Newsletter Juni/Juli 2014

Neue Website: Das Projekt „Innovation durch Tradition?“ über jüdische Bildungsmedien im 18. und 19. Jahrhundert geht online

Unter dem Titel Innovation durch Tradition? Jüdische Bildungsmedien als Zugang zum Wandel kultureller Ordnungen während der „Sattelzeit“ erforscht eine transdisziplinäre Gruppe deutscher und israelischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jüdische Bildungsmedien des 18. und 19. Jahrhunderts. Nun informiert das Projekt über seine Arbeit mit einer eigenen Website.

Die insgesamt sechs Forschungsprojekte untersuchen anhand von Religions- und Sprachlehrbüchern, Anthologien und Gesangbüchern sowie Gebetbüchern und Predigten die Transformation jüdischer Lebenswelt seit Beginn der Moderne. Darüber hinaus soll im Rahmen des Forschungsprojektes eine Datenbank zu jüdischen Bildungsmedien entstehen. Ab sofort finden Sie unter jbm.gei.de aktuelle Informationen rund um das Forschungsprojekt, zu den beteiligten Wissenschaftlern und deren Vorhaben sowie zu zukünftigen Projekten und Veranstaltungen. Das im Januar 2014 gestartete Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und führt Wissenschaftler des Georg-Eckert-Institut und der Tel Aviv University zusammen.


TextbookCat online: Neues Rechercheinstrument für die Schulbuchsammlung des GEI

Eine benutzerfreundliche und intuitive Recherche in der Schulbuchsammlung der Bibliothek – mit diesem Ziel wurde der TextbookCat am Georg-Eckert-Institut entwickelt. Seit Anfang Mai 2014 können Wissenschaftler, Lehrer und Studenten weltweit unter http://tbcat.edumeres.net/ das zweisprachige Rechercheinstrument für die Schulbuchsammlung in einer öffentlichen Testversion nutzen.

Der TextbookCat  – ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt – baut auf der Open Source Discovery Software VuFind auf. Diese Software wurde in gemeinsamer Arbeit von Informationswissenschaftlern und Bibliothekaren am GEI speziell auf die Anforderungen bei der Suche nach Schulbüchern zugeschnitten. Es dient dazu, die einzigartige, über 178.000 Titel umfassende Schulbuchsammlung der Bibliothek künftig mit verschiedenen Suchkriterien wie Land, Bundesland, Bildungslevel, Unterrichtsfach und Schultyp durchsuchen zu können. Im Vorfeld wurden dafür die letzten 21.000, bislang noch nicht elektronisch erfassten Schulbücher mit einer eigens entwickelten Schulbuchsystematik erschlossen und in den Katalog eingearbeitet. Die neuen Suchmöglichkeiten in der Sammlung des GEI sind deshalb von großer Bedeutung, da gängige Suchkriterien wie Titel oder Verfasser für Schulbücher häufig wenig Aussagekraft haben. Die Suchoberfläche des Rechercheinstruments wird sowohl in Deutsch als auch in Englisch angeboten, was für die internationale Zielgruppe der Bibliothek von besonderer Wichtigkeit ist. Das Rechercheinstrument ist Teil der Strategie zum Aufbau einer modernen und nutzerorientierten digitalen Forschungsinfrastruktur des Georg-Eckert-Instituts. Weitere Projekte sind die Curricula Workstation (http://curricula-workstation.edumeres.net), die Digitalisierung historischer Schulbücher (GEI-Digital, http://gei-digital.gei.de), die Datenbank zugelassener Schulbücher (GEI-DZS, http://gei-dzs.edumeres.net) sowie das Informations- und Kommunikationsportal für die Bildungsmedienforschung Edumeres.net (www.edumeres.net).


Projektstart: „Die Welt der Kinder“- Weltwissen und Weltdeutung in Schul- und Kinderbüchern zwischen 1850 und 1918

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen. Zugleich prägt die Sozialisation ihre Sicht der Dinge – heute wie vor 100 Jahren. Mit welchem Wissen von der Welt sind Kinder und Jugendliche damals aufgewachsen? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein breit angelegtes wissenschaftliches Projekt, bei dem sieben verschiedene wissenschaftliche Institute und Bibliotheken unter Federführung des Georg-Eckert-Instituts (GEI) zusammenarbeiten. Das Forscherteam erprobt dabei neue Methoden der Digital Humanities und verbindet hermeneutische mit informatischen Ansätzen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erleben Bildung und Wissen eine Revolution – neben dem rasanten technologischen Wandel setzen sich Schulpflicht, Buchkultur sowie Schulbücher als Massenmedien durch. Welche Bilder von der Welt hatten Heranwachsende unter diesen Bedingungen und wie haben sie sich verändert? Diese Frage steht im Zentrum des auf drei Jahre angelegten wissenschaftlichen Vorhabens. Dafür untersuchen die beteiligten Wissenschaftler diejenigen gedruckten Medien, zu denen Kinder in einer Zeit ohne Internet, Fernseher oder Radio Zugang hatten: über 7.000 Schulbücher sowie Kinder- und Jugendbücher.

