Newsletter Juni/Juli 2013

Neu am GEI: Die Georg-Arnhold-Gastprofessur

Mit dem neu initiierten Georg Arnhold Program on Education for Sustainable Peace fördert das GEI Forschung, die sich mit Bildung und Erziehung zu nachhaltigem Frieden beschäftigt. Ins Leben gerufen wurde die Gastprofessur von dem US-Amerikaner Henry H. Arnhold, der mit seinem bemerkenswerten Engagement an die Tradition seiner Familie anknüpft.

Anliegen des zunächst auf fünf Jahre angelegten und mit 1,25 Mio. Euro ausgestatteten Programms ist es, Verbindungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu stärken und einen Beitrag zum Aufbau von friedensfähigen Zivilgesellschaften zu leisten. Es fördert Forschung und überträgt deren Ergebnisse in konkrete Empfehlungen für Politik und Bildungspraxis. Die Gastprofessur bietet herausragenden Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen einmal jährlich die Gelegenheit, in einer anregenden Umgebung ohne Lehrverpflichtungen zu forschen. Dem wissenschaftlichen Beirat des Programms gehören namhafte Experten aus den USA, der Schweiz, England und Deutschland an.

Der erste Gastprofessor

Zusammen mit Henry Arnhold hat der Beirat nun einen ersten Gastprofessor ausgewählt – seit Mitte Mai ist Muhammed Ayaz Naseem, Professor für Erziehungswissenschaft an der Concordia University in Montreal sechs Monate zu Gast am GEI und beschäftigt sich mit der Rolle von Social Media für Bildungsprozesse und Frieden in Pakistan. Teil des Programms ist auch eine einwöchige Summer School sowie ein internationales Symposium, das im Sommer 2014 in Braunschweig stattfinden wird.

Georg und Henry Arnhold – eine Bankiers-Familie fördert Kunst, Kultur und Wissenschaft seit über 150 Jahren

Die Georg-Arnhold-Gastprofessur wurde von dem US-Amerikaner Henry H. Arnhold ins Leben gerufen, der das mäzenatische Engagement seiner Familie weiterführt. Die Bankiersfamilie Arnhold stammt aus Dresden, wo sie Kunst und Kultur seit rund 150 Jahren fördert. 1935/36 emigrierte die jüdische Familie vor den Nationalsozialisten zunächst in die Schweiz und später in die USA – trotzdem ist sie ihrer Heimatstadt sehr verbunden geblieben und unterstützt eine Vielzahl von Initiativen wie den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche.

Georg Arnhold und das Georg-Eckert-Institut

Georg Arnhold (1859-1926), der Großvater des jetzigen Stifters, ist Namensgeber und geistiger Vater der Gastprofessur. Er setzte sich bereits im wilhelminischen Kaiserreich für die deutsche Friedensgesellschaft ein. Henry Arnhold sagt dazu: „Zeit seines Lebens hat sich mein Großvater Georg Arnhold der Frage nach den Voraussetzungen für gesellschaftlichen Frieden gewidmet. Da gibt es viele Parallelen zum Georg-Eckert-Institut: Mit den Werten und der Bildung, die wir unseren Kindern und Jugendlichen heute vermitteln, prägen wir die Gesellschaft von morgen und deshalb können Bildung und Erziehung zu einem der wichtigsten Ansatzpunkte für eine wirklich nachhaltige friedensfördernde Entwicklung werden. Die Gastprofessur für nachhaltigen Frieden ist deshalb meinem Großvater Georg Arnhold gewidmet und soll sein Engagement weitertragen.“


