Stephen Jackson

Dr. Stephen Jackson ist ein Assistenzprofessor an der University of Sioux Falls. Er erhielt einen Doktortitel in Geschichte mit einem Schwerpunkt auf Imperial und Colonial Studies von der George Washington University. Stephens Forschung dreht sich vor allem um Anliegen der nationalen Identität in der Ära der Dekolonisierung und wurde auch durch seine Beteiligung am Dekolonisierungsseminar des National History Center geformt. Ein Teil seiner Forschung wurde 2014 im Journal of Imperial and Commonwealth History veröffentlicht. Stephen beschäftigt sich darüber hinaus auch mit Digital Humanities – er ist einer der Herausgeber von H-Empire, einer Online-Community für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, sowie Mediendirektor für den North American Conference on British Studies.


Stephen Jackson

Mein Projekt vergleicht Bildungspolitik in zwei wichtigen Siedlungskolonien des britischen Empires – Kanada und Australien – und verwendet dabei diese Bildungsmaßnahmen, um die Entwicklung von nationaler Identität in der turbulenten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu analysieren. Bildung und bildungsbezogene Materialien wie Schulbücher und Kurrikula bieten eine wertvolle und wenig genutzte Ressource für die Diskussion von Anliegen der nationalen Identität in Siedlungskolonien, weil Pädagogik als zentral für die Produktion des „richtigen“ Staatsbürgers angesehen wurde; eine Aufgabe, an der alle beteiligten Mitglieder der Gesellschaft interessiert waren. Dieses Projekt hat Ontario in Kanada und Victoria in Australien als repräsentative Orte der englischsprachigen Gemeinschaften in diesen Ländern ausgewählt. Das Hauptargument ist, dass „britishness“, oder ein Gefühl der imperialen Staatsbürgerschaft, das die weißen Angelsachsen durch das britische Empire hindurch verband, weiterhin bis in die späten 1960er Jahre ein entscheidendes Kennzeichen nationaler Identität in Australien und Kanada geblieben ist.

Die reichen Ressourcen der GEI-Bibliothek nutzend, weitete ich mein Projekt aus und nannte es vorläufig „Die Krone der Bildung“, um die Evolution der nationalen Identität in Kanada und Australien nach dem Zweiten Weltkrieg zu analysieren. Meine Zeit am Georg-Eckert-Institut wurde damit verbracht, meine Primär- und Sekundärforschung zu erweitern, um das Thema weiter zu entdecken.

Besonders Schulbücher aus dem Vereinigten Königreich, die häufig im australischen und kanadischen Schulunterricht verwendet wurden, sollten eine größere Komponente meiner Forschung gestalten. Diese Texte waren in den Archiven und Sondersammlungen Australiens und Kanadas nicht erhältlich, da der Fokus ihrer Sammlungen sich hauptsächlich auf vor Ort produziertes Material konzentriert. Die Sammlung des Georg-Eckert-Instituts beinhaltet mehrere tausend Schulbücher aus dem Vereinigten Königreich, die sich als wertvoll für meine Forschung erwiesen haben, sowie erstklassige Sekundärliteratur zur Theorie, Untersuchung, dem Vergleich und der Analyse von Schulbüchern. Diese Ressourcen vergrößerten den Wert der Primärquellen noch weiter. Dies bedeutete, dass mein Aufenthalt in Braunschweig mit einem Stipendium des Georg-Eckert-Instituts sich als immenser Vorteil für mein Manuskriptprojekt herausstellte und einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung und Glättung des Manuskripts „Die Krone der Bildung“ in Vorbereitung auf eine mögliche Veröffentlichung machte. 

Wie oben bereits angedeutet, war es mein Forschungsziel am GEI, Schulbücher zu untersuchen, die im Vereinigten Königreich veröffentlicht wurden. Es war meine Hoffnung diese Texte mit Materialien aus Kanada und Australien zu vergleichen, besonders hinsichtlich der Themen nationale Identität, Imperialismus und Dekolonisierung. Obwohl in den australischen und kanadischen Texten zahlreiche Ähnlichkeiten vorhanden waren, wurde das British Empire in Schulbüchern des Vereinigten Königreichs kaum thematisiert. Diese Feststellung war für mich sehr überraschend: Auch in der Zwischenkriegszeit scheinen die Schulbücher des Vereinigten Königreichs keine besondere Bedeutung in der Tatsache gefunden zu haben, dass sie das größte Reich der Welt hatten. Direkte Vergleiche zwischen kanadischen und australischen Texten waren oft recht schwierig, aber diese Feststellung ist trotzdem für meine allgemeine Forschung sehr relevant. Es scheint, dass „britishness“ in den Siedlungskolonien als viel wichtiger empfunden wurde, als in Großbritannien selbst, zumindest insoweit es aus den Bildungsmaterialien hervorgeht.

Die Gemeinschaft am GEI war sehr hilfreich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts waren ungemein hilfreich, freundlich und liebenswürdig. Auch die anderen Forscherinnen und Forscher boten mir enthusiastische und durchdachte Kritiken meiner Arbeit und gaben mir Ratschläge zur weiteren Literatur. Die am GEI zur Verfügung gestellten Materialien waren fundiert und es gibt nun mehrere Wege für meine weitere Forschung. In der Zukunft möchte ich eventuell mehr Zeit am GEI verbringen und mein aktuelles Projekt zu Ende bringen, da das Vorhandensein so vieler Werke aus verschiedenen Ländern die Sammlung wirklich einzigartig macht. Sie ist enorm hilfreich für Wissenschaftler wie mich, die zur Bildungsgeschichte forschen.


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