Kolloquium: Die Erfindung der demokratischen Subjektivität. Politische Bildung in der Bundesrepublik

Welche Kompetenzen soll ein Demokrat bzw. eine Demokratin besitzen? Was macht eine demokratische Persönlichkeit aus? Und: wie lassen sich  demokratische Persönlichkeitsmerkmale fördern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die deutsche Öffentlichkeit nicht erst seit dem  Aufkommen populistischer Parteien in der Gegenwart. Stattdessen wurden um diese Fragen seit 1945 zentrale gesellschaftspolitische Kontroversen vor dem Hintergrund des "Zivilisationsbruches" des Nationalsozialismus und im Kontext des sich entfaltenden Kalten Krieges ausgefochten.

Im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen standen die Pädagogen, Didaktiker, Schulbuchautoren und Bildungspolitiker, die sich für die Verankerung politischer Bildung in der Schule einsetzten. Diese Akteure nahmen für sich in Anspruch zu wissen, was den Demokraten bzw. die Demokratin ausmache, wie sich eine demokratische Subjektivierung durch Unterricht unterstützen lasse und wie Schule und Unterricht reformiert werden müssen. Der Vortrag beleuchtet die Kontroversen um die Leitbilder demokratischer Subjektivität in der politischen Bildung der Bundesrepublik. Dabei wird er besonderes Augenmerk auf die Transformