Schulbucharbeit mit ostasiatischen Ländern

Das Georg-Eckert-Institut steht seit vielen Jahren in Kontakt mit Schulbuchautoren, Schulbuch- und Curriculumforschern und Institutionen des öffentlichen Bildungswesens in ostasiatischen Ländern. Die Arbeit des Instituts wird hier oft als beispielhaft für die Überwindung von Wahrnehmungskonflikten in Bildungsmedien angesehen; unsere Partner in Ostasien fragen kritisch danach, in wie weit Prozesse und Ergebnisse international vergleichender Schulbuchforschung und -revision, wie sie etwa in den deutsch-französischen oder deutsch-polnischen Schulbuchkonsultationen entwickelt worden sind, helfen könnten, die noch bestehenden Differenzen über die Darstellung der jüngeren Geschichte, insbesondere des Zweiten Weltkrieges, in Schulbüchern Ostasiens zu überwinden. In diesem Zusammenhang referieren MitarbeiterInnnen des Instituts häufig auf nationalen und internationalen Konferenzen in der Region. Aus diesen Kontakten hat sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit einigen Bildungsinstitutionen vor allem in China, Korea und Japan herausgebildet, die zum Teil über die Beratung in der Konfliktdarstellung hinausgeht und inhaltliche sowie methodische Fragen der Reform von Unterrichtsmedien in den Fächern Geschichte und Geographie einschließt. Die Dominanz der Nationalgeschichte und -geographie wird hinterfragt, internationale Zusammenhänge sollen stärker berücksichtigt werden.

Von November 2003 bis September 2006 hat das Georg-Eckert-Institut ein von der Volkswagen-Stiftung gefördertes Projekt „Selbstbestimmung, Selbstbehauptung, Fremdwahrnehmung: Neufundierung von Identitäten und Geschichtsrevision in Ostasien seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts“ in Zusammenarbeit mit dem Ostasiatischen Institut der Universität Leipzig und dem Institut für Außereuropäische Sprachen und Kulturen der Universität Erlangen durchgeführt; auf Erkenntnissen aus diesem Projekt aufbauend, wird im Zentrum der Institutsarbeit mit ostasiatischen Ländern im Jahr 2008 die Durchführung einer internationalen Konferenz zum Thema „History Education and Reconciliation - Comparative Perspectives on East Asia“ stehen.

China

Im letzten Jahrzehnt hat das Georg-Eckert-Institut mit chinesischen Partnern eine Reihe bilateraler Konferenzen in den Fächern Geographie und Geschichte durchgeführt, in denen vor allem die grundlegenden inhaltlichen Schwerpunkte und didaktischen Prinzipien des Unterrichts, der Schulbuchdarstellung und der Lehrplangestaltung besprochen wurden. Besonders enge Kontakte bestehen zur Beijing Normal University, zur East China Normal University in Shanghai und zur Shanghai International Studies University.

Gegenstand von Seminaren, Expertengesprächen, Stipendien- und kurzzeitigen Lehraufenthalten in den Fächern Geschichte und Geographie sowie Deutsche Landeskunde (für Studierende von DaF in Shanghai) sind vor allem

  • Probleme der Lehrplanentwicklung auf der Grundlage moderner didaktischer Konzepte (Quelleneinsatz, Kontroversität, multiperspektivische Interpretationen)
  • der Einsatz neuer Medien im Geographieunterricht
  • Fragen der Umwelterziehung (Nachhaltigkeit und Agenda 21)
  • das Verhältnis von nationaler, international-regionaler und globaler Dimension in Geographie- und Geschichtsbüchern
  • die Bedeutung und Darstellung supra-nationaler Konzepte („Europa“/“EU“ – „Asien“)

Korea

Das Georg-Eckert-Institut hat im Juni 2007 mit der Northeast Asian History Foundation eine Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die neu gegründete Stiftung widmet sich im Regierungsauftrag der Darstellung der koreanischen Geschichte und Gesellschaft in ihrem Verhältnis zu den Nachbarländern, insbesondere im Verhältnis zu China und Japan. Die Zusammenarbeit mit dem Georg-Eckert-Institut bezieht sich auf gegenseitigen Informationsaustausch zu Unterrichtsmedien und die Veranstaltung gemeinsamer Seminare, Konferenzen sowie das Angebot von Forschungsstipendien. Die Stiftung ist Partner des Georg-Eckert-Instituts bei der Durchführung der internationalen Konferenz zu „History Education and Reconciliation in East Asia“.

