Friedenspädagogische Ansätze im Geschichts-, Geographie- und Civics-Unterricht in Israel und Palästina

Seit den deutsch-israelischen Schulbuchempfehlungen von 1985 existieren Arbeitbeziehungen zwischen dem GEI und Partnern in der Region. Daraus ist u.a. eine Zusammenarbeit mit PRIME (Peace Research Institute in the Middle East) entstanden mit dem Ziel der Entwicklung eines bi-nationalen Geschichtsbuchs.

Im Rahmen des Projekts „Israel-Palästina“, gefördert durch das Auswärtige Amt, beschäftigte sich des Georg-Eckert-Instituts von 2002 bis 2010 mit verschiedenen Fragen des Lernens in Konfliktgesellschaften. Es konzentrierte sich dabei auf besonders ideologieanfällige „sinnbildliche“ Fächer (Geschichte, Geographie, 'Civics') und untersuchte, inwieweit gerade diese konfliktträchtigen Fächer friedenspadägogische Ansätze fördern können. Im Zentrum standen hier nicht die Bildungsmedien, sondern die Kontexte ihres Einsatzes. Das Projekt erfasste und vernetzt innovative Unterrichtsprojekte in beiden Ländern.
Entgegen allen internationalen diplomatischen Bemühungen hat sich die Situation im Nahen Osten weiter verschärft. Friedenswillige israelische wie palästinensische Pädagogen und Erziehungswissenschaftler zeigen sich verunsichert bezüglich der Möglichkeiten und Perspektiven ihrer Arbeit unter den gegeben Umständen. Wie können die wenigen grenzüberschreitenden Initiativen, die den Zusammenbruch des Oslo-Prozesses überstanden oder sich danach neu gebildet haben, von außen unterstützt werden?

So genannte „Begegnungsprojekte“ angesichts offener Gewaltverhältnisse kommen zunehmend in die Kritik der Friedenspädagogik. Nicht nur wird ihre Reichweite und Nachhaltigkeit bezweifelt, auch wird bemängelt, dass die Aufrechterhaltung der Dialogfähigkeit die Notwendigkeit politischen Handelns überdeckt. Projekte, die gemeinsames Handeln über die Begegnung hinaus einschließen, sind unter Gewaltverhältnissen aber so gut wie unmöglich. Wie können sich friedenspädagogische Ansätze unter diesem Dilemma entfalten?
Im Rahmen des Projektes fand eine Bestandsaufnahme und Vernetzung von innovativen Unterrichtsprojekten in Israel und dem palästinensischen Autonomiegebiet statt. Es wurden Expertengespräche und Analysen von Curricula und Lehrmaterialien durchgeführt sowie Trainingsseminare veranstaltet. Als Ergebnis entstanden u.a. Rezensionen neuer israelischer und palästinensischer Unterrichtsmaterialien und eine kommentierte Auswahl von Links zu Websites, die zum Verständnis des israelisch-palästinensischen Konflikts beitragen können (s.u.).

Das Projekt bot Stipendien für NachwuchswissenschaftlerInnen an. Es existierten Kooperationen mit der Universität Tel Aviv, der Hebrew University in Jerusalem, dem palästinensischen Bildungsministerium und der Universität Betlehem.

Schulbuchrezensionen

1. Israelische Schulbücher

  • Yitzhak Komem, Jerusalem (2004):
    Eliezer Domka (Hrg.), Yehiam Weitz, Moshe Zimermann et al.: The World and the Jews in the Last Generations - A Textbook for the High School Level, Part B, vol. 1 - 1920-1970, Merkaz Zalman Shazar le-Toldot Israel, 1999-2000
  • Michael Kreutz, Bochum (2004):
    Avieli-Tabibyan, Kezia: The  Era of Fear and Hope:  History Lessons for the High School Level 1870-1870, Ha-Merkaz le-Tekhnologiya Hinukhit (Matah): Ramat Aviv, 2001
  • Reem Makhoul, Jerusalem (2004):
    Ministry of Education: Being Citizens in Israel - A Jewish and Democratic State (Civics Book for Students in the Senior High School in General and Religious Schools), new edition, Jerusalem, 2001

2. Palästinensische Schulbücher

Veröffentlichungen

  • Firer Ruth und Sami Adwan,The Narrative of the Israeli-Palestinian Conflict in Textbooks of Both Nations, Hannover: Hahn 2004 (=Studien zur Internationalen Schulbuchforschung, Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung; 110/1)
  • Kriener, Jonathan (Hrsg.), Teaching history in the Middle East - Geschichtsunterricht im Nahen Osten = Internationale Schulbuchforschung, 25 (2003) 4
  • Pingel, Falk (Hrsg.), Contested Past - Disputed Present. Curricula and Teaching in Israeli and Palestinian Schools, Hannover: Hahn 2003 (=Studien zur Internationalen Schulbuchforschung; 110/2)
  • Mathias, Jehoshua: "The crisis of the National Paradigm: History in Israeli curriculum during the 1990s", Internationale Schulbuchforschung, 24 (2002) 4, S. 427-443 

Projektberichte

  • Kriener, Jonathan: "The Debate on Israeli and Palestinian Textbooks", Internationale Schulbuchforschung, 25 (2003) 1/2, S. 198-200
  • Schirin Hildegard Fathi: "From Peace Making to Peace Building. An Israeli-Palestinian workshop in Braunschweig", Internationale Schulbuchforschung, 20 (1998) 1, S. 103 - 107
  • Dies.: "Seminar" From Peace Making to Peace Building. An Israeli-Palestinian Comparative Research of History and Civics Textbooks and Curricula Statements." The Georg-Eckert-Institute in conjunction with the Ministry of Education and Science of North Rhine-Westphalia Düsseldorf, August 17 - 20, 1998", Internationale Schulbuchforschung, 20 (1998) 4, S. 469 - 471