„Ausgezeichnete“ Bildungsmedienforschung

Der Georg-Eckert-Forschungspreis und der Nachwuchspreis wurden am 30. November 2018 im Altstadtrathaus vom Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig verliehen. Niedersachsens Staatssekretärin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Sabine Johannsen, überreichte die Auszeichnungen für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der internationalen Bildungsmedienforschung an Dr. Christine Ott und Lindsay Wills. Der von der Braunschweiger Westermann Gruppe gestiftete Forschungspreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Den Nachwuchspreis prämiert das GEI mit 500 Euro. 

Andrea Watermeyer, Verlagsleiterin in der Westermann Gruppe, stellte die Bedeutung der Qualitätssicherung für Bildungsmedien heraus. Diese werde einerseits durch die Expertise der Bildungsmedienverlage gewährleistet, andererseits aber auch durch die Erkenntnisse der Schulbuchforschung: „Wir stiften daher sehr gern den Georg-Eckert-Forschungspreis“.

Ausgezeichnet wurde Dr. Christine Ott für ihre Dissertation „Sprachlich vermittelte Geschlechterkonzepte – Eine diskurslinguistische Untersuchung von Schulbüchern der Wilhelminischen Kaiserzeit bis zur Gegenwart“. In ihrer Doktorarbeit hat die Preisträgerin untersucht, auf welche Weise Geschlechterkonzepte durch Sprache vermittelt werden und wie diese Konzepte in Schulbücher gelangen. Forschungsgegenstand waren dabei Schulbücher für den Deutsch- und den Mathematikunterricht ab den 1890er Jahren bis in die 2010er Jahre. Ott war 2013 Stipendiatin am GEI und nutzte für ihre Recherchen die weltweit größte Schulbuchsammlung des Instituts.

Den Nachwuchspreis für studentische Abschlussarbeiten erhielt Lindsay Wills für ihre Masterarbeit „History on whose terms? Reading about women and gender in two South African history textbook series”. In ihrer Schulbuchanalyse der beiden meistgenutzten südafrikanischen Geschichtsbuchreihen untersucht sie die Qualität der Darstellung von Frauen, „Frauenthemen“ und Gender in den Texten und Bildern. Dabei kommt die Autorin zu dem Schluss, dass die Erwähnung von Frauen in den Schulbüchern letztlich eine Art von Alibifunktion erfüllt, während die männliche Hegemonie gefestigt wird.

„Mit der Verleihung des Forschungs- und des Nachwuchspreises setzt das GEI wichtige Impulse auf dem Gebiet der Bildungsmedienforschung. Besonders erfreulich ist neben der besonderen Qualität der ausgezeichneten Arbeiten auch die Tatsache, dass es heute – wie schon bei der diesjährigen Verleihung des Wissenschaftspreises Niedersachsen – ausschließlich Preisträgerinnen gibt“, sagt Staatssekretärin Dr. Sabine Johannsen.

Im Gespräch zwischen Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, Direktor des GEI, dem Vorstandsvorsitzenden der ForschungRegion Braunschweig e.V., Prof. Dr. Joachim Block, und der Bürgermeisterin der Stadt Braunschweig, Annegret Ihbe, wurde die Position des GEI als besonderer wissenschaftlicher „Hotspot“  in der Stadt Braunschweig deutlich. So betonte Eckhardt Fuchs, dass diese Preise deutlich machen, dass die Region nicht nur mit den „harten“ Technik- und Naturwissenschaften punkten kann, sondern auch mit hervorragender Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Geistes- und Kulturwissenschaften. 

Über die Preisträgerinnen

Dr. Christine Ott, geboren 1986, studierte Deutsch und Geschichte auf Lehramt für das Gymnasium und absolvierte gleichzeitig ein Magisterstudium der Neueren deutschen Literaturgeschichte, Deutschen Sprachwissenschaft und der Evangelischen Theologie und Religionspädagogik. 2017 wurde sie zur Akademischen Rätin auf Zeit an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ernannt und ist zudem Lehrbeauftragte im Fachbereich Deutschdidaktik/Deutsch als Zweitsprache an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Christine Ott leitet nebenberuflich den Stellwerck Verlag, organisiert Poetry Slams, ist als Jurorin für Literaturwettbewerbe aktiv und initiierte neben zahlreichen Kulturprojekten zur Literaturvermittlung auch die Veranstaltungsreihe „Frauen in der Wissenschaft“ für die Studienstiftung des Deutschen Volkes. 2015 wurde sie mit dem „Preis für junge Kultur“ der Stadt Würzburg ausgezeichnet. 2017 erhielt sie den Kulturpreis Bayern.

Lindsay Wills, 1988 in KwaZulu-Natal in Südafrika geboren, ist Lehrerin für Geschichte und Englisch und hat als Schulbuchautorin an Lehrmitteln für den Geschichtsunterricht mitgearbeitet. Nachdem sie ihre Lehrqualifikation 2011 an der Universität Kapstadt erworben hatte, schloss sie 2016 mit Auszeichnung ihr Masterstudium am Centre for Women’s Studies an der Universität York in Großbritannien ab. Für ihre Masterarbeit erhielt sie 2016 von Palgrave/MacMillan den Susan Anderson Memorial Prize für herausragende Arbeit im Bereich der Frauengeschichte. 

Über das Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung

Das GEI betreibt anwendungsorientierte, kulturwissenschaftlich-historisch ausgerichtete Forschung zu Produktion, Inhalten und Aneignung von schulischen Bildungsmedien in ihren soziokulturellen, politischen, ökonomischen und historischen Kontexten. Außerdem stellt das Institut einzigartige Forschungsinfrastrukturen forschungsbasiert, digital und vor Ort bereit. Im Zentrum steht die weltweit umfangreichste internationale Schulbuchsammlung der Fächer Geschichte, Sozialkunde/Politik, Geografie und Werteerziehung/Religion in der Forschungsbibliothek des GEI. Darüber hinaus entwickelt das Institut digitale, frei verfügbare Infrastrukturen für kultur-, geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung zu und mit schulischen Bildungsmedien. Es erbringt Transferleistungen aus kritischer Forschungsperspektive für die nationale und internationale Bildungspraxis, Bildungsmedienproduktion und Bildungspolitik.

 

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