Deutsch-weißrussisches Schulbuchprojekt

Das Schreiben von Geschichtsschulbüchern ist überall eine komplizierte und verantwortungsvolle Aufgabe. Besondere Schwierigkeiten ergeben sich in Belarus. Als neu gegründeter Staat verfügt das Land nur in geringem Umfang über eine eigene historiographische Tradition. Von der methodisch-didaktischen Diskussion in Westeuropa war es lange Zeit isoliert. Die andauernde politische Identitätssuche erzeugt Unsicherheiten, welche die Geschichtsdarstellungen verkomplizieren. Eine Schulreform schuf einen Schultyp mit erweitertem Geschichtsunterricht, für den es noch keine Bücher gab. Das Projekt nahm diesen Punkt zum Anlass, um gezielt Abhilfe zu schaffen. Ein Team von jungen belarussischen Historikern und Historikerinnen erarbeitete ab September 2002 unter der Leitung von Professor Vladimir Koshelev die wissenschaftlichen und didaktischen Grundlagen (inkl. einiger Musterkapitel) eines modernen Schulbuchs zur Geschichte des 20. Jahrhunderts für Gymnasien und Lyzeen. Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung leistete dabei Hilfestellung, indem es Forschungsaufenthalte organisierte, wissenschaftliche Konsultationen ermöglichte und einen Erfahrungsaustausch vorsah. In Minsk fand im Januar 2003 ein kleiner abschließender Workshop statt. Das in Arbeit befindliche Geschichtsschulbuch lässt sich von den pädagogischen Richtlinien der UNESCO und des Europarates (Feindbildabbau, Friedenssicherung, Vertrauensbildung zwischen den Völkern, Minderheitenschutz) inspirieren. Das Projekt wurde im wesentlichen aus Mitteln des "Förderprogramms Belarus 2002" finanziert, die über das Internationale Begegnungs- und Bildungswerk (IBB) Dortmund zur Verfügung gestellt wurden.

Beteiligte Organisationen

  • Weißrussisches Zentrum für die Erforschung des Konstitutionalismus und rechtsvergleichende Studien (Minsk)
  • Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung (Braunschweig)