Gesine Schwan zu Gast am GEI

Am 25. April war Gesine Schwan zu Gast am Georg-Eckert-Institut. In einem öffentlichen Gastvortrag sprach sie zum Umgang mit Schuld in post-diktatorischen Gesellschaften und stellte dabei vergleichende Überlegungen zum nationalsozialistischen und realsozialistischen Erbe an. Die Veranstaltung bildete den Höhepunkt eines zweitägigen Workshops am GEI, in dem es unter dem Titel „Blick zurück im Zorn oder gibt es ein richtiges Leben im Falschen?" um biographische Erinnerungen von Geschichtslehrern an den Sozialismus ging. Der Workshop am 25. / 26. April, der sich mit den lebensgeschichtlichen Erinnerungen von Geschichtslehrern in der ehemaligen Sowjetunion beschäftigte, bildete den Abschluss des von der Volkswagenstiftung finanzierten Forschungsprojekts: „Die Institutionalisierung kultureller Deutungsmuster des Sozialismus. Geschichtslehrer in Georgien, Kirgisien und Litauen als Schnittstelle zwischen kulturellem und individuellem Gedächtnis“.


Wissenschaft und Politik im Dialog: Experten des GEI im Gespräch mit Bundestagsabgeordneten

Am 14. und 15. Mai bekamen mehr als 70 Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen Besuch aus der Wissenschaft: Sie nahmen das Angebot zum persönlichen Gespräch mit Forschern aus den Instituten der Leibniz-Gemeinschaft wahr. Experten des GEI sprachen mit 4 Bundestagsabgeordneten, unter anderen mit dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Thierse. Die Veranstaltung, die bereits zum sechsten Mal stattfindet, ist eine Initiative der Leibniz-Gemeinschaft zur Förderung des Austausches zwischen Wissenschaft und Politik. Dr. Wolfgang Thierse traf sich mit Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, um Fragen bezüglich der Darstellung des Holocaust in Schulbüchern in- und außerhalb Deutschlands und die Herausforderungen an Holocaust Education in unterschiedlichen politischen Kontexten zu besprechen. Über die Arbeit der deutsch-israelischen Schulbuchkommission sprach Dr. Dirk Sadowski mit Herrn Christian Lange, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Fraktion und stellvertretendem Vorsitzenden des Gesprächskreises Israel der SPD-Bundestagsfraktion. Mit den Abgeordneten Frau Dr. Carola Reimann und Herrn Heinz-Joachim Barchmann diskutierte Frau Dr. Kerstin Schwedes transnationale, europäische Perspektiven im Schulbuch.


UNESCO-Schulbuchkonferenz in Marokko

Wie schreibt man ein Schulbuch, das frei von Stereotypen ist? Dieser Frage gingen vom 6.-9. Mai rund 40 Vertreter von Erziehungsministerien sowie Schulbuchautoren und Verleger aus dem arabischen Raum, aus Afrika, Südasien und Südamerika in Rabat nach. Die UNESCO hat dabei in Kooperation mit dem GEI ein „Training Tool“ für Schulbuchautoren entwickelt – eine Art „Werkzeugkoffer“, in dem theoretische, didaktische, methodische Hintergründe und praktische Hinweise zum Verfassen von Schulbüchern enthalten sind. Dieser soll Autoren befähigen, Schulbücher zu schreiben, die geschlechtsbezogene, religiöse und kulturelle Vielfalt repräsentieren. In Rabat testeten zukünftige Nutzer diese drei Module, die den Kern des „Training Tool“ bilden. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob man sie in der Praxis und in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten einsetzen kann. „Der Testlauf“ hat die Notwendigkeit eines solchen „Training Tools“ bekräftigt. Nun überarbeiten die Wissenschaftler die Module, die anschließend von der UNESCO veröffentlicht werden.

Das gemeinsame Projekt von UNESCO und GEI wird von Saudi Arabien finanziert. Es ist Teil des von der Regierung initiierten „Abdullah Abdulaziz International Programme for the Culture of Peace and Dialogue“. Mit dem Projekt will die UNESCO ihre Mitgliedstaaten unterstützen, qualitativ hochwertige Schulbücher zu produzieren, die sich an internationalen Standards in Bezug auf Toleranz und interkulturellen Dialog orientieren.


