Newsletter Oktober/November 2013

Projektstart: die Entwicklung der Europäischen Union in deutschen Schulbüchern

Mit der Darstellung der Europäischen Union (EU) in deutschen Schulbüchern beschäftigt sich ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Göttingen und des Georg-Eckert-Instituts. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, wie die europäische Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts in den Schulbüchern für den politischen Fachunterricht an allgemeinbildenden Schulen dargestellt wird.

Niedersächsische Lehrkräfte sollen sich zu den Vor- und Nachteilen der eingesetzten Lehrbücher äußern, darüber hinaus wollen die Forscher auch Schülerinnen und Schüler zu den bearbeiteten Kapiteln befragen. Das Land Niedersachsen fördert das Projekt mit dem Titel „Schulbücher als Vermittler der Europäischen Integration? Eine Studie zum politischen Fachunterricht“ drei Jahre lang mit insgesamt 200.000 Euro. „Ohne den Blick auch auf Europa als Ganzes zu richten lässt sich Politik in Deutschland heute nicht mehr angemessen begreifen“, erläutern Prof. Dr. Monika Oberle vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Göttingen und Prof. Dr. Eckhardt Fuchs vom GEI, die das Projekt gemeinsam leiten. „Diesem Wandel muss eine zeitgemäße politische Bildung Rechnung tragen, und da nur die schulische politische Bildung wirklich alle Menschen erreicht, trägt sie für die politische Europabildung eine besondere Verantwortung.“ Aufgrund der hohen Dynamik und Komplexität der EU haben Lehrkräfte bei der Vermittlung des Themas besonderen Bedarf nach Leitmedien. Gleichzeitig ergeben sich gerade angesichts dieser Dynamik und Komplexität, der empfundenen Bürgerferne der EU sowie verbreiteten Vorurteilen und Fehlannahmen für Schulbücher besondere Schwierigkeiten und Herausforderungen. Die Wissenschaftler wollen auf der Grundlage ihrer Studie Empfehlungen formulieren, um den Nutzen der Bücher für Lehrkräfte und Schüler zu erhöhen und die Qualität der EU-Vermittlung im Unterricht zu verbessern.


42 Titel gehen ins Rennen um die Auszeichnung "Schulbuch des Jahres 2014"

Am 14. März 2014 vergibt das Georg-Eckert-Institut in Zusammenarbeit mit der Leipziger Buchmesse seinen Preis für das „Schulbuch des Jahres“ – in diesem Jahr widmet sich die Experten-Jury herausragenden Lehrwerken für die Grundschule. Über die Sommermonate waren Verlage aufgerufen, sich mit ihren überzeugendsten Materialien um die Auszeichnung zu bewerben – 42 Titel konkurrieren nun um den Titel „Schulbuch des Jahres“.

Die Jury ehrt Schulbücher aus drei verschiedenen Kategorien – Deutsch und Fremdsprachen, Mathematik sowie Sachunterricht; ein weiterer Preis geht an extracurriculare Lehrmaterialien. Ausgezeichnet werden Titel, die in besonderem Maße die Anforderungen an ein zeitgemäßes Lehrwerk erfüllen, Mut zu inhaltlichen, didaktisch-methodischen sowie gestalterischen Innovationen zeigen und die Herausforderungen von Bildungsstandards und kompetenzorientiertem Lernen überzeugend aufnehmen. Mit dem Preis „Schulbuchs des Jahres“ wollen das Georg-Eckert-Institut und die Leipziger Buchmesse Herausgeber und Autoren für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Schulbuchkonzepte auszeichnen.
Damit will das Georg-Eckert-Institut auf die Bedeutung von guten Unterrichtsmaterialien aufmerksam machen sowie ihre Weiterentwicklung fördern. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz.

Einreichungen und Vorschläge: Bis Mitte September waren Verlage – aber auch Schüler, Lehrer, Eltern, Fachdidaktiker und -wissenschaftler – eingeladen, exzellente Schulbücher zu empfehlen. Alle Titel werden nun von Fachjurys begutachtet. Mitte Januar wird die Gesamtjury – zusammengesetzt aus Wissenschaftlern, Verlagsvertretern und Lehrern – unter dem Vorsitz von Frau Prof. Dr. Simone Lässig, Direktorin des Georg-Eckert-Instituts tagen, um die besten drei Schulbücher in jeder Kategorie zu nominieren. Knapp zwei Monate später, am 14. März findet die öffentliche Preisverleihung auf der Buchmesse statt.

