Newsletter Februar/März 2014

Gestartet: „Innovation durch Tradition?“ Deutsch-israelisches Kooperationsprojekt zu jüdischen Bildungsmedien während der ‚Sattelzeit’

Welchen Einfluss hat Religion auf gesellschaftlichen Wandel? Verhindert oder ermöglicht sie kulturelle Veränderungen? Ein neues, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Kooperationsprojekt zwischen dem Georg-Eckert-Institut und der Tel Aviv University widmet sich diesen aktuellen Fragen am Beispiel jüdischer Bildungsmedien in der Umbruchzeit des 18. und 19. Jahrhunderts. Es untersucht anhand von Religions- und Sprachlehrbüchern, Gesangbüchern und Predigten die Transformation jüdischer Lebenswelt zu Beginn der Moderne.

Die Berufung auf die religiösen und kulturellen Traditionen habe den Wandel erst möglich gemacht, so die Kernthese des Projekts. Der Rückgriff auf Vertrautes sowie die Übersetzung traditioneller Vorstellungen in neue Kontexte erleichterten es demnach, Neues und Anderes zu akzeptieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Rolle verschiedenen Formen des Wissens, Lernens und Lehrens für gesellschaftliche Veränderungen zukommt. Das Forscherteam begibt sich dafür auf Spurensuche in den jüdischen Bildungsmedien dieser Zeit, zu denen neben Religions-, Geschichts- und Sprachlehrbüchern auch Gesangbücher und Predigten gezählt werden. Indem das Projekt Wissen und Bildung in den Fokus rückt, trägt es deren emanzipatorischer Bedeutung für die Geschichte der mitteleuropäischen Juden während der sogenannten Sattelzeit Rechnung und vertieft aus wissensgeschichtlicher Perspektive das Verständnis gesellschaftlicher und kultureller Transformationsprozesse. Die Teilprojekte gehen anhand unterschiedlicher Quellen der Frage nach, inwieweit jüdische Bildungsmedien Prozesse von Mentalitätswandel und Habitusformierung beförderten. Damit bewegen sie sich an einer hochinteressanten Schnittstelle von Politik und Kultur, Staat, Gemeinde und Individuum sowie Privatem und Öffentlichem.

Mit dem Projekt stärkt das Georg-Eckert-Institut seine historische Forschung. Standen bislang zumeist die Darstellungen von Geschichte in Schulbüchern im Zentrum, untersucht dieses Projekt aus transdisziplinärer Perspektive den historischen Wandel als solchen.

Das Projekt, in dem Historiker, Judaisten, Kultur- und Musikwissenschaftler aus beiden Ländern zusammenarbeiten, wird von Professor Dr. Simone Lässig (Georg-Eckert-Institut) und der Kulturwissenschaftlerin Professor Dr. Zohar Shavit (Tel Aviv University) geleitet. Eine Website wird in Kürze über das Projekt und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren.


Zum schulischen Umgang mit dem Holocaust weltweit – eine Studie des Georg-Eckert-Instituts präsentierte erste Ergebnisse

Wie gehen Schulen weltweit mit dem Thema Holocaust im Unterricht um? Wo auf der Welt wird der Holocaust überhaupt im Klassenzimmer thematisiert? Antworten auf diese Fragen suchte ein wissenschaftliches Projekt des Braunschweiger Georg-Eckert-Instituts in Kooperation mit der UNESCO. Im Sommer 2012 begannen die Wissenschaftler Lehrpläne und Schulbücher aus allen Teilen der Welt zu untersuchen. Die ersten Ergebnisse, die am 27. Januar anlässlich des Holocaust-Gedenktages auf einer Konferenz in Paris vorgestellt wurden, zeigen: In den meisten Regionen der Welt steht der Holocaust im Lehrplan, was sich dahinter in Schulbuch und Unterricht verbirgt, lässt sich so leicht aber nicht auf einen Nenner bringen.

