Schulbuchrevision im Nahen Osten

Das Projekt widmete sich von 2006-2009 der Untersuchung von Schulbuchrevisionen und Reformen im Bildungswesen in Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA-Region). Als Fallbeispiele dienten die Länder Ägypten, Jordanien, Libanon und das Sultanat Oman.

Ziel des Projekts war es, ein Forschernetzwerk und einen konstruktiven Dialog über Bildungssysteme zwischen europäischen und überwiegend muslimisch bevölkerten Staaten der MENA-Region aufzubauen, um Reformen im Bildungssystem mit Hinblick auf die Entwicklung offener Identität und Weltanschauungen von Schülern und Schülerinnen zu fördern. Bilder vom Eigenen und Anderen sowie die Förderung unabhängigen Denkens stellten dabei den zentralen Fokus der Analyse von Curricula und Schulbüchern dar.

Insgesamt hat sich herausgestellt, dass alle vier untersuchten Staaten Reformen ihrer Bildungssystemen durchgeführt haben. So wurde das Fach Sozialkunde eingeführt oder verändert und die Fächer Geschichte und Geographie für den Schulunterricht neu überarbeitet. Was die Darstellung des „Eigenen“ betrifft, so zeigen die Untersuchungen, dass auf eine einheitliche Identität abgezielt wird, die Unterschiede einebnet, und statt dessen Kinder und Jugendliche zu loyalen Staatsbürgern ausgebildet werden. Die "Anderen" – in diesem Fall europäische und westliche Staaten - kommen in der heutigen Generation der Schulbücher eher positiv vor und werden als Initiatoren und Träger der Moderne und des technologischen Fortschritts dargestellt.

Dabei wird betont, dass arabische Muslime einen unabdingbaren Beitrag zur Entwicklung der europäischen Wissenschaften geleistet haben. Die Konflikte zwischen Israel und Palästina und arabischen Staaten werden eher zurückhaltend thematisiert. Klassische Themen wie die Kreuzzüge oder Kolonialismus werden nur flüchtig gestreift.

Damit haben zwar Veränderungen in Curricula und Schulbüchern statt gefunden, es zeigen sich jedoch auch neuartige Lücken. Der Dialog mit Vertretern von Bildungspolitik und Wissenschaft und Forschung über Bildungsreformen hat des Weiteren gezeigt, dass lokale und nationale Eliten sich gegen westliche Einmischung verwehren mögen, dabei jedoch vor allem die Veränderungspotentiale ihrer Gesellschaften vor dem Hintergrund von Integrität und Passfähigkeit im Blick haben.

Die Mitarbeiter des Projekts kommen zum Schluss, dass in den arabischen Gegenwartsgesellschaften Bildungsreformen stark diskutiert werden und dass die Vielfalt des Meinungsspektrums und der Lösungsvorschläge eine kritische Selbstverständigung zeigt, die einen wichtigen Bestandteil des nachkolonialen Dialogs auf Augenhöhe mit dem Westen aber auch in der Region selbst bildet.

Abschließende Publikation

  • Alayan, Samira, Achim Rohde & Sarhan Dhouib (2012), The Politics of Education Reform  in the Middle East: Self and Other in Textbooks and Curricula. New York/Oxford: Berghahn Books

Online-Publikation auf Edumeres.net

Kooperation

  • mit zahlreichen arabischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Ägypten, Jordanien, Libanon, Marokko, Oman, Tunesien, den VAE, europäischen Ländern und den USA

Laufzeit

  • 2006-2009

Finanzierung

  • Auswärtiges Amt

Bearbeitung

  • Samira Alayan
  • Sarhan Dhouib
  • Achim Rohde u.a.