Kooperation Leipziger Buchmesse und Georg-Eckert-Institut: Das Georg-Eckert-Institut und die Leipziger Buchmesse vergeben den Preis „Schulbuch des Jahres“ bereits zum dritten Mal gemeinsam. Die Auszeichnung ist Teil des Bereichs „Fokus BILDUNG“, der mit seinem umfangreichen Ausstellungsangebot und Fortbildungsprogramm für Lehrer und Erzieher eine tragende Säule der Leipziger Buchmesse ist.

Das Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung erforscht Schulbücher weltweit aus kulturwissenschaftlich-historischer Perspektive und schlägt mit seiner Forschung immer wieder eine Brücke in die Praxis: Mit seinem Onlineportal Edumeres.net informiert es zu Trends aus Bildung und Bildungsforschung und lädt Wissenschaftler, Lehrer und Schüler ein, Schulbücher zu rezensieren, um den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken.  

Alle Informationen rund um das Schulbuch des Jahres finden Sie unter:


Wissenschaftliches Großprojekt zum "Kalten Krieg" gestartet

Wie erinnern sich Schüler und Schülerinnen heute an den Kalten Krieg? Wie gehen sie mit dem um, was Lehrer und Schulbücher ihnen vermitteln? Prägen heute nicht Internet und Fernsehen das Weltbild der Jugendlichen viel stärker als das Schulbuch? Und wie begegnen Lehrer, die die Zeit des Eisernen Vorhangs selbst erlebt haben, der Vergangenheit im Unterricht? Diesen Fragen geht ein Team von Forschern des Georg-Eckert-Instituts unter der Leitung von Barbara Christophe nach – mit vergleichendem Blick auf Deutschland, Schweden und die Schweiz.

Mit dem Zentrum für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen an der Pädagogischen Hochschule Luzern in der Schweiz, der Forschergruppe Educational History and History Didactics an der Universität Umeå in Schweden sind neben dem GEI international führende Partner beteiligt. Ziel des Vorhabens ist es „Schulische Praktiken des Erinnerns“ als neues Forschungsfeld zu etablieren. Denn die klassische Schulbuchforschung sagt viel darüber aus, welches Wissen in Schulbüchern versammelt ist, nicht jedoch darüber, wie Lehrer und Schüler im Klassenzimmer mit diesem Wissen umgehen.

Methodisch greift das Projekt auf ein breites Spektrum zurück: Die Wissenschaftler analysieren Schulbücher, führen biographisch-narrative Interviews mit GeschichtslehrerInnen und organisieren Fokusgruppendiskussionen mit Schülerinnen und Schülern und werten Videoaufnahmen von ausgewählten Unterrichtsstunden aus. Theoretisch knüpft das Vorhaben an neuere Entwicklungen auf dem Feld der Erinnerungsforschung, der Geschichtsdidaktik, der Mediennutzungsforschung und zeitgeschichtlicher Forschungen zum Kalten Krieg an.

Weitere Projekte am GEI, die sich mit „Memory Practices“ beschäftigen, finden Sie unter:

Das Projekt wird gefördert von der Leibniz-Gemeinschaft; es hat eine Laufzeit von Juli 2013 bis Juni 2016.


Auftaktkonferenz der AG Digitale Geschichtswissenschaft

Zur Eröffnungstagung der „AG Digitale Geschichtswissenschaft“ kamen am 3. September rund 100 Experten aus Wissenschaft und Politik nach Braunschweig. Die AG wurde im September 2012 vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) gegründet, um die Potenziale der „Digital Humanities“ für die Geschichtswissenschaft auszuloten.


Internationale Summer School in Braunschweig erfolgreich beendet

Vom 23. bis zum 27. September 2013 fand am Georg-Eckert-Institut die dritte internationale Sommerschule für Doktoranden und promovierte Wissenschaftler  aus den Geistes- und Sozialwissenschaften statt,  die mit Schulbüchern oder anderen Bildungsmedien arbeiten.

Unter dem Titel “Actors – Discourses – Practices: New Perspectives from the Social Sciences and Cultural Studies for Research Into Textbooks and Other Educational Media”diskutierten 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt  -  Australien, Deutschland, Georgien, Indien, Israel, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, Russland und der Tschechischen Republik. Als Experten sind auf der Summer School Dr. Katarina Eriksson Barajas von der Linköpings universitet  (Schweden), Prof. Patricia Bromley von der University of Utah (USA), Prof. Ivor Goodson von der University of Brighton (Großbritannien), Priv. Doz. Dr. Christoph Kühberger von der Pädagogischen Hochschule Salzburg (Österreich) sowie der Georg-Arnhold-Gastprofessor Ayaz Naseem von der Concordia University in Montreal (Kanada) vertreten. Zweimal pro Jahr findet eine vom GEI organisierte Summer- bzw. Winter-School statt, womit das GEI sein großes Engagement in der Nachwuchsförderung unter Beweis stellt.