Im Rahmen einer UNESCO-Konferenz in Paris zum Holocaust Gedenktag am 27. Januar stellten Wissenschaftler des Georg-Eckert-Instituts erste Ergebnisse der Studie „Zur Bedeutung des Holocaust in der schulischen Bildung. Eine globale Bestandsaufnahme von Schulbüchern und Lehrplänen“ vor: Untersucht wurde, in welchen Ländern und mit welchem Umfang der Holocaust in den Bildungsrichtlinien verankert ist. Sind die Holocaust-Darstellungen differenziert, vollständig und unbefangen? In welchem Kontext stehen sie? Und lassen sich nationale und regionale Unterschiede erkennen? Um diesen Fragen nachzugehen, wurden außerdem Schulbücher von 26 repräsentativ ausgewählten Ländern qualitativ analysiert und in vergleichende Perspektive gesetzt.

Die Studie selbst erscheint im Frühjahr 2014, erste Ergebnisse erlauben aber bereits Aussagen zum Stellenwert des Holocaust in der schulischen Bildung: In den meisten der 125 untersuchten Länder kommt der Holocaust in den Lehrplänen vor – allerdings wird ihm je nach Region und politischer Situation unterschiedliche Bedeutung beigemessen.

In westlichen Ländern spielt er eine zentrale Rolle; in anderen Ländern erscheint er oftmals eingebettet in den Zweiten Weltkrieg oder lediglich in die Menschenrechte oder andere historische Völkermorde und nicht als eigener Abschnitt. Die Erzählungen in den Schulbüchern zeigen zudem, dass es nicht die eine „kosmopolitische Erinnerungskultur“ an den Holocaust gibt, sondern vielmehr viele verschiedene Narrative: Albanische Schulbücher beispielswiese sprechen vom „Zeitalter der Erschütterung 1914 – 1945“ und lenken den Blick auf albanische Bürger, die verfolgte Juden gerettet haben. In China und Rwanda hingegen erscheint der europäische Holocaust nur flüchtig als Vergleichsmaßstab in Darstellungen der örtlichen Völkermorde.

Empfehlungen zur Verbesserung der Schulbücher
Das Georg-Eckert-Institut stellt (Bildungs-)Politikern Empfehlungen als Grundlage für zukünftige curriculare Entscheidungen zur Verfügung und ergänzt damit entsprechende Informationen von internationalen Organisationen wie der UNESCO, der OSZE, des europäischen Rats, der einzelnen Bildungsministerien und der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Zu diesen Empfehlungen gehören die Stärkung historischer Faktizität und Ausführlichkeit, die stärkere Ergänzung der Autorentexte durch Quellen, Zeugenaussagen sowie die Anerkennung von lokalen Blickwinkeln.

Über das Projekt wurde breit in den Medien berichtet. Lesen Sie zwei Artikel im SPIEGEL und in der FAZ:


Schulbuch des Jahres: 8 Titel sind nominiert

8 Lehrwerke hat die Jury aus Fachwissenschaftlern, Didaktikern und Lehrern aus über 40 eingereichten Titeln für die Grundschule ausgewählt. Diese sind nun nominiert für das „Schulbuch des Jahres“. Gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse hat das Georg-Eckert-Institut die Auszeichnung ins Leben gerufen, um wegweisende Lehrwerke zu würdigen. Am 14. März findet die Preisverleihung in Anwesenheit von Sylvia Löhrmann, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, auf der Leipziger Buchmesse statt.


„Mit großem Interesse haben wir die eingereichten Lehrwerke für die Klassen eins bis vier unter die Lupe genommen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Eine Reihe von Büchern macht große Lust aufs Lernen, überzeugt mit wunderbaren Bildern, phantasievollen und lebensnahen Aufgaben sowie kindgerechten Texten“, so Frau Prof. Dr. Simone Lässig, Juryvorsitzende und Direktorin des Georg-Eckert-Instituts über die rund 40 eingereichten Grundschulbücher. Schulbuchverlage waren im vergangenen Sommer aufgerufen, Lehrwerke für die Grundschule ins Rennen um das „Schulbuch des Jahres“ zu schicken. Eine Experten-Jury hat diese begutachtet und die überzeugendsten Titel in drei Kategorien ausgewählt. Nominiert für das „Schulbuch des Jahres 2014“ sind:

Mathematik:

  • eins zwei drei 1, Cornelsen Verlag 2011
  • Matherad 1, vpm 2012
  • Spürnasen Mathematik 1, Duden Schulbuchverlag, 2012

Deutsch/Fremdsprachen:

  • Bumblebee 3, Schroedel Verlag 2013
  • der die das 1, Cornelsen Verlag 2011
  • Zebra 3, Lesebuch, Ernst Klett Verlag 2013

Zusatzmaterialien:

  • Märchen für die Grundschule, Ernst Klett Verlag, 2013
  • Mathe:pro – Muster und Strukturen, 2012

„eins zwei drei 1“ verbinde, so die Jury in ihrer Begründung, auf vorbildliche Art und Weise das fachliche mit dem sprachlichen Lernen. Das „Matherad 1“ fördere auf innovative Art und Weise das individuelle und jahrgangsübergreifende Arbeiten. „Spürnasen Mathematik 1“ hingegen besteche besonders durch seine spannenden Aufgaben und die Förderung prozessbezogener Kompetenzen wie Problemlösen, Argumentieren und Modellieren. In der Kategorie „Deutsch und Fremdsprachen“ überzeuge das Englischbuch „Bumblebee 3“ mit einer Fülle von unterschiedlichen Textsorten, die unterschiedliche Lernertypen erreiche. „der die das 1“ gebe eine vorbildliche Antwort auf die Herausforderung des Unterrichts von Kindern mit unterschiedlichen Muttersprachen. Das Lesebuch „Zebra 3“ verbinde mit seinem Textangebot eindrucksvoll Offenheit und Struktur miteinander. „Märchen für die Grundschule“ lade mit seiner „Märchen-Werkstatt“ zum kreativen Umgang mit Literatur ein und der Karteikasten „mathe:pro – Muster und Strukturen“ fördere grundlegende mathematische Denk- und Arbeitsweisen.

Am 14. März findet die feierliche Preisverleihung im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt, bei der die Gewinner bekanntgegeben werden. Seit 2012 vergibt das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse den Preis für das „Schulbuch des Jahres“. In den Vorjahren wurden Lehrwerke der Sekundarstufe I und II ausgezeichnet. Mit dem Preis sollen besonders gelungene Schulbücher gewürdigt und ihre Autoren und Verlage ausgezeichnet werden. Wichtige Kriterien für die Auswahl sind das didaktische Gesamtkonzept, die kreative Umsetzung der Bildungsstandards, die Aufgabenkultur, Schülerorientierung, sowie die Gestaltung der Schulbücher. Damit soll auf die Bedeutung des Mediums Schulbuch aufmerksam gemacht und innovative Schulbuchkonzepte gefördert werden. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz.

  • Besuchen Sie das Georg-Eckert-Institut  auf der Messe am Stand: in Halle 2 / Standnummer C304

„Das Schulbuch des Jahres“ ist eine Veranstaltung des Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung in Zusammenarbeit mit der Leipziger Buchmesse. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz.


Online: Visual History – Online-Nachschlagewerk für die historische Bildforschung

Die Website des Projektes „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“ mit dem Namen Visual History – Online-Nachschlagewerk für die historische Bildforschung ist online. Das Portal bündelt aktuelle Informationen zu Tagungen, Ausstellungen, einschlägigen Neuerscheinungen und laufenden Forschungsprojekten und stellt enzyklopädische Textbeiträge sowie bald auch verschiedene Themenschwerpunkte bereit. Beteiligt sind das ZZF Potsdam, das Georg-Eckert-Institut, das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg und das Deutsche Museum in München.

Die historische Bildforschung erlebt bereits seit einiger Zeit einen gewissen Boom, dennoch fehlt es an solider Grundlagenforschung zu den Akteuren und Institutionen, die das Bildgedächtnis moderner Gesellschaften geprägt haben. Über die Rolle, die Arbeitsweise und die beruflichen Wege von Pressefotografen ist schon vergleichsweise viel bekannt. Kaum erforscht ist der Anteil von Bildagenturen und Bildredakteuren an der Produktion und Distribution von Bildern. Gleiches gilt für den gesamten Bereich der Bildzensur oder der sich wandelnden technischen Möglichkeiten der Produktion, Bearbeitung und Verbreitung von Bildern. Hier setzt das Projekt „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“ mit seinen Forschungsvorhaben an.

