Newsletter Januar/Februar 2013

Erste Konferenz der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission

Unter dem Titel „Differenz übersetzen. Über die (Miss)Verständlichkeit von Konzepten im deutsch-israelischen Diskurs“ loteten am 3. und 4. Dezember bei einer Konferenz im Auswärtigen Amt namhafte Wissenschaftler beider Länder – unter anderem Prof. Dr. Simone Lässig, Prof. Dr. Dan Diner und Prof. Dr. Moshe Zimmermann – Risiken, Möglichkeiten und Chancen im gemeinsamen Dialog aus. Missverständnisse sind nicht nur der sprachlichen Übersetzung geschuldet, sie gehen aus den besonderen historischen und politischen Kontexten beider Länder hervor. Deshalb lassen sich bestimmte Konzepte nicht ohne weiteres in die kulturelle und politische Sprache des anderen Landes übersetzen. Mit Blick auf Bedingungen, Prozesse und Akteure „kultureller Übersetzung“ fragten die Wissenschaftler deshalb nach der jeweiligen Bedeutung der Begriffe und Konzepte in Deutschland und Israel. Zudem diskutierten sie Möglichkeiten und Grenzen ihrer Übertragbarkeit im deutsch-israelischenGespräch. Die Konferenz begann mit einer Präsentation erster Befunde der Schulbuchanalysen, die im Rahmen der Deutsch-Israelische Schulbuchkommission seit 2010 durchgeführt werden. Im Mittelpunkt stand hierbei die Darstellung des jeweils anderen Landes in deutschen und israelischen Geschichts-, Geographie- und Sozialkundeschulbüchern.


Kooperationsvertrag mit der National Academy for Educational Research in Taipeh

Im Rahmen einer internationalen Konferenz in Taipeh über die Erfahrungen mit der Erstellung länderübergreifender Schulbücher unterzeichneten Wu Ching-Shan, der Präsident der National Academy for Educational Research und Eckhardt Fuchs Anfang November einen Kooperationsvertrag. Die National Academy of Educational Research ist das bedeutendste Zentrum für Schulbuchforschung und -entwicklung in Asien. Mit seiner Vorgängerorganisation, dem National Institute for Compilation and Translation, hatte das GEI seit 2008 einen Kooperationsvertrag. Die neue Vereinbarung sieht den Austausch von Publikationen und Schulbüchern, die Organisation von wissenschaftlichen Veranstaltungen und die Durchführung gemeinsamer Projekte vor. So werden die taiwanesischen Partner an den GEI-Projekten EurViews und Edudata beteiligt sein.


Forschungspreis für Katalin Morgan

Bei einem Festakt im Braunschweiger Altstadtrathaus wurde die Südafrikanerin Katalin Morgan am 19. Oktober dieses Jahres mit dem Forschungspreis des Georg-Eckert-Instiuts ausgezeichnet. Der von der Braunschweiger Verlagsgruppe Westermann gestiftete Preis wird alle zwei Jahre für herausragende Arbeiten im Bereich der internationalen Bildungsmedienforschung vergeben.
Katalin Morgan befasste sich in ihrer Dissertation mit dem aktuellen Geschichtsunterricht in Südafrika und verband theoretische Ansätze mit Schulbuchanalysen. Neben der Verleihung des Forschungspreises bildete der Festvortrag von Herrn Prof. Jürgen Kocka den Höhepunkt des Abends.
Die Festveranstaltung war Teil der wissenschaftlichen Konferenz zu Ehren des 100. Geburtstags von Georg Eckert. Unter dem Titel „Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik: Georg Eckert (1912-1974)“ beleuchteten Experten und Wissenschaftler die vielen Facetten seines Schaffens.
 


Workshop in Bosnien-Herzegowina

Lange Zeit existierten die jüngsten Kriege auf dem Balkan in der Schule entweder gar nicht, oder mit nur im Zusammenhang mit einseitigen Schuldzuweisungen. Das soll sich nun ändern – die Kriege der 1990er Jahre stehen jetzt mit einer anderen Perspektive auf dem Lehrplan.

