Newsletter Oktober/November 2012

19. und 20. Oktober: Tagung zum 100. Geburtstag von Georg Eckert

Der Gründer und Namensgeber des Instituts hätte im Oktober seinen 100. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass fand am 19. und 20. Oktober eine Tagung mit dem Titel „Im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik: Georg Eckert“ statt, zur Würdigung seines Lebens und Wirkens als Historiker und politisch engagierter Mensch.
Im Rahmen der Konferenz wurde bei einem feierlichen Festakt im Braunschweiger Altstadtrathaus am 19. Oktober in Anwesenheit der niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur Prof. Johanna Wanka die Südafrikanerin Katalin Morgan mit dem vom Westermann Verlag gestifteten Forschungspreis des Georg-Eckert-Instituts geehrt. Den Festvortrag hielt Prof. Jürgen Kocka.
Am Freitag, dem 19. Oktober, wurde zudem eine Ehrentafel am Haupthaus des Georg-Eckert-Instituts enthüllt.


Gestartet: GEI-DZS ist online

Die Datenbank enthält die ab Schuljahr 2010/2011 für den Unterricht in staatlichen deutschen Schulen zugelassenen Schulbücher der Fächer Erdkunde, Geschichte, Politik und Sozialkunde. Sie umfasst gegenwärtig 1.570 zugelassene Schulbuchtitel und wird die gedruckten Zulassungsverzeichnisse ablösen.
Als ein Bildungsprojekt, das sich auf alle Bundesländer bezieht, soll sie die Arbeit mit Schulbüchern erleichtern und Orientierung über die Schulbuchzulassung in Deutschland geben. Dieser Service schafft Transparenz und ist aufgrund der unübersichtlichen Struktur des deutschen Schulbuchwesens besonders stark nachgefragt.
Eine Fülle von Informationen sind für Schulbuchforscher, Bildungspraktiker und -politiker rund um das Thema Schulbuchzulassung verfügbar – etwa über die aktuelle Anzahl der genehmigten Geschichtsbücher in der Sekundarstufe I oder darüber, wo und für welche Schulform ein bestimmtes Schulbuch zugelassen ist. Auch auf die häufig gestellte Frage, welche Lehrwerke in diesem Schuljahr in einem bestimmten Fach neu zugelassen wurden, gibt die Datenbank Antwort.


Studie zum Umgang mit dem Holocaust im Unterricht weltweit

Im Juli dieses Jahres hat eine Gruppe von Wissenschaftlern am GEI unter Leitung von Prof. Eckhardt Fuchs eine Studie begonnen, die Erkenntnisse darüber bringen soll, wie der Holocaust weltweit in Lehrplänen und Schulbüchern vorkommt. Aufbauend auf Daten, welche auch Länder beinhalten, in denen keine oder nur wenige Informationen über die Darstellungen des Holocaust existieren, wird die Studie zeigen, wo der Holocaust in offiziellen Bildungsrichtlinien verankert ist. Das Projekt beinhaltet auch eine ausführliche Analyse von Schulbüchern aus 20 Ländern mit einem besonderen Fokus auf Umfang und Genauigkeit der Darstellungen, Arten der Abbildungen und historischen Narrative. Das Projekt ist auf 18 Monate angelegt und erfolgt in Zusammenarbeit mit der UNESCO.


Das surfende Klassenzimmer

Bild: Carola Kolouscheck

In Kooperation mit der Braunschweiger Bürgerstiftung untersuchen Wissenschaftler des Georg-Eckert-Instituts, ob und wie sich das Lernen in den neuen Braunschweiger „Notebook-Klassen“ verändert. Das Projekt ist Teil der Initiative „Interaktive Schule“, das die Bürgerstiftung Braunschweig ins Leben gerufen hat.

Pünktlich zum Schuljahresbeginn steht in den Braunschweiger „Notebook-Klassen“ für jeden Schüler ein Rechner auf dem Tisch. An drei Schulen – dem Gymnasium Raabeschule, der IGS Querum und der Realschule Maschstraße – erhalten Schülerinnen und Schüler Notebooks, die nun regulär im Unterricht der Sekundarstufe I und II eingesetzt werden sollen.

Daran knüpfen sich viele Fragen: Welche Medien werden Lehrer meist einsetzen – Notebook, Zusatzmaterialien oder doch das Schulbuch? Wie verändert sich das Handeln der Lehrer und Schüler sowie der konkrete Unterricht in verschiedenen Fächern? Seit Schuljahresbeginn geht eine qualitative Studie des Georg-Eckert-Institut diesen und anderen Fragen nach. Zunächst interviewen die Wissenschaftler Schulleiter, Schüler sowie je drei bis vier Lehrende und befragen sie zu ihren Erwartungen; Im Sommer 2013 zum Schuljahresende geben die Lehrer, Schüler und Schulleiter den Wissenschaftlern in einer zweiten Erhebung Auskunft darüber, welche Erfahrungen sie mit den Laptops – und mit Maus statt Füller – gemacht haben. Die Ergebnisse werden dann der Bildungspolitik und -praxis zur Verfügung gestellt.


GEI Mitglied in drei neuen WGL-Forschungsverbünden "Historische Authentizität", „Krisen einer globalisierten Welt“ und „Science 2.0“

Bild: Verena N./pixelio.de

Das Georg-Eckert-Institut ist Mitglied in drei neuen Forschungverbünden der Leibniz-Gemeinschaft. Insgesamt ist es in vier der neun transdisziplinären Forschungsverbünde vertreten.
„Historische Authentizität“ bündelt die Kompetenzen von 17 Leibniz-Instituten aus drei unterschiedlichen wissenschaftlichen Sektionen. „Hauptanliegen des Leibniz-Forschungsverbundes ist es, die Prozesse und Kräfte des Erinnerns und des Vergessens auszuloten“, so Prof. Dr. Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Sprecher des Verbundes. Prof. Dr. Simone Lässig wurde zur stellvertretenden Sprecherin des neuen Verbundes gewählt.
Der Forschungsverbund „Science 2.0“ untersucht mit insgesamt 15 Leibniz-Instituten, inwiefern Webtechnologien wie Wikis, Blogs und soziale Netzwerke, die zunehmend von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern genutzt werden, die klassische Forschung verändern bzw. unterstützen können.
Im Zentrum des Forschungsverbunds „Krisen einer globalisierten Welt“, zu dem bislang 19 Leibniz-Institute gehören, stehen Finanzmarkt- und Verschuldungskrisen, Welternährungs-krisen, Krisen politischer Ordnungssysteme und Umweltkrisen. Im Verbund soll Wissen generiert werden, um Krisen in ihrer Komplexität verstehen und Optionen für eine künftige gesellschaftliche Verarbeitung von Krisen erarbeiten zu können.


"Wir wollen keine Meistererzählung"

Das Online-Portal „Historiana“ vermittelt verschiedene Perspektiven auf die europäische Geschichte – jenseits nationalstaatlich orientierter Schulbücher.
 „Historiana - Your Portal to the Past“ ist eine digitale Plattform, die Lehrern ab sofort unter historiana.eu multiperspektivisches und vergleichendes Unterrichtsmaterial zur europäischen Geschichte zur Verfügung stellt. Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom Europäischen Geschichtslehrerverband EUROCLIO unter Beteiligung des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung und anderer Partner.
Vergangene Woche wurde es zudem mit dem „World Aware Education Award“ des North-South Centre ausgezeichnet.

Links:


Neues von den NaWis

Sabrina Keit und Lucas Garske

Für die NaWis standen in den vergangenen Monaten gleich zwei größere Termine an: Für die „Graduate School on Educational Media and History“ (28.-31.8.) machten sich vier GEI-NaWis auf den Weg nach Schweden. Dort ging es an der Universität Umeå drei Tage lang in so genannten „Troubleshooting Seminars“ darum, intensiv über konkrete Fragen und Probleme bei den verschiedenen Qualifizierungsprojekten zu diskutieren. Vorträge zu Methoden der Textanalyse und Interviewführung sowie den Chancen und Herausforderungen von Social Media rundeten das Programm ab.
Am 10. und 11. September fand das 2. Leibniz-Doktorandenforum der Sektion A statt, veranstaltet vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Etwa 60 Promovierende trafen sich, um ihre Projekte vorzustellen. Die Vorträge gaben Impulse für die Diskussionen zur Entwicklung der Leibniz-Gemeinschaft als auch der deutschen und europäischen Forschungspolitik. In Workshops ließen sich zudem ein Überblick über die aktuellen Forschungen von verwandten Bereichen gewinnen und Netzwerke aufbauen.
Sabrina Keit und Lucas Frederik Garske wurden als neue Sprecher der NaWis gewählt.