Das GEI beim "Science-Shopping" in Braunschweig

 Am 30. Mai präsentierten sich die Forschungsinstitute der Region wieder beim "Science Shopping" in der Braunschweiger Innenstadt. Das GEI beteiligte sich mit einem Quiz zur Zukunft der schulischen Bildung: Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Wie wird sich das Lernen in Zukunft verändern? Wird es in 10 Jahren überhaupt noch Schulbücher geben? Werden Roboter die Lehrer von morgen sein? Um diese und andere Fragen ging es am Stand des Georg-Eckert-Instituts in der Buchhandlung Graff.


ANKÜNDIGUNGEN


Bis 31. August: Ausschreibung des Georg-Eckert-Forschungspreises online

Um Wissenschaft zu Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien zu fördern, vergibt das Georg-Eckert-Institut alle zwei Jahre den Forschungspreis für herausragende Arbeiten im Bereich der internationalen Bildungsmedienforschung. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die sich mit kulturellen, politischen, bildungspraktischen oder wissenssoziologischen Aspekten von Schulbüchern befassen. Wissenschaftler können sich noch bis zum 31. August um die Auszeichnung bewerben. Erstmals wird auch ein Nachwuchspreis vergeben.

Eine unabhängige Jury, der namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland angehören, wird aus den eingegangenen Arbeiten eine Auswahl treffen. Die feierliche Preisverleihung findet im Herbst 2014 in Braunschweig statt. Die Auszeichnung sieht ein Preisgeld von 2.500,-€ vor. Zudem wird die Arbeit in der wissenschaftlichen Reihe „Eckert. Die Schriftenreihe“ (Verlag V&R unipress, Göttingen) veröffentlicht. Ausgezeichnet werden herausragende Monografien, Dissertationen oder Habilitationen sowie Gemeinschaftswerke. Es werden sowohl Eigenbewerbungen als auch Nominierungen akzeptiert. Eingereicht werden können Arbeiten in deutscher oder englischer Sprache, die unveröffentlicht sind oder deren Drucklegung zum Zeitpunkt der Einreichung nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.

Nachwuchspreis für Abschlussarbeiten

Um insbesondere junge Forscherinnen und Forscher zu fördern, vergibt das GEI auch einen gesonderten Nachwuchspreis für Masterarbeiten. Diese sollten zusammen mit den zwei Fachgutachten eingereicht werden. Die Gewinner erhalten 500,-€ Preisgeld sowie die Möglichkeit einer Online-Publikation auf dem Fachinformationsportal für Bildungsmedienforschung Edumeres.net.


3. September: „Die digitale Herausforderung an die Geschichte. Forschungsinfrastrukturen und Geschichtswissenschaft.“

Eröffnungstagung der „AG Digitale Geschichtswissenschaft“
am 3. September in Braunschweig

Welche Chancen und Herausforderungen birgt die Digitalisierung für die historische Forschung? Um die Potenziale der „Digital Humanities“ für die Geschichtswissenschaft zu vermessen, hat der Verband der Historikerinnen und Historiker im September 2012 die „Arbeitsgruppe Digitale Geschichtswissenschaft“ gegründet. Die AG will die Interessen dieses noch jungen Feldes innerhalb der Wissenschaftslandschaft sowie gegenüber Akteuren in Politik und Öffentlichkeit vertreten. Zum Auftakt haben die Gründer eine Tagung ins Leben gerufen, die am 3. September in Braunschweig stattfinden wird.