Hermeneutik versus Digital Humanities?
Ausgehend von einer geschichtswissenschaftlichen Frage erprobt das Projekt als eines der ersten in Deutschland Werkzeuge der Digital Humanities. Es fragt dabei, welche informationstechnologischen Verfahren geeignet sind, um die riesige Anzahl an digitalen Quellen zu analysieren und wie diese weiterentwickelt werden können. Mittels computergestützer Analysen lassen sich die Themenfelder sowie Haltungen zu bestimmten Themen per Mausklick visualisieren – die Analyse geht so über rein quantitative Verfahren hinaus und trifft auch Aussagen zur Semantik.
Inwieweit diese sinnvolle Ergebnisse liefern, wird mit hermeneutischen Verfahren überprüft und ins Verhältnis gesetzt. Die enge Zusammenarbeit von Historikern, Literaturwissenschaftlern sowie Informatikern und Informationswissenschaftlern verspricht so neue Erkenntnisse über Potenziale und Grenzen digitaler Methoden und Werkzeuge für die historische Forschung.
Beteiligt sind das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) mit Sitz in Frankfurt am Main und Berlin, die Technische Universität Darmstadt und die Universitäten Hildesheim, Göttingen und Zürich, das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) sowie die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) München.

  • Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens der Leibniz-Gemeinschaft (Senatsausschuss Wettbewerb – SAW).

Unterrichtsmaterialien zum 1. Weltkrieg

Passend zum Gedenkjahr 2014 ist das neue Auswahlverzeichnis von Unterrichtsmaterialien zum 1. Weltkrieg fertig und online verfügbar. Es umfasst gedruckte und Online-Materialien sowie Quellensammlungen in deutscher, englischer und französischer Sprache. Das Verzeichnis ist sowohl für die Unterrichtsvorbereitung als auch als Zusatzmaterial geeignet.
Weitere Details:
http://www.gei.de/fileadmin/bilder/pdf/Bibliothek/Literaturlisten/AWV37.pdf


"Memory Practices" - Erinnerungspraktiken im Schulalltag

Auf einer Konferenz in Warwick sprach Dr. Felicitas Macgilchrist, Wissenschaftlerin am GEI, über "Memory Practices" - Erinnerungspraktiken im Schulalltag.


ANKÜNDIGUNGEN


24. Juni: „Unterrichtsmaterialien für das globalisierte Klassenzimmer“ – Fortbildung für Lehrkräfte in Braunschweig

Was zeichnet den Unterricht im globalisierten Klassenzimmer aus? Das Transferprojekt des GEI "Zwischentöne", gefördert von der Robert Bosch Stiftung, bietet deutschlandweit Fortbildungen für Lehrkräfte an. Thema ist der konstruktive Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt im Unterricht. Am 24. Juni findet die kostenlose Veranstaltung in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) in Braunschweig statt.

Die als Workshop konzipierte Fortbildung für Lehrkräfte führt in Inhalte und Methoden von innovativen Unterrichtsmaterialien ein, die im Projekt „Zwischentöne – Materialien für das globalisierte Klassenzimmer“ am

Georg-Eckert-Institut entstanden sind. Die Materialien für den Geschichts-, Politik- und Ethik-/Religionsunterricht für die Sekundarstufen ab Klasse 8 beschäftigen sich mit zahlreichen Aspekten kultureller und religiöser Vielfalt und regen zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Unterschieden an. Einzelne Modulbeispiele werden vorgestellt und diskutiert. Der Workshop bietet zudem die Gelegenheit zum fachlichen Austausch unter Lehrkräften. Während einer abschließenden Führung gibt es Gelegenheit, die Sonderbibliothek des GEI mit einer umfangreichen Schulbuchsammlung kennenzulernen.

  • Die Unterrichtsmaterialien zum Download, weitere Veranstaltungsorte, Informationen zur Anmeldung und zum Programm unter: http://www.zwischentoene.info

1. Juli: „EurViews. Europa im Schulbuch" geht online

Mit "EurViews. Europa im Schulbuch" stellt das Georg-Eckert-Institut ein internationales und kollaboratives Online-Editionsprojekt vor. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus über 20 Ländern sammelt das Projektteam Vorstellungen von „Europa" und Europäizität, wie sie in Schulbüchern weltweit im 20. und 21. Jahrhundert verbreitet wurden.

In den ausgewählten Autorentexten, Karten, Bildern, Dokumenten, (Info-) Grafiken sowie Karikaturen aus Schulbüchern spiegeln sich Innen- und Außensichten auf das, was zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten weltweit als „europäisch" verstanden wurde. Beiträge und Quellen werden in die deutsche und englische Sprache übersetzt, wissenschaftlich kommentiert und kontextualisiert. Dieses Material wird als Internetangebot zugänglich gemacht.