Ankündigungen


Das digitale Schulbuch – Schulbuch der Zukunft? Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Treffpunkt Bibliothek“

  • Ort: Bibliothek des Georg-Eckert-Instituts
  • Zeit: 29.10.2012, 19 Uhr
  • Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Westermann Verlag

Spätestens seitdem der Konzern Apple Anfang des Jahres seine geplante Kooperation mit großen amerikanischen Schulbuchverlagen verkündete, ist das digitale Schulbuch in aller Munde. Doch wie sieht die Realität derzeit auf dem deutschen Schulbuchmarkt aus? Bereits im September wollten 27 deutsche Verlage eine gemeinsame Plattform für digitale Schulbücher mit dem Ziel starten, Bücher zu publizieren, die unabhängig vom verwendeten Gerät funktionieren. Vorerst wurde der Start dieser Plattform verschoben. Wann müssen sich Schüler und Lehrer auf die Ablösung des seit Jahrhunderten im Einsatz befindlichen gedruckten Schulbuchs einstellen und welche Konsequenzen wird das haben? Welche Mehrwerte bieten digitale Schulbücher? Wie reagieren die Schulbuchverlage darauf? Diesen und anderen Fragen wird der Vortrag im Verlauf des Abends nachgehen. Im Anschluss sind Fragen seitens des Publikums willkommen.


Erste Konferenz der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission in Berlin

Vom 3. bis 5. Dezember findet im Auswärtigen Amt die erste Konferenz der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission (DISBK) statt. Unter dem Titel „Differenz übersetzen“ werden deutsche und israelische Wissenschaftler Kernkonzepte und Begriffe diskutieren, die in der gemeinsamen Kommunikation mit einer gewissen Selbstverständlichkeit verwendet werden, jedoch bei genauerem Hinsehen Reste von Unübersetzbarkeit in die kulturelle und politische „Sprache“ des jeweils anderen Landes erkennen lassen. Die Konferenz beginnt am 3. Dezember mit einer Präsentation erster Befunde der Schulbuchanalysen, die im Rahmen der DISBK seit 2010 durchgeführt werden. Im Mittelpunkt steht hierbei zunächst die Darstellung des jeweils anderen Landes in deutschen und israelischen Geschichts-, Geographie- und Sozialkundeschulbüchern.

Die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission wird vom Auswärtigen Amt gefördert und vom Georg-Eckert-Institut koordiniert.


Georg-Eckert-Institut und Leipziger Buchmesse prämieren exzellente Lehrwerke

Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung und die Leipziger Buchmesse haben den Startschuss für die zweite Runde des Preises „Schulbuch des Jahres“ gegeben. Die Auszeichnung wird am 15. März 2013 an drei herausragende Schulbücher in den Bereichen Sprache, Gesellschaft und Naturwissenschaft für die Sekundarstufe I verliehen. Erstmals wird auch ein Preis für das beste „Zusatzmaterial“ vergeben, das neben den curricularen Lehrwerken zum Einsatz kommt.

Mit dem Preis sollen Autoren, Herausgeber und Schulbuchverlage für die Entwicklung und Produktion innovativer Schulbücher ausgezeichnet werden; außerdem soll die Bedeutung von Schulbüchern sichtbar und Debatten um ihren Stellenwert in Bildungsprozessen angeregt werden.


NEUERSCHEINUNGEN


Eckert. Die Schriftenreihe 132

Klaus Spenlen, Susanne Kröhnert-Othmann (Hg.): Integrationsmedium Schulbuch. Anforderungen an islamischen Religionsunterricht und seine Bildungsmaterialien. Göttingen: V&R unipress 2012, ISBN 978-3-8471-0020-1

Die Anforderungen an islamischen Religionsunterricht sind hoch: Nach dem Bildungsauftrag der Schulen soll eine Kultur der Anerkennung ethnisch-religiöser Diversität gefördert werden. Ziel ist die Bildungsinklusion aller Schülerinnen und Schüler. Dieser Band konkretisiert und versachlicht die Diskussion um die Einführung von islamischem Religionsunterricht und um Schulbücher für diesen Unterricht. Dazu legt er Grundlagen des neuen Fachs offen, bezieht theoretische und unterrichtspraktische Erfahrungen auf das Thema »Religion im Kontext von Migration« und trägt zum transkulturellen Diskurs um Bildungsmaterialien bei. Die Autorinnen und Autoren sind an Schulen tätig, in der Kinder- und Jugendhilfe, der Lehrerausbildung sowie an Hochschulen. Die Islamwissenschaftler, Religionspädagogen, Theologen, Historiker, Soziologen, Ethnologen und Pädagogen wenden sich mit diesem Band an Praktiker, bereichern aber auch die noch junge wissenschaftliche Diskussion um die Rolle des Islam in Deutschland.