Georg Arnhold Senior Fellow

Sara Clarke-Habibi

Von Januar bis Juni 2021 wird Dr. Sara Clarke-Habibi ihre Forschung als Georg Arnhold Senior Fellow durchführen.

Dr. Sara Clarke-Habibi arbeitet seit 20 Jahren im Bereich der Friedensförderung durch Bildung als Praktikerin, Forscherin, Curriculumentwicklerin und Trainerin. In Forschung und Lehre konzentriert sie sich auf pädagogische Berührungspunkte zwischen gewaltsamen Konflikten und Vertreibung, historischen Traumata und psychosozialer Heilung, Transitional Justice und dem Wiederaufbau nach Konflikten, kritischer Friedensförderung und Versöhnung zwischen Gruppen. Ihr besonderes Interesse gilt der Frage, wie sich diese Themen auf die Entwicklung von Bildungspolitik, Lehrplänen und Schulbüchern auswirken, auf die Identität, Praxis und Handlungsfähigkeit von Lehrkräften, auf formale und nicht-formale Bildungsinterventionen in Übergangsgesellschaften, auf das kollektive Gedächtnis und die Beziehungen zwischen den Generationen sowie auf Strategien zur Stärkung der Jugend als entscheidende Friedensakteure. Sie erwarb einen MPhil (2012) und einen PhD (2017) in Education an der Universität Cambridge, einen M.A. in Conflict Resolution (2002) von der Landegg International University und einen B.A. in Ethics, Society and Law (1999) von der Universität Toronto.

Dr. Clarke-Habibi leitete Anfang der 2000er Jahre das erste Friedenserziehungsprogramm nach dem Krieg in Bosnien und Herzegowina und arbeitete intensiv mit 6000 Schüler*innen und 400 Lehrer*innen an der psychosozialen Erholung, der Friedenskonsolidierung zwischen den Gemeinschaften und der Versöhnung, wobei sie schulische und fächerübergreifende Ansätze anwandte. Seither hat sie sich auf die Sekundarschulbildung und die Lehrendenausbildung auf dem Westbalkan spezialisiert und ist Autorin von drei substanziellen Lehrbüchern in diesem Bereich sowie von mehreren wissenschaftlichen Artikeln, Kapiteln und technischen Berichten. Über den Balkan hinaus hat Dr. Clarke-Habibi in Zusammenarbeit mit zahlreichen NGOs und Universitäten Friedensförderungsprojekte und Praktiker*innen in weiteren 20 Ländern Amerikas, Osteuropas, des Nahen Ostens und Südostasiens unterstützt.

Gegenwärtig arbeitet sie als Bildungsberaterin für UNICEF, UNDP, UNFPA und RYCO im Westbalkan, wo sie Ausbildungsmaterialien und -methoden entwickelt, die darauf abzielen, die Kompetenzen von Lehrer*innen und Jugendlichen für den interkulturellen Dialog, die Friedensförderung und den Umgang mit der Vergangenheit zu stärken. Sie ist auch Forscherin an der Universität Neuenburg, Schweiz, wo sie das Bildungsangebot für Migrant*innen- und Geflüchteten analysiert.

Georg Arnhold Senior Fellowship 2021

Während ihres Aufenthalts am GEI als Georg Arnhold Senior Fellow 2021 wird Dr. Clarke-Habibi eine Monographie zur Veröffentlichung fertigstellen, die ihre Dissertation Peacing together a conflicted society: Educational values, voices and practices in Bosnia and Herzegovina”, die 2017 an der Universität Cambridge abgeschlossen wurde. Die Forschung zeichnet über einen Zeitraum von 20 Jahren die Veränderungen in der Ausbildung für Friedenspraktiken in Bosnien und Herzegowina (BiH) nach. Dabei untersucht sie kontrastierende Interpretationsrahmen unter zeitgenössischen Bildungsakteuren (politische Entscheidungsträger*innen, Lehrerausbilder*innen, Leiter*innen von Sekundarschulen, Lehrer*innen und Schüler*innen) hinsichtlich der Rolle der Bildung bei der Schaffung von nachhaltigen Friedens und Versöhnung im Land und der Auswirkungen dieser kontrastierenden Logiken auf eine differenzierte Auseinandersetzung mit Lehrplänen, Bildungsmedien, Klassenzimmerdialog und der Gemeinschaft. Die Monographie wird durch Forschungsarbeiten bereichert, die seither auf dem gesamten Westbalkan durchgeführt wurden und die die Fallstudie zu BiH in die größeren sozialpolitischen und bildungspolitischen Entwicklungen in der Region einordnen.

Die Monografie wird mehrere einzigartige Beiträge auf diesem Gebiet leisten. Erstens untersucht sie die Herausforderung der Erziehung zu nachhaltigem Frieden in einer Längsschnittperspektive, indem sie sowohl die Dynamik eines sich entwickelnden sozial-politischen Kontextes als auch den Übergang in den Sekundarschulen von BiH vom Krieg zu Nachkriegs- und in die Erinnerungsgenerationen erfasst und Reflexionen anregt, die für Akteure der Friedensförderung in anderen von Konflikten betroffenen und Übergangsgesellschaften von Bedeutung sein werden. Zweitens geht sie über die Kritik an den "drei parallelen Lehrplänen" der Nachkriegsausbildung in BiH hinaus und untersucht genauer, wie Lehrer*innen und Schüler*innen die offiziellen Lehrpläne neu gestalten und die Lehrbücher durch persönliche Erzählungen, alternative pädagogische Ressourcen sowie Online-Ressourcen und -Netzwerke ergänzen, um die Kluft zwischen der Theorie der Friedenskonsolidierung und der strukturell geteilten Realität zu überbrücken. Drittens werden die Spannungen zwischen den Generationen in den Sekundarschulen von BiH in Bezug auf die wahrgenommenen Ziele, Inhalte und Methoden der Bildung analysiert, wobei die Bedürfnisse, Forderungen und Widerstandsformen junger Friedensfördernder, die für Planung, Intervention und Reformen weiterhin relevant sind, hervorgehoben werden. Schließlich identifiziert es Prioritäten für weitere Forschung und Dialog, für die Verbesserung der pädagogischen Ressourcen, der Lehrendenausbildung und die Praxis und bietet so praktische Empfehlungen für politische Entscheidungstragende und Pädagog*innen, die mit Jugendlichen und Lehrer*innen der Sekundarschulebene in Bosnien und Herzegowina und in verwandten Kontexten arbeiten.

Zusätzlich zu ihrer Arbeit an dieser Monografie wird Dr. Clarke-Habibi in Zusammenarbeit mit Dr. Larisa Kasumagić-Kafedžić an der Universität Sarajevo einen Band über "Friedenspädagogik in Bosnien und Herzegowina" herausgeben und einen Beitrag zu den Seminaren des GEI und zur Summer Conference des Georg Arnhold-Programms leisten.