Um Ansätze für ein multiperspektivisches Schulbuch zu diskutieren, kamen im Oktober auf Einladung von Natalija Basic (GEI) rund 20 Schulbuchautoren, Lehrer und Bildungsexperten aus der Region zu einem internationalen Workshop zusammen. Diskutiert wurden die neue Ein-Schulbuch-Politik in der bosnischen Föderation, die Qualität der Geschichtsschulbücher und die Darstellung der Kriege. Weitere Themen waren die Ausbildung der Schulbuchautoren, Fragen zum Urheberrecht sowie zur Schulbuchproduktion.
Ein Lehrbuch jedoch, das die verschiedenen Perspektiven auf die Kriege beleuchtet, gibt es bislang noch nicht. Dies ist eines der erklärten Ziele der bildungspolitischen Interventionen in Bosnien-Herzegowina, an denen auch das GEI im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa mit Analysen und Empfehlungen beteiligt ist. Es bleibt also noch viel zu tun – für das Georg-Eckert-Institut und alle anderen Akteure.


Gründung von "Goobi. Digitalisieren im Verein"

Die Digitalisierungssoftware Goobi wird in rund 30 deutschen Bibliotheken eingesetzt und findet auch im Ausland zunehmend Verbreitung, da sie quelloffen und plattformunabhängig ist. Im Interesse eines verbesserten Rechts- und Investitionsschutzes haben zwölf Bibliotheken und Unternehmen am 17. September 2012 in Dresden den Verein "Goobi. Digitalisieren im Verein" gegründet.
Unter den Gründungsmitglieder sind unter anderem das Georg-Eckert-Institut, die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und die Bibliothek der Humboldt-Universität. Robert Strötgen, Leiter der Abteilung Informationsmanagement und Publikationen am GEI, wurde als Schatzmeister in den Vorstand des Vereins gewählt.


Neues Netzwerkprojekt "Visual History"

Im September 2012 startete das Georg-Eckert-Institut gemeinsam mit dem Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam, dem Deutschen Museum in München und dem Herder-Institut in Marburg das Netzwerkprojekt „Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses“. Das Projekt widmet sich der Erforschung von Bildproduktion und -verbreitung im 20. Jahrhundert und untersucht anhand ausgewählter Medien den jeweiligen Beitrag zur Konstitution kollektiver Bildgedächtnisse. Im Zentrum des Dissertationsprojektes am GEI steht die Untersuchung von Abbildungen in Schulbüchern.

  • Die Ergebnisse werden auf der Online-Plattform www.visual-history.de zugänglich gemacht. Außerdem können sich dort Akteure und Institutionen bildwissenschaftlicher Forschung vernetzen.

ANKÜNDIGUNGEN


Schulbuch des Jahres 2013

Zur Leipziger Buchmesse 2013 vergibt das Georg-Eckert-Institut in Zusammenarbeit mit der Leipziger Messe GmbH erneut den Preis „Schulbuch des Jahres“. Gewürdigt werden soll in drei Fachdomänen je ein Titel, der in besonderem Maße die Anforderungen an ein zeitgemäßes Schulbuch erfüllt, Mut zu inhaltlichen, didaktisch-methodischen sowie gestalterischen Innovationen zeigt und die Herausforderungen von Bildungsstandards und kompetenzorientiertem Lernen aufnimmt. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Kultusministerkonferenz.

Mit dem Preis wollen das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung und die Leipziger Messe GmbH Herausgeber bzw. Autoren(-teams) für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Schulbuchkonzepte auszeichnen und damit auch die beteiligten Schulbuchverlage in der Öffentlichkeit bekannt machen. Dadurch sollen breite Debatten zum Thema Schulbuch und zu seinem Stellenwert im Unterrichtsalltag angeregt werden, die für die gesellschaftliche Bedeutung von Schulbüchern sensibilisieren und zu einer fortlaufenden Verbesserung bzw. Weiterentwicklung von Schulmaterialien beitragen können.


