Rätselhafter Grabfund an der Celler Straße: Auf den Spuren der Schwarzen Schar?

Seit der vergangenen Woche beschäftigt ein aufsehenerregender Grabfund ArchäologInnen und HistorikerInnen: Im Rahmen der Erdarbeiten für den Erweiterungsbau des renommierten Georg-Eckert-Instituts - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung wurden bei archäologischen Grabungen zahlreiche Bestattungen aufgedeckt, die zu dem Friedhof des um 1230 gestifteten und 1944 untergegangenen Heiligkreuzkloster gehören.

Vor wenigen Tagen wurde außerdem am Rand des Friedhofs ein Grab mit den guterhaltenen Skeletten von acht jungen Männern, die gleichzeitig bestattet und mehr oder weniger gleichzeitig gestorben sein müssen, entdeckt. Dicht dabei fand sich der Schädel eines älteren Mannes mit verheilten Kopfverletzungen, aber auch den Spuren eines tödlichen Säbelhiebs. „Solche Bestattungen sind typisch für militärische Ereignisse und dafür kommt in diesem Fall vor allem das Gefecht bei Oelper am 1. August 1809 infrage“, berichtet Dr. Michael Geschwinde, Bezirksarchäologe des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege.

Bei diesem legendären Gefecht war es den Soldaten der „Schwarzen Schar“ des Braunschweiger Herzogs Friedrich-Wilhelm gelungen, sich gegen eine mehrfach überlegene französische Armee zu behaupten und am nächsten Morgen nach Norden durchzubrechen, um über Hannover und Elsfleth die in der Wesermündung auf sie wartenden britischen Kriegsschiffe zu erreichen. Die militärische Bravourtat wurde von den Zeitgenossen als Auftakt der Freiheitskriege gegen die napoleonische Besetzung Deutschlands empfunden und hat entsprechend in der zeitgenössischen Literatur und Dichtung für weiten Nachhall gesorgt.

Die „Schwarze Schar“ biwakierte in den Nächten vor und nach dem Gefecht zwischen dem Petritor und dem Gasthaus „Weißes Ross“ (Kreuzung Celler Str./Neustadtring), also dort, wo jetzt das Grab gefunden wurde. Wenige Tage später wurde auf demselben Friedhof der Hauptmann Carl von Rabiel beigesetzt, der bei dem gescheiterten Angriff des Schwarzen Herzogs auf Oelper gefallen war. Die Konventualinnen von Heilig Kreuz widmeten sich der Krankenpflege und nahmen sich vermutlich auch der verwundeten Soldaten an. Vieles spricht dafür, dass das neuentdeckte Grab damit in Verbindung steht. Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde hofft, dass der Fortgang der Grabungen Gewissheit über die Herkunft der rätselhaften Toten bringen wird: „Musketenkugeln, vielleicht aber auch Uniformknöpfe oder Schnallen aus Buntmetall könnten den entscheidenden Beweis liefern“.

Für Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, den Direktor des Georg-Eckert Instituts, steht neben dem Fortgang des Erweiterungsbaus im Mittelpunkt, dass hier neue Facetten in der geschichtlichen Überlieferung erschlossen werden: „Geschichte wird immer noch zu sehr als Geschichte der Herrschenden und Geschichte der Siegenden verstanden. Wenn sich die Vermutungen bestätigen, können wir hier unmittelbar in die bittere Wirklichkeit einer militärischen Auseinandersetzung im Sommer 1809 blicken“. Und in der Tat: Das, was von den ArchäologInnen freigelegt wurde, sind die flüchtig verscharrten Körper von acht jungen Männern, aber kein Heldengrab.

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Catrin Schoneville
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