Schulbuchgespräche in Südostasien

Am 16. und 17. September 2013 hat in der thailändischen Hauptstadt Bangkok auf Einladung der UNESCO ein Expertentreffen zum Thema „Promoting intercultural dialogue and a culture of peace in Southeast Asia through shared histories“ stattgefunden. Dabei nahmen Vertreter aus nahezu allen südostasiatischen Ländern teil. Auch das GEI beteiligte sich an der Veranstaltung.

Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Asia-Pacific Centre of Education for International Understanding und der National Research Foundation of Korea. Die Bedeutung der Veranstaltung wurde durch die Keynote unterstrichen, wurde sie doch von H.E. Dr. Surin Pitsuwan, dem ehemaligen Außenminister Thailands und Generalsekretär der ASEAN gehalten.

Das Georg-Eckert-Institut war mit seinem stellvertretenden Direktor vertreten, der eines der beiden Auftaktreferate hielt und als Facilitator einer Arbeitsgruppe fungierte. Erstmals diskutierten Historiker, Vertreter regionaler Organisationen wie die Southeast Asian Ministers of Education Organisation, das ASEAN University Network,  und UNESCO-Repräsentanten die Frage, wie Schulbücher der elf südostasiatischen Länder verbessert werden können. Konkret ging es um die Frage, ob und wie eine regionale Perspektive in die nationalgeschichtlich dominierten Curricula und Schulbücher integriert werden kann. Schulbuch und regionale Identitätsbildung – das ist ein Thema, das auch in Ostasien und Europa derzeit intensiv diskutiert wird. Die Diskussionen auf dem Treffen reflektierten die Erfahrungen dieser anderen Regionen, ohne die Spezifika Südostasiens aus den Augen zu verlieren.

Das Treffen bildete den Auftakt einer Reihe von Aktivitäten, die in naher Zukunft den Prozess der Schulbuchrevision bestimmen werden. Dazu gehört eine regionale Arbeitsgruppe und die Einbeziehung der political stakeholders. Konkrete Ergebnisse sind in zwei bis drei Jahren zu erwarten. Das GEI wird auch in Zukunft die Aktivitäten in dieser Region verfolgen und beratend begleiten.


ANKÜNDIGUNGEN


30. Oktober: Treffpunkt Bibliothek, Vortrag: "Karten in der Schule – ein Politikum"

Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Treffpunkt Bibliothek“ am Mittwoch, den 30. Oktober um 18 Uhr im Georg-Eckert-Institut

Referent: Dr. Georg Stöber, Abteilungsleiter „Schulbuch und Gesellschaft“

Karten werden oftmals als verkleinertes, zweidimensionales Abbild der Realität angesehen. Sie sind jedoch vielmehr das Ergebnis einer zielgerichteten Umsetzung von „verräumlichten“ Vorstellungen mit kartographischen Mitteln. Darüber hinaus formen sie - wenn auch nicht als einzige Quelle für unsere „Karten im Kopf“ (mental maps) - unsere Raumvorstellungen mit. Es ist daher kein Wunder, dass ihre Botschaften häufig politische Implikationen besitzen und sie, nicht zuletzt bei ihrem Einsatz in der Schule, politischer Einflussnahme unterliegen. Der Vortrag wird an Beispielen aus der Arbeit des Georg-Eckert-Instituts diese politische Dimension von Karten aufzeigen und auf Konflikte eingehen, die sich hieraus ergeben.

Unser Haus wird bereits ab 17:00 Uhr für Sie geöffnet sein und Sie haben die Möglichkeit, die Schulbuch-Ausstellung zu besuchen und an einer kleinen Führung durch unsere Bibliothek teilzunehmen. Um Anmeldung wird bis zum 27.10. unter bibauskunft@remove-this.gei.de gebeten.

Weitere Informationen finden Sie unter:


Konferenz 20. - 22. November: Möglichkeiten und Grenzen externer Bildungsintervention am Beispiel Südosteuropas

In den 90er Jahren zerfiel Südosteuropa in blutigen (Bürger-)Kriegen. Die Nachfolgestaaten sind weiterhin von Spannungen gezeichnet; eine gesellschaftliche und schulische Auseinandersetzung mit dem Krieg findet aber erst ansatzweise statt. Im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik der Bundesregierung engagiert sich das Georg-Eckert-Institut beim Wiederaufbau der Bildungssysteme in Südosteuropa. Am 20. – 22. November geht eine Konferenz in Braunschweig mit internationalen Experten Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Engagements nach.

