Georg-Arnhold-Professur 2015/16: Sergey Rumyansev

Der vierte Georg-Arnold-Gastprofessor: Sergey Rumyansev

Dr. Sergey Rumyansev kam von Oktober 2015 bis März 2016 an das GEI. Er ist Kodirektor der South Caucasus Open School in Tiflis (Georgien) und einer der Gründer des Centre for Independent Social Research (CISR) in Berlin. Von 2003 bis 2014 war er Senior Research Fellow am Institut für Philosophie und Rechtswissenschaften der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans in Baku. Er ist zudem für das Stipendienprogramm der Heinrich-Böll-Stiftung für junge Sozialwissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler und Lehrkräfte als akademischer Experte tätig und der Koordinator des unabhängigen transnationalen Netzwerkes für Sozialwissenschaften NOVATOR.

Dr. Rumyansev besitzt einen Doktor in Soziologie der Staatlichen Universität Baku. Zu Dr. Rumyansevs Forschungsschwerpunkten zählen Nationalismus, Diaspora und Migration, Konfliktstudien und Sowjet-Studien mit einem besonderen Fokus auf Konflikte im postsowjetischen Raum. Er hat für internationale Forschungsprojekte von Organisationen wie dem Imagine Center for Conflict Transformation und Alert International gearbeitet. Sein Buch "Migration and Diasporabuilding in Post-Soviet Azerbaijan: Main Tendencies and Dominant Discourses" wurde 2014 vom Verlag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans veröffentlicht. Dr. Rumyansev ist zudem der Koautor von "Beyond the Karabakh Conflict: The Story of Village Exchange" und er hat 47 Artikel in Zeitschriften und Publikationen mit Peer Review veröffentlicht.

Zu Dr. Rumyansevs Forschungsschwerpunkt"Mythen historischer Territorien –Karten und kartographische Diskurse im postsowjetischen Raum" am Georg-Eckert-Institut:"

"Der Krieg zwischen Russland und Georgien im Jahr 2008 bedeutete die zweite Welle von territorialen Konflikten in postsowjetischen Raum. Antworten, warum solche Konflikte in den beiden Dekaden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden, neben den Motiven für die breite öffentliche Unterstützung, finden sich nicht nur in der postsowjetischen Wirtschaft und den Beziehungen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken, sondern in modernen nationalistischen Ideologien. Nationalistische politische Diskurse, die gegenwärtig von postsowjetischen Eliten konstruiert werden, werden in starkem Maße von mit einander verbundenen ursprünglichen und essentialistischen Konzepten von ethnischen Gruppen, Ethnizität und Mythen historischer Territorien beeinflusst, die in der Sowjetunion geschaffen wurden. Historische Territorien und essentialistische kartographische Diskurse werden ständig von Politikerinnen und Politikern eingesetzt und sind in den Medien und Geschichtsschulbüchern weit verbreitet. Sie spielen auch eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Konflikte im postsowjetischen Raum zu provozieren und zu rechtfertigen und sie sind ein Mittel für jedes Land, territoriale Ansprüche gegenüber seinen Nachbarn zu begründen. Die Hauptanliegen dieses Projekts ist der Abschluss von Forschung zur Dekonstruktion von essentialistischen Mythen historischen Territorien, um vergleichend und kritisch strittige kartographische Diskurse zu analysieren und ein Buch vorzubereiten, das die kumulative Forschung genauer vorstellt."