Teil des Verbundprojekts sind drei Promotions- und ein Postdoc-Projekt, die an den vier beteiligten Instituten – dem ZZF Potsdam, dem Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg und dem Deutschen Museum in München durchgeführt werden und in denen Fragen nach den Bedingungen der Produktion, Verbreitung und Archivierung von Fotografien in unterschiedlichen Kontexten nachgegangen wird.

Am 25. November ging zudem das von den Projektpartnern gemeinsam konzipierte und am ZZF beheimatete Portal Visual History – Online-Nachschlagewerk für die historische Bildforschung unter http://www.visual-history.de an den Start, das aktuelle Informationen zu Tagungen, Ausstellungen, einschlägigen Neuerscheinungen und laufenden Forschungsprojekten bündelt und enzyklopädische Textbeiträge sowie bald auch verschiedene Themenschwerpunkte bereitstellt.


KriegsErinnerungen 1914 – 2014

Konferenz zum Thema „Remembering World War I“ vom 27. – 29. Januar in Braunschweig

Die Erinnerung an den 1. Weltkrieg prägt Europa bis heute. Welche Wege bahnt sich diese Erinnerung und wer steuert sie? Wie hat sich die erste große Tragödie des 20. Jahrhunderts in das kulturelle Gedächtnis verschiedener Gesellschaften eingeschrieben und wie sind private und politische Narrative verflochten? Diese Fragen beleuchtete eine Konferenz am Georg-Eckert-Institut vom 27. – 29. Januar 2014. Mit dem amerikanischen Historiker Prof. Dr. Jay Winter von der Yale University hielt einer der bedeutendsten Forscher zum 1. Weltkrieg den Eröffnungsvortrag.


„Große Zufriedenheit mit der Bibliothek des GEI“

Das ergibt eine Befragung der Nutzer unserer Forschungsbibliothek. Die Bibliothek des Georg-Eckert-Instituts mag sich äußerlich im Laufe der Zeit mit ihren Regalen voll gebundener Bücher und Zeitschriften kaum verändert haben, doch gerade wissenschaftliche Bibliotheken sind derzeit in einem bedeutenden Umbruch begriffen: Datenbanken und elektronische Recherchemöglichkeiten haben den Zettelkatalog abgelöst und prägen die heutige Bibliotheksrealität. Damit sich der Wandel mit und im Sinne der Nutzer vollzieht, hat das Bibliotheksteam bei seinen Nutzern nachgefragt.

Über 100 Wissenschaftler und Studierende beteiligten sich an der Befragung. Die entscheidende Frage war dabei: „Wie zufrieden sind Sie mit der Beratung durch die Bibliothekarinnen und Bibliothekare?“ Das Ergebnis fällt eindeutig positiv aus: 91% sind „sehr zufrieden“ mit dem Service und der Beratung in der Bibliothek. Auf die Frage „Was soll verbessert werden?“ wurden unterschiedlichste Wünsche geäußert.
An oberster Stelle steht dabei der weitere Ausbau der Schulbuchsammlung. Auch ein übersichtlicherer und differenzierterer OPAC stand auf dem Wunschzettel. Nicht zuletzt zielten die Vorschläge auf eine Verbesserung der räumlichen Situation – ein Erweiterungsbau mit Lesesaal befindet sich derzeit bereits in Planung. Das positive Ergebnis freut uns natürlich – herzlichen Dank dafür! Das Team der Bibliothek analysiert alle Ergebnisse der Befragung genau und setzt sie nach Möglichkeit um.


ANKÜNDIGUNGEN


Vorankündigung: Bildung für nachhaltigen Frieden – das Arnhold Symposium 2014 zu „Frieden 2.0: Soziale Medien als Raum für Bildung für Frieden“.

Am 30. und 31. Juli wird das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung ein Symposium zur Bildung für nachhaltigen Frieden veranstalten, das sich dem Thema „Frieden 2.0: Soziale Medien als Raum für Bildung für Frieden“ widmen wird. Das Arnhold Symposium beschäftigt sich mit dem Potential sozialer Medien als Bildungsraum, in dem Bedingungen geschaffen werden für die Entwicklung von nachhaltigem Frieden durch die Förderung und Ermöglichung von gesellschaftlichem Engagement und bürgerlicher Teilhabe. Das zweitägige Symposium soll Wissenschaftler, Politiker und Entscheidungsträger, Vertreter der Zivilgesellschaft und Studierende zusammenbringen.


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