Kaum endete Mitte der 90er Jahre der Krieg in Bosnien-Herzegowina engagierte sich die internationale Gemeinschaft nicht nur in der Politik mit Demokratie und Wahlen für die Stabilität des Landes, sondern suchte auch in der Bildung nach Wegen für einen Aufbruch zu Dialog und Verständigung.

Dabei kommt der Schule als Ort, an dem gesellschaftliche Vorstellungen geprägt werden, eine Schlüsselrolle zu. Insbesondere im Geschichtsunterricht sind Lehrer und Schüler mit ihren eigenen Biografien konfrontiert genauso wie mit einer offiziellen Lesart der Kriege von Staatsseite, die bislang oft nur klare Täter-Opfer-Dichotomien kennt. Welchen Möglichkeiten und Grenzen stehen auswärtige Akteure gegenüber, wenn sie beim Wiederaufbau der Bildungssysteme unterstützen? Und wie lässt sich in einer solchen Situation ein Ansatzpunkt finden für einen auf Ausgleich und Reflektion statt auf Ressentiments und Frontenbildung zielenden Geschichtsunterricht?

Diesen Fragen widmet sich eine Konferenz des Georg-Eckert-Instituts, die am 20. – 22. November in Braunschweig stattfindet. Sie bildet den Abschluss des vom Auswärtigen Amtes finanzierten Projektes: „Schulbuch- und Curriculumentwicklung in Südosteuropa“. Zum Auftakt der Konferenz wird Herr Schwarz-Schilling, Bundesminister a. D. und ehemaliger Hoher Repräsentant der UN für Bosnien-Herzegowina, am 20. November einen öffentlichen Abendvortrag mit anschließendem Empfang im Braunschweiger Altstadtrathaus halten. Unter dem Titel „Externe Bildungsinterventionen und Geschichtsunterrichtsreform in Postkonfliktgesellschaften“ werden an den beiden Folgetagen internationale Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis über Ansätze und Strategien von Interventionen im Geschichtsunterricht am Beispiel von Südosteuropa diskutieren. Ziel der Konferenz ist es, Beiträge und Berichte aus der Praxis zu diskutieren und Chancen und Herausforderungen von Bildungsinterventionen zu reflektieren. Daraus sollen Schlussfolgerungen für zukünftige Bildungsprogramme entstehen und Überlegungen für neue wissenschaftliche Projekte.

Das Georg-Eckert-Institut engagiert sich seit Jahrzehnten in ehemaligen Krisenregionen, vermittelt zwischen den beteiligten Akteuren und berät Bildungspolitiker und -praktiker vor Ort. Im Rahmen des „Stabilitätspaktes“ des Auswärtigen Amtes hat es sich in den ehemaligen Balkanstaaten für die Entwicklung von Schulbüchern und Curricula eingesetzt


Prishtina: Internationale Konferenz zu albanischsprachigem Geschichtsunterricht in Südosteuropa

Bei Südosteuropa denken noch heute die meisten nur an Krieg und ethnische Konflikte. Doch in Bezug auf die rechtliche Situation von muttersprachlichem Unterricht ist die Situation vielschichtig. Allein im Kosovo können acht verschiedene, offiziell anerkannte ‚Communities‘ in drei verschiedenen Sprachen eine Schulbildung genießen. In einem vom Auswärtigen Amt finanzierten Projekt widmet sich das Georg-Eckert-Institut nun den  albanischen Geschichtsbüchern und Curricula all jener Regionen, in denen unter anderem albanischsprachiger Unterricht stattfindet – im Kosovo und in Albanien als Sprache der Mehrheitsbevölkerung, in Mazedonien als Sprache einer relevanten Bevölkerungsgruppe  und in Montenegro und Serbien als Unterricht einer Minderheit.
Zum Projektauftakt findet vom 6. – 8. November eine Konferenz in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina statt, auf der Akteure aus Wissenschaft und Praxis  eine Bestandsaufnahme der Herausforderungen machen. Das dreijährige Projekt will Diskussionen zwischen Bildungspolitikern, Schulbuchautoren und Fachwissenschaftlern initiieren, um Bewusstsein für Defizite zu stimulieren, die wiederum Schulbücher und Fachdidaktik beeinflussen.