Die neuen technologischen Möglichkeiten verändern die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern grundlegend – angefangen von den Recherchemöglichkeiten, der Verfügbarkeit von Daten und Quellen, über die Art und Weise wie Forscher untereinander kommunizieren und zusammenarbeiten, bis hin zu neuen Methoden und Forschungsfragen. So erleben auch die Rahmenbedingungen für die historische Forschung derzeit einen Wandel – bei dem viele Fragen und Weichenstellungen allerdings noch offen sind. Vor welchen Herausforderungen steht die historische Forschung? Welche Konsequenzen hat die Digitalisierung für die Förderschwerpunkte und wissenschaftlichen Institutionen? Wie wird sich die Lehre an den Universitäten in Zukunft verändern?

Dabei betreffen die neuen Herausforderungen Wissenschaftler, Forschungsinfrastrukturen und Institutionen sowie angemessene Strategien der Wissenschaftsförderung und der Nachwuchsentwicklung gleichermaßen.

Um diese und weitere Fragen zu diskutieren, veranstaltet die vom Historikerverband initiierte „AG Digitale Geschichtswissenschaft“ eine Konferenz unter dem Titel „Die digitale Herausforderung an die Geschichte. Forschungsinfrastrukturen und Geschichtswissenschaft.“ Dabei sollen Impulse für einen Dialog zwischen Akteuren der historischen Forschung sowie Chancen und Desiderate der „Digital History“ ausgelotet werden. Die Konferenz beginnt mit einem Vortrag vom Vorsitzenden des Historikerverbandes, Prof. Martin Schulze-Wessel, und endet mit einer Podiumsdiskussion. Sie findet am 3. September am Braunschweiger Georg-Eckert-Institut statt.

Die Arbeitsgemeinschaft für "Digitale Geschichtswissenschaft" im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. wurde auf dem 49. Mainzer Historikertag im September 2012 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Historikerinnen und Historiker, die an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie in Bibliotheken, Archiven, Museen und Verlagen tätig sind. Dem Vorstandskomitee gehören Simone Lässig (Sprecherin), Charlotte Schubert (stellv. Sprecherin), Rüdiger Hohls, Gregor Horstkemper, Thomas Meyer und Daniel Schlögl an.

Die AG möchte daraufhin wirken, die Potenziale der Digital Humanities bzw. eHumanities für die Geschichtswissenschaft zu vermessen, zu nutzen und sichtbar zu machen. Dabei lässt sie sich primär von den Standards und Interessen des eigenen Faches leiten, bietet aber auch historisch arbeitenden Nachbardisziplinen ein Forum der wissenschaftlichen Verständigung. Sie will den fachlichen Austausch, das universitäre Lehrangebot und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. Die AG versteht sich dabei nicht als Expertenzirkel, sondern möchte vielmehr ein offenes Forum bilden, in dem die Herausforderungen digitaler Methoden und Angebote sowie ihre Potenziale innerhalb der Geschichtswissenschaft diskutiert und sichtbar gemacht werden.


20.-22. November 2013: Südosteuropa-Konferenz in Braunschweig

Im Rahmen des Projekts der Schulbuch- und Curriculumentwicklung in Südosteuropa, das vom Auswärtigen Amt gefördert wird, findet vom 20.-22. November 2013 eine Konferenz mit dem Thema "Externe Bildungsinterventionen und Geschichtsunterrichtsreform in Postkonfliktgesellschaften" am GEI statt. Nach dem Konferenzauftakt mit einer öffentlichen Rede am Abend, werden sich an den beiden folgenden Tagen internationale Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis über Ansätze und Strategien von Interventionen im Geschichtsunterricht am Beispiel von Südosteuropa austauschen. Ziel der Konferenz ist es, Beiträge und Berichte aus der Praxis zu diskutieren und Chancen und Herausforderungen von Bildungsinterventionen zu reflektieren. Daraus sollen Schlussfolgerungen für zukünftige Bildungsprogramme entstehen und Überlegungen für neue wissenschaftliche Projekte. Interessierte sind herzlich zum Abendvortrag am 20. November um 18 Uhr mit anschließendem Empfang eingeladen. Redner und Veranstaltungsort werden noch auf der Website des Instituts bekannt gegeben.