Vilnis Purens

Bericht über das Möllgaard-Stipendium am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung

Projekt: Formierung von Kompetenzen für den Geschichtsunterricht

Mein Name ist Vilnis Purens. Ich bin Autor von mehr als 50 Schulbüchern der Fächer Geschichte, Sozialwissenschaften, Philosophie, Kulturwissenschaft, Musik, Ethik, Psychologie und bin promovierter Pädagoge (Dr. Paed.). Ich bin Herausgeber bei dem Verlag RaKa, dem zweitgrößten Schulbuchverlag Lettlands.

Meine Forschung am GEI bestand aus zwei Teilen – Geschichtslehre und Kompetenzen. Ich nehme an einem Workshop teil, dessen Aufgabe es ist, den neuen Lehrplan für das Fach Sozialwissenschaften in Lettland zu erarbeiten. Ich habe mich für das Georg-Eckert-Institut entschieden, da es mir die Möglichkeit bietet, komplexe Forschungen anhand von theoretischer Literatur, nationalen Lehrplänen und Schulbüchern aus verschiedenen Ländern zusammenzustellen. Auf diese Weise kann ich mehr Information über die praktische Erfahrung von Kompetenzen sammeln, die im Geschichtsunterricht verwendet werden.

Mein Ziel war es, gute Ideen und praktische Ratschläge zu sammeln. Ich kann sagen, dass mein Ziel vollständig erfüllt wurde. Ich fand reichhaltiges theoretisches Material, das von deutschen Spezialisten und Spezialistinnen zusammengestellt wurde, ein breit entwickeltes Kompetenzkonzept in deutschen, österreichischen und schweizerischen Lehrplänen sowie in deutschen, österreichischen, schweizerischen, italienischen und französischen Schulbüchern und einige Komponenten dieses Konzepts in britischen Schulbüchern.

Ich war überrascht vom deutschen Konzept der quellenanalytischen Methoden. Deutsche Bildungspraktiker und Bildungspraktikerinnen achten in besonderem Maße darauf. Sie ermutigen die Schüler und Schülerinnen, Quellen Schritt für Schritt zu analysieren. Einerseits ermöglicht dies ein tieferes Verständnis der Inhalte, andererseits werden die Schüler und Schülerinnen jedoch weniger zum eigenständigen Denken hingeführt.

Eine häufige Nutzung von Quellen führt außerdem zur Zersplitterung der Schulbücher. Den Schülern und Schülerinnen werden so viele verschiedene Materialien geboten, dass es ihnen schwerfällt, eine allgemeine Geschichte zu erkennen. Daher kann der Gebrauch zu vieler Quellen auch manchmal kontraproduktiv sein. Dies verleitet dazu, mehr über die Beziehung zwischen Forschungs- und Orientierungskompetenzen nachzudenken.

Kompetenzen werden schon seit langer Zeit diskutiert, dabei sind in den Schulbüchern jedoch kaum Veränderungen erkennbar gewesen. Dies war meine zweite Überraschung. Ich kann es als eine Art Phänomen erklären. Die Geschichtsschulbücher und Schulbücher für andere Sozialwissenschaften waren schon zuvor praktisch genug gestaltet. Daher haben die Schulbuchautoren und Schulbuchautorinnen keinen Weg mehr gesehen, um diese noch praktischer zu gestalten.

Als eine besondere Überraschung im Bereich der Schulbücher kann ich die Bücher von Baumgartner – Lemberger hervorheben: "Genial! Geschichte 2–4" (Wien, Bildungsverlag Lemberger, 2013–2015). Diese Bücher basieren ausschließlich auf Aktivitäten. Dementsprechend werden die Schüler und Schülerinnen dazu angeleitet, ihre eigenen Geschichtsnarrative zu erzeugen anstatt passiv Wissen aufzunehmen.

Als eine gute Eigenschaft deutscher Quellen kann ich die Vorstellung der Eigenkompetenz und des "Lernens erlernen" hervorheben, die in den Lehrplänen einiger Bundesländer enthalten sind (Hamburg, Sachsen, Thüringen). Aus den britischen Schulbüchern lässt sich insbesondere die Medienkompetenz übernehmen. Diese kann ich in meinen Schulbüchern ebenfalls verwenden. Französischen Quellen habe ich besonders die Vorstellung entnommen, dass Kompetenz als Möglichkeit verstanden wird, die intellektuelle Autonomie der Schüler und Schülerinnen zu verbessern.

Ich danke dem Bibliothekspersonal. Es war sehr leicht, alle Bücher und Dokumente zu finden. Vielen Dank auch für die Gästeunterkunft. Es war sehr interessant, mich mit den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des Instituts zu unterhalten. Kompetenzbildung ist eine neue Herausforderung für alle Bildungspraktiker und Bildungspraktikerinnen. Das bedeutet, dass die Diskussion noch fortgeführt wird.

Der Hintergrund meines Besuchs am GEI entsprang aus der Notwendigkeit, dass Schüler und Schülerinnen mehr Kompetenzen erwerben müssen. Wir können die besten Bücher für diesen Zweck zusammenstellen. Und das tun wir auch. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in der Motivierung der Schüler und Schülerinnen. Kompetenzen können nur durch die Schüler und Schülerinnen selbst entwickelt werden und daher ist eine Schlüsselkompetenz auch die Eigenkompetenz. In diesem Bereich muss noch viel getan werden.