Heather Sharp

Dr. Heather Sharp ist eine Dozentin (ab 2017 Senior Lecturer) an der University of Newcastle, Australien. Sie hat mit einer historischen Studie zur Geschichte des australischen Schullehrplans im 20. Jahrhundert promoviert. Heathers aktuelle Forschung konzentriert sich auf historische Darstellungen in Schullehrplänen und besonders in Schulbüchern. Außerdem beschäftigt sie sich mit geschriebenen und visuellen Texten in Bilderbüchern/Bildbänden, die sich mit dem Thema Konflikt auseinandersetzen. Heather hat bereits eine Reihe verschiedener akademischer Rollen innegehabt, darunter Direktorin für Unterrichtsqualität, First Year Experiences Convenor, Herausgeberin für Sonderausgaben des Historical Encounters Journal sowie Convenor für das Geschichtsnetzwerk von Lehrern und Lehrerinnen und Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Mehr Informationen zum akademischen Profil Heather Sharps sind unter http://www.newcastle.edu.au/profile/heather-sharp abrufbar.

Heather und ihr schwedischer Kollege Niklas Ammert haben vor kurzem ein Modell entwickelt, das die Analyse von Lehrplandokumenten durch die Untersuchung verschiedener Wissensformen und Werte, die in den Schulbuchaufgaben präsent sind, ermöglicht. Dieses Modell, das als Matrix vorgestellt wird, betrachtet die Beziehung zwischen Wissensformen (nach Bruner) und der persönlichen Reflexion von Werten, welche als Aufgabe von den Schülern und Schülerinnen in den Schulbuchfragen- und Aufgaben gefordert wird.


Heather Sharp

Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt, das im Rahmen meines Stipendienaufenthalts am GEI durchgeführt wurde, erforschte das theoretische Verständnis von umstrittenen Vergangenheiten mit einem besonderen Fokus auf der Geschichte nationaler Traumata in Materialien des Geschichtslehrplans verschiedener Länder, darunter Australien. Diese Forschung identifizierte die Vorstellung eines world history approach (WHA) zum Geschichtsunterricht als eine besonders geschichtstreue und für den Unterricht geeignete Form, um Schülern und Schülerinnen konfliktreiche Vergangenheiten näherzubringen. Dies trifft im besonderen Maße auf Ereignisse oder Themen aus der Geschichte zu, zu denen einige Nationen eine emotionale Bindung aufgebaut haben. Am Beispiel Australiens können solche historischen Narrative mit Diskursen über die „Geburt“ oder das „Erwachsenwerden“ der Nation gleichgesetzt werden.

Während meines Aufenthalts am GEI war es mir möglich, die Unterschiede zwischen einem WHA und einem globalgeschichtlichen Ansatz dahingehend herauszukristallisieren, wie die zwei Begriffe vor dem Hintergrund von Schullehrplänen und besonders im Schulfach Geschichte verstanden werden können.

Im Rahmen meiner eigenen Forschung nutze ich den Begriff WHA besonders im Kontext des Unterrichtens kontroverser Themen, die sich auf nationale Gründungsmythen oder andere Formen von nation-building Narrativen beziehen. An dieser Stelle ist WHA besonders günstig, da es das Unterrichten und Lernen einer Version der Geschichte ermöglicht, die, ungeachtet der Perspektive oder der nationalen Herkunft der Lernenden, trotzdem der geschichtswissenschaftlichen Methodik treu bleibt. Dieser Ansatz lässt keinen Platz für chauvinistische Darstellungen nationaler Geschichte, die sich über die Geschichten anderer Nationen zu stellen versuchen.

Einige Definitionen von WHA verstehen den Begriff als einen breiten Zugang zum Unterrichten der Weltgeschichte. In diesem Kontext handelt es sich jedoch in der Tat um einen Ansatz, der die globalen Kontexte der jeweiligen Nationalgeschichten berücksichtigt und das auf eine Art, die darauf zielt, verschiedene nationale Mythen und Legenden, die nicht historisch korrekt sind, zu entmystifizieren, obwohl sie tief im Nationalbewusstsein verankert sind.

