Klassenzimmer an? Hat der neue Lehrplan tatsächlich die Autorität, Versöhnung zu stiften und zwischen den immer noch gesellschaftlich getrennten Gruppen des Landes zu vermitteln? Welche Chancen und Risiken in der erfolgreichen curricularen Implementierung gibt es? Der Vortrag gibt Einblicke in ein ethnographisches Forschungsprojekt im Arbeitsbereich „Schulbuch und Konflikt“, das sich mit dem Widerspruch zwischen den genannten Ansprüchen des Lehrplans und der oft harschen Realität im Klassenzimmer beschäftigt.


Kolloquium am 7. März 2012, um 17:00 Uhr, im Georg-Eckert-Institut

Lars Müller (GEI)
Im afrikanischen Spiegel. Die Konstruktion des 'Eigenen' im Diskurs von Kolonialismus und Entwicklungshilfe 1945-1975.

Wie wandeln sich Selbstbilder in Abgrenzung zu Afrika in Geschichts- und Geographieschulbüchern von 1945-1975? Dieser Frage widmet sich der Vortrag, indem er im ersten Schritt die Ergebnisse einer Analyse von Schulbüchern der Bundesrepublik, der DDR und England vorstellt und diese dann im zweiten Schritt mit gesellschaftlichen Debatten um Schulbuchwissen ergänzt. Die Schulbücher – als Medien, die zwischen Politik, Wissenschaft, Pädagogik und Wirtschaft entwickelt werden – bilden einen breiten Ansatzpunkt zu der Frage, wie in unterschiedlichen Feldern das 'Eigene' in Abgrenzung zum 'Anderen' konstruiert wird. So diskutieren beispielsweise die UNESCO, verschiedene Ministerien, Forschungsinstitute, Entwicklungshilfe-Organisationen etc. über das 'richtige' Afrikabild in Schulbüchern und tragen somit zur Stabilisierung und Destabilisierung von Diskursformationen bei. 


Neuerscheinungen


Beiträge zum Workshop „Mythos-Kreuzzüge“ auf Edumeres.net verfügbar

Die Beiträge des Workshops “European Receptions of the Crusades in the Nineteenth Century. Franco-German Perspectives“, der im Februar am Georg-Eckert-Institut stattgefunden hat, sind nun in englischer Sprache als elektronische Publikationen auf Edumeres.net verfügbar. In dem Workshop wurde der Fokus besonders auf die Rezeption der Kreuzzüge aus einer vergleichenden europäischen Perspektive gesetzt. 


Eckert. Das Bulletin 10. Winter 2011

ISSN 1865-7907

Unsere halbjährlich erscheinende Informationsbroschüre "Eckert. Das Bulletin" will die Ereignisse in unserem und um unser Institut auf anschauliche Weise der - nicht nur wissenschaftlichen - Öffentlichkeit und vor allem auch den Medien nahe bringen. Wir möchten Sie kontinuierlich über die Forschungsvorhaben in den verschiedenen Arbeitsbereichen und über bereichsübergreifende Projekte informieren. Dem Bulletin können Sie auch entnehmen, wie sich das Georg-Eckert-Institut aktuellen wissenschafts- und bildungspolitischen Fragen stellt.  
Der Bezug ist unentgeltlich.

  • Nähere Informationen finden Sie hier

Wir wünschen für das Jahr 2012 viel Gesundheit, Glück und Erfolg!


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