Kolloquium am 9. Januar 2013: Geschichtsunterricht und Schulbücher in der Republik Moldawien, Rumänien und der Ukraine (Sprache englisch)

Sergiu Musteata (University of Chişinău, Moldova): Wir und unsere Nachbarn: Was wir von einander wissen
Politische Veränderungen am Ende des letzten Jahrhunderts in osteuropäischen Ländern haben einen direkten Einfluss auf die Entwicklung von Schulbüchern in diesen Ländern. Nach zwei Jahrzehnten demokratischen Wandels in allen postsozialistischen und postsowjetischen Ländern haben Studenten Zugang zu viele Informationen in ihren Geschichtsbüchern, die während der totalitären Regime verboten war. Der Redner wird versuchen, die Geschichte zu evaluieren, die in postsozialistischen Sekundarstufen unterrichtet wird.

  • 17.00 Uhr im Konferenzraum im 3. OG, Haupthaus

NEUERSCHEINUNGEN


Nationalsozialismus und die Shoah unterrichten. Eine Vergleichsstudie europäischer Geschichtsbücher für die Schule (Sprache französisch)

Bertrand Lecureur: V&R unipress, 2012. 256 Seiten. ISBN 978-3-89971-917-7

Wie wurden der Nationalsozialismus und die Shoah in Geschichtsschulbüchern dargestellt, die seit 1950 für die Sekundarstufen in Deutschland, Großbritannien, im französischen Teil Belgiens und Frankreich veröffentlicht wurden? Dieser Band vergleicht die Inhalte durch die Darstellung der Entwicklung, die ebendiese Inhalte und der Einfluss der historischen Forschung genommen haben und hebt hervor, welche Ereignisse im Verlauf der letzten fünfzig Jahre besondere Erwähnung erfuhren.

Während die europäische öffentliche Meinung oft das tiefe Schweigen bezüglich des dritten Reichs und der Shoah bis in die späten neunziger Jahre betont, haben deutsche Schulbücher der fünfziger Jahre Schülern im Alter von 14 bis 16 mit wichtigen Informationen geboten.

Auch wenn diese Informationen lückenhaft waren, halfen sie, das Schweigen zu brechen. Bis zum Ende des Jahrhunderts hatte sich die Darstellung des Themas in Präzision und Präsentation dramatisch verbessert. Bezüglich der Quantität und Qualität existiert ein starker Kontrast zwischen einerseits deutschen und französischen Schulbücher und andererseits englischen Büchern, die sich mit der Thematik viel weniger befassen. Wallonische Schulbücher boten von den siebziger Jahren bis hin zur Jahrhundertwende kaum irgendwelche Informationen zum Thema.


Die vielen Gesichter des Holocaust. Museale Repräsentationen zwischen Individualisierung, Universalisierung und Nationalisierung

Katja Köhr: Göttingen: V&R unipress, 2011. 319 Seiten. ISBN 978-3-89971-671-9

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor einer Zäsur. Mit dem Ableben der Angehörigen der letzten Erfahrungsgeneration lösen sekundäre Darstellungen der Geschichte die Primärerzählungen ab. Im Zuge dieser Entwicklung kommt geschichtskulturellen Medien eine besondere Aufgabe zu. Sie sollen die Erinnerung wachhalten und vom kommunikativen Gedächtnis in das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaften überführen. Ziel dieser Untersuchung ist zu zeigen, wie museale Repräsentationen auf diese Herausforderungen reagieren. Gefragt wird nach transnationalen und nationalisierenden Tendenzen, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den musealen Repräsentationen des Holocaust. Analysiert werden das Holocaust History Museum in Yad Vashem, der Ort der Information unter dem Stelenfeld (Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin), das United States Holocaust Memorial Museum in Washington, das HL-Center Oslo und das Memorial Center in Budapest.