WHA ist bei der vergleichenden Untersuchung verschiedener Nationen hilfreich, besonders bei kontroversen Themen, zum Beispiel bei dem Vergleich türkischer und australischer Perspektiven auf die alliierte Invasion der Türkei im Jahr 1915 (Erster Weltkrieg). Die Forschung, die ich in der Bibliothek des GEI durchführen konnte, trug zu einem gemeinsamen Projekt bei, das ich zusammen mit einem türkischen Wissenschaftler zu den Ansichten von Schülern und Schülerinnen angesichts des Gedenkens an Gallipoli und Çanakkale durchführe.

Forschung, die am Georg-Eckert-Institut durchgeführt wurde

Das Stipendium gab mir die Möglichkeit, konzentriert in einer erstklassigen Bibliothek zu arbeiten. Damit sind die Ressourcen gemeint, die in der Schulbuchsammlung verfügbar sind, die allgemeine Sammlung von Büchern zu Lehrplänen und Bildung im Allgemeinen sowie die Expertise der Bibliothekare und Bibliothekarinnen. Das GEI ist eine exzellente Ressource für Schulbuchforschung, da einige Schulbücher in den jeweiligen Ländern nur schwer erhältlich sind.

Während meines Forschungsaufenthalts war es mir neben der Erforschung des historischen Gedächtnisses, von kontroversen Geschichten/umstrittenen Vergangenheiten, der Nutzung von Unterrichtsmedien im Geschichtsunterricht sowie der Erforschung des world history approach ebenfalls möglich, relevantes Schulbuchmaterial für meine verbundenen Forschungsprojekte zu Ländern wie der Türkei, Syrien und Jordanien zu finden. Für diese Projekte analysieren ein Kollege und ich gemeinsam die Nutzung von Bild- und Kartenmaterialien in Schulbüchern, die auf die Vermittlung bestimmter Aspekte von Nationalgeschichte zielen. Im weiteren Verlauf wird sich diese Forschung zusätzlich mit der Verwendung schriftlicher Texte auseinandersetzen.

Um meine Forschung mit der universitären Lehre zu verbinden, habe ich mein theoretisches Verständnis von Geschichtslehrplänen ausgebaut, um ein praktisches Projekt zu entwickeln, dass sich mit der pädagogischen Praxis der Umsetzung von Lehrplänen und dazugehörigen Unterrichtsmedien im Unterricht beschäftigt. Dieses Projekt, das auf einer Studienreise im Ausland basiert, die ich mit Studierenden durch die westliche Front Frankreichs durchgeführt habe, soll in Form einer Publikation festgehalten werden, die explizit Theorie und Praxis miteinander verbinden soll und speziell auf die Vorbereitung von Lehrern und Lehrerinnen auf den Unterricht ausgerichtet sein wird.

Anhand der Forschung, die ich am GEI durchgeführt habe, war ich in der Lage, einen klaren Forschungsplan für 2016–2017 zu entwickeln, in dem eine Liste potentieller Publikationen aufgelistet sind, die aus meiner Forschung am GEI hervorgehen könnten.

Fazit

Ich hatte das Privileg, an einem Institut zu forschen, das einen klaren Fokus auf seine Forschungsagenda legt und hatte dabei Kollegen und Kolleginnen, sowohl GEI-Mitarbeiter und GEI-Mitarbeiterinnen als auch andere Stipendiaten und Stipendiatinnen und Praktikanten und Praktikantinnen, mit denen ich während meines Aufenthalts großartige Gesprächsmöglichkeiten hatte. Ich konnte z. B. mein Forschungsprojekt mit einer Reihe von internationalen Kollegen und Kolleginnen diskutieren, die mir ebenfalls dabei halfen, meine Ideen weiter zu verfeinern.

Ich möchte ganz besonders den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Bibliothek für ihre Geduld mit meinen Anfängerkenntnissen der deutschen Sprache und für ihr professionelles Wissen und ihre Hilfe mit meiner Forschung danken.

Außerdem möchte ich Dr. Peter Carrier und Dr. Felicitas Macgilchrist dafür danken, dass sie großzügig ihre Zeit und ihr Wissen mit mir teilten und bereit waren, meine Forschungsideen mit mir zu diskutieren.

 

Dr. Heather Sharp, PhD

Lecturer, School of Education

First Year Experiences Convenor

Special Issues Editor, Historical Encounters Journal


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