Am 1. Juli wird die Plattform nun der Öffentlichkeit präsentiert und mit einer Feierstunde im Georg-Eckert-Institut freigeschaltet: Die Projektleiterin und Direktorin des GEI, Prof. Dr. Simone Lässig, und die MitarbeiterInnen von EurViews stellen die Plattform und ausgewählte Projektergebnisse vor. Im Anschluss wird Prof. Dr. Kiran Klaus Patel (Universität Maastricht) um 19 Uhr einen öffentlichen Festvortrag zum Thema "Wo und wann war Europa?" halten. Interessierte Gäste sind herzlich willkommen. Ab Juli wird EurViews unter www.eurviews.eu zu erreichen sein. Das Vorhaben wurde aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst gefördert sowie von der Technischen Universität Braunschweig und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.


PUBLIKATIONEN


Band 135

Stephanie Zloch, Izabela Lewandowska (Hg.): Das ›Pruzzenland‹ als geteilte Erinnerungsregion. Konstruktion und Repräsentation eines europäischen Geschichtsraums in Deutschland, Polen, Litauen und Russland seit 1900

Das ›Pruzzenland‹ ist eine Region im nordöstlichen Europa, die von vielfältigen kulturellen und multiethnischen Traditionen, aber auch historisch von konkurrierenden nationalen Ansprüchen zwischen Deutschland, Polen, Litauen und Russland gekennzeichnet war. Die wohl weitreichendste Zäsur stellten die Verschiebung der nationalstaatlichen Grenzen und der nahezu vollständige Austausch der Bevölkerung im Gefolge des Zweiten Weltkriegs dar. In jüngster Zeit dient der Umgang mit der Vergangenheit als wichtige Ressource für die Suche nach regionaler Identität in Polen, Litauen und Russland. Für das Medium Schulbuch ist die vorliegende Studie in einem internationalen Vergleich über das 20. Jahrhundert hinweg bis zur Gegenwart erstmals Narrativen und Repräsentationen der Region nachgegangen und hat sie systematisch gebündelt.

Göttingen: V&R unipress, 2014. 398 Seiten. ISBN 978-3-8471-0266-3


Band 136

Henning Hues: Kluft am Kap - Geschichtsunterricht nach der Apartheid

In Südafrika besteht zwischen Bildungsplanung und Bildungspraxis eine unübersehbare Kluft. Exemplarisch wird in diesem Buch die schulische Aufarbeitung des sensiblen Themenkomplexes der apartheid untersucht. Der Lehrplan formuliert den Anspruch, Respekt und Verständnis zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen des Landes zu fördern. Doch wie lassen sich diese hehren Ziele in einem Land umsetzen, dessen Lehrkräfte oftmals unzureichend ausgebildet sind und für dessen Gesellschaft die jüngere Vergangenheit für alle Seiten schmerzhaft ist? Diese Arbeit widmet sich der empirischen Ausleuchtung des spannungsreichen Verhältnisses curricularer Vorgaben und unterrichtlicher Praxis.

Göttingen. V&R unipress, 170 Seiten,ISBN 978-3-8471-0295-3, erscheint Juni 2014


Eckert.Schriftenreihe – jetzt im Open Access zugänglich:

Georg Stöber: Zwischen Ökonomie und Ökologie? Raumstruktureller Wandel, Raumplanung und Nutzungskonflikte in Deutschland und Polen (Band 130).

Göttingen: V&R unipress, 2012. 222 Seiten. ISBN 978-3-89971-956-7.


Eckert.Working Papers

Antigoni Loukovitou: Lehrplan 21 – Diskussion einer umfassenden Reform des Schulsystems in der deutschsprachigen Schweiz.
Verfügbar unter: www.edumeres.net/publikationen/working-papers/working-paper/p/lehrplan-21-diskussion-einer-umfassenden-reform-des-schulsystems-in-der-deutschsprachigen-schwei.html

Florian Grawan: Impliziter Rassismus und kulturelle Hegemonie im Schulbuch? Rassismuskritische Analyse und objektivhermeneutische Rekonstruktion.
Verfügbar unter: www.edumeres.net/publikationen/working-papers/working-paper/p/implizitzer-rassismus-und-kulturelle-hegemonie-im-schulbuch-rassismuskritische-analyse-und-objektiv.html

Gerd-Dieter Nehring: Geschichtsbücher in albanischsprachigen Gebieten Südosteuropas.
Verfügbar unter: www.edumeres.net/publikationen/working-papers/working-paper/p/geschichtsbuecher-in-albanischsprachigen-gebieten-suedosteuropas.html

Baier, Katharina, Christophe, Barbara und Zehr, Kathrin: Schulbücher als Seismographen für diskursive Brüche. Ein neuer Ansatz in der kulturwissenschaftlichen Schulbuchforschung dargestellt am Beispiel der Analyse von Schulbucherzählungen über den Kalten Krieg.
Verfügbar unter: www.edumeres.net/publikationen/working-papers/working-paper/p/schulbuecher-als-seismographen-fuer-diskursive-brueche-ein-neuer-ansatz-in-der-kulturwissenschaftli.html