Maya Razmadze

Bericht zum Aufenthalt am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung

Projekt: Entwurf des sozialkundlichen Schulbuches "Ich und die Gesellschaft" für georgische, allgemeinbildende Schulen

Im Zeitraum vom 16.01.2017 bis 10.02.2016 hielt ich mich am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung zu Forschungszwecken auf. Das Ziel meines Aufenthaltes war es, die in der Bibliothek vorhandenen sozialkundlichen Schulbücher für die Primarstufe zu erschließen und die gewonnenen Ergebnisse für die Entwicklung des sozialkundlichen Schulbuches "ICH UND DIE GESELLSCHAFT“ (Primarstufe), für georgische allgemeinbildende Schulen zu nutzen.

Während meines Forschungsaufenthaltes habe ich in der Bibliothek des Institutes deutsche, aber auch englische Schulbücher für Sozialkunde, insbesondere für die Primarstufe gesichtet. Vor allem habe ich die deutschen sozialkundlichen Lehrwerke erschlossen, sie nach der thematischen Schwerpunktsetzung und didaktischen Konzeption analysiert und mich mit der Forschungsliteratur auseinandergesetzt.

Die Analyse deutscher sozialkundlicher Schulbücher ergab, dass die Schulbücher einerseits darum bemüht sind, aktuelle und bedeutsame gesellschaftliche Tendenzen und Entwicklungen zu thematisieren, sowie die Herausforderungen deutlich zu machen, die die Gesellschaft zu meistern hat. Dies wird beispielsweise in der Darstellung der Arbeitsgesellschaft, unter Überschriften wie "Arbeit ändert sich" oder der globalisierten Produktionsweise, wie "Der Weg einer Jeans" (Das Auer 2016, S. 2) deutlich oder in der Hervorhebung der Umweltthemen sowie der Bedeutung von Bio- und Regionalprodukten für das Konsumverhalten (Mobile 2012, S. 2). Andererseits zielen die Schulbücher darauf ab, die junge Generation für bevorstehende Veränderungen und Herausforderungen vorzubereiten, wie beispielsweise mit Blick auf den durch Migration und Demografie ausgelösten Wandel. Darüber hinaus verfolgen sie das Ziel, die Herausforderungen des Wandels dadurch zu meistern, indem sie Orientierungen aufzeigen und die junge Generation für ein Zusammenleben in kultureller und sozialer Vielfalt sensibilisieren.

Aufgrund der Analysen deutscher Sozialkundebücher konnte ich während meines Forschungsaufenthaltes die thematische Aufbaukonzeption für das entstehende georgische Schulbuch entwickeln und Empfehlungen für die georgischen Lehrer/Autoren, sowie für Bildungsverantwortliche verfassen. Außerdem fertigte ich für georgische Geschichtslehrer, die ebenfalls an einer Schulbuchkonzeption arbeiten, Musterentwürfe für bestimmte Unterrichtsthemen an und übersetzte für sie im Deutschen relevante Unterrichtseinheiten, die als Vergleich für die eigenen Unterrichtsthemen dienen sollen.

Im Rahmen meines Forschungsaufenthaltes am GEI stellte ich zudem Kontakte mit anderen, vor allem estnischen und lettischen Wissenschaftlern her, die sich ebenfalls am Institut aufhielten, und diskutierte mit ihnen die Herausforderungen des Unterrichtsfachs "Sozialkunde", wie beispielsweise die Auswahl der Themenschwerpunkte für sozialkundliche Bildung, die Problematik der Thematisierung formeller und informeller, politischer Entscheidungsprozesse oder Grenzen des Kompetenzerwerbs durch die sozialkundliche Bildung.

Durch die Unterstützung meines Projektbetreuers Dr. Robert Maier und dank der Förderung des Auswärtigen Amtes konnte ich meine Recherche- und Forschungsarbeiten am GEI für weitere drei Monaten fortsetzen. Im Rahmen dieser Forschung wird neben der Arbeit an dem georgischen Sozialkundeschulbuch eine Konferenz "SOZIALKUNDEUNTERRICHT IN DEUTSCHLAND UND IN GEORGIEN. DIALOG ZU EINEM ENTSTEHENDEN GEORGISCHEN SCHULBUCH", mit der staatlichen Universität Tbilisi am 19/20. Juni 2017 in Tbilisi, Georgien organisiert. Daran nehmen deutsche Wissenschaftler und georgische Lehrer, Autoren und Bildungsverantwortliche teil.