Narrative in Geschichtsbüchern, ihr Bezug zu ethnischen Konflikten und die Situation des Geschichtsunterrichts für die albanischen Communities wird ebenso Thema sein wie die Ausbildung von Geschichtslehrerinnen und –lehrern. In einer 2013 am GEI abgeschlossenen wissenschaftlichen Studie über Curricula- und Geschichtsbücher in südosteuropäischen Ländern stellte sich heraus, dass der Blick auf Vergangenheit in den einzelnen südosteuropäischen Staaten geprägt ist durch ein Neben- und Gegeneinander verschiedener „nationaler“ Sichtweisen. Im Vordergrund steht der Blick auf die eigene Geschichte, die Schaffung einer Nationalhistoriografie, die `der Anderen´ wird oftmals ausgeblendet. Zudem wird betont, dass die eigene Gruppe über Staatsgrenzen hinaus eine Einheit bildet, die auf das Mutterland bezogen wird.

Das Georg-Eckert-Institut lädt im Rahmen des Projektes außerdem Wissenschaftler und Schulbuchautoren für einen einmonatigen Aufenthalt  nach Braunschweig ein, damit diese hier den großen Fundus an Geschichtsschulbüchern für ihre eigene Forschung und als Anregungen für neu zu erstellende Schulbücher nutzen können. In diesem Jahr kamen bereits drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Kosovo und Albanienmit einem Stipendium in die Villa Bülow.
Im Dezember werden sich albanische, serbische, mazedonische, bosniakische und türkische Schulbuchautoren, Lehrer und Verantwortliche aus Ministerien aus Albanien, Kosovo, Mazedonien und Serbien in einem viertägigen Seminar der Frage widmen, wie ein gutes Geschichtsbuch aussieht. Dazu schauen sie sich Schulbücher aus Südosteuropa und anderen Ländern in Kleingruppen an und werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem GEI unterstützt.
In den nächsten Jahren wird es weitere Konferenzen und Seminare geben, die den Blick erweitern und die Geschichtsbücher reflektieren wollen. Am 6. – 8. November beginnt nun die erste Konferenz in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina, die auf große Resonanz bei albanischen und internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gestoßen ist.
Das Projekt zu dem albanischsprachigen Geschichtsunterricht in den Ländern des Balkans reiht sich ein in das langjährige Engagement des GEI in Südosteuropa im Rahmen des Stabilitätspaktes des Auswärtigen Amtes. Ein weiteres Projekt des GEI in Südosteuropa widmete sich stärker der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen von Bildungsinterventionen: Am 20. -22. November findet die Abschlusskonferenz in Braunschweig von „Schulbuch- und Curriculumentwicklung in Südosteuropa“statt, bei dem internationale Experten über die Möglichkeitendes Wiederaufbaus der Bildungssysteme in ehemaligen Krisenregionen am Beispiel Südosteuropa diskutieren werden.  

Das Projekt ‚Geschichtsschulbücher und –unterricht in albanischsprachigen Gebieten läuft von 2013 – 2015 und wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa finanziert.


NEUERSCHEINUNGEN


Peter Carrier, Hg., School and Nation. Identity Politics and Educational Media in an Age of Diversity

Diese Sammlung, ein Kooperationsprojekt zwischen dem GEI und dem Institut Français de l’Education in Lyon, untersucht, wie historische Erzählweisen aktuell vermittelt und gelernt werden. Insbesondere berücksichtigt der Band, dass der Einfluss auf junge Menschen von Schulen und nationalen wie auch regionalen Bildungsbehörden der Herausforderung der Vielsprachigkeit, den Ansprüchen der supra- und subnationalen Regionen und Minderheiten, den Erinnerungen an nationalen Katastrophen und Verbrechen, sowie den ausserschulischen Bildungsmedien begegnet.

Die Autoren zeigen nicht nur, wie unterschiedliche Fachdisziplinen (das Studium der Geschichte, der Literatur, der Sozialkunde und der Sprachen) Zugehörigkeitsempfindungen unter Jugendliche ansprechen, sondern auch, wie die Bildungspolitik in Schulbüchern und Lehrplänen in Algerien, Bulgarien, Katalonien, Frankreich, Galicien, Deutschland, Quebec, Senegal und in den USA widerspiegelt werden. Diese Studien bieten aufschlussreiche Einblicke in die Bedeutung der Bildung für weitgehend beharrliche aber dennoch sich langsam verschiebende nationale Identitäten.

  • Frankfurt am Main: Edition Peter Lang, 2013. 134 Seiten. ISBN 978-3-631-62692

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