Japan

Aufgrund gemeinsamer Interessen während des Kalten Krieges hatten deutsche und japanische Historiker und Geschichtslehrer bereits seit den 1950er Jahren begonnen zusammenzuarbeiten.

Die International Society of Educational Information (ISEI), eine dem japanischen Außenministerium nahestehende Institution, trat Mitte der 1990er Jahre an das Georg-Eckert-Institut heran. Auf zwei Konferenzen analysierten Historiker Konzepte von Modernisierung in Schulbüchern. Die Geographen beschäftigten sich mit den Auswirkungen des Industrialisierungsprozesses auf die Umwelt.

In Japan genießt die Arbeit des Georg-Eckert-Instituts seit Jahren die Aufmerksamkeit der Medien. Hier geht es in erster Linie um die Aufarbeitung der Vergangenheit, ein Aspekt, der in Japan selbst wie auch im Verhältnis mit den Nachbarn von einiger Brisanz ist. So berichtete das staatliche japanische Fernsehen (NHK-Japan) in einer Sendung über innovative Zukunftsentwürfe am 16. Dezember 2007 ausführlich über Projekte des Instituts. Die mögliche Übertragbarkeit oder Adaption des vor allem in Europa und Amerika entwickelten Modells international vergleichender Schulbuchforschung, seine Erfolge und Schwierigkeiten sind der Gegenstand des Interesses japanischer Schulbuchforscher und Vermittler von internationaler Kulturarbeit; hervorzuheben sind hier die Kontakte des Georg-Eckert-Instituts zu den Goethe-Instituten in Japan, zum Zentrum für Deutschlandstudien an der Universität Tokio und die Abteilungen für Geschichte und deutsche Sprache an der Kansai Universität in Osaka.

Über die hier verzeichneten länderspezifischen Beziehungen hinaus steht das Georg-Eckert-Institut in Kontakt zur AsiaEurope Foundation, auf deren Seminaren („Talks on the Hill“) es verschiedentlich vertreten war.

Weitere Aktivitäten

  • Deutsch-chinesische Workshops zum Thema Nachhaltigkeit und Agenda21
  • Konferenz zur konzeptionellen Entwicklung von Geographielehrplänen in China, Japan und Korea

Veröffentlichungen

  • Wang Min und Wei Dongying, "Education for Sustainable Development in China: A Perspective on Curricula Standards and Geography Textbooks" in: Internationale Schulbuchforschung 29 (2007), 185-197
  • Steffi Richter, „Nicht nur ein Sturm im Wasserglas: Japans jüngster Schulbuchstreit “, in: Internationale Schulbuchforschung 23 (2001), 277-300
  • Tae-Young LEE (Hrsg.), Probleme der Vergangenheitsbewältigung in Schulbüchern Asiens und Europas, The 9th International Conference of History Textbooks, Seoul May 2000
  • Proceedings of the International Conference on Methodologies: Historical Consciousness and History-Textbook Research, Chang Yuan and Liang-Kai Chou (Hrsg.) , Hsin-chu 1998
  • Roderich Henrÿ und Rainer Riemenschneider, Deutsch-japanische Schulbuchkonferenz der Geographen und Historiker „Modernisierung in Deutschland und Japan im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Internationale Schulbuchforschung 20 (1998), 336-341
  • Rainer Riemenschneider, „Schulbucharbeit mit Vietnam - Coopération sur les manuels scolaires avec le Vietnam“, in: Internationale Schulbuchforschung 16 (1994), 209-215 (in German and French)
  • Dieter Böhn und Wang Min (Hrsg.), Die Volksrepublik China und die Bundesrepublik Deutschland. Erweiterungen schulbuchbezogener Wahrnehmungshorizonte, Hannover: Hahn, 1997
  • Wang Min, “Environmental Awareness in Primary and Middle Schools in China - A Research Report”, in: Internationale Schulbuchforschung 18 (1996), 135-162
  • Roderich Henrÿ, „Von der Volkskomune zum Joint Venture. China in Geographielehrbüchern der Bundesrepublik Deutschland“, in: Internationale Schulbuchforschung 14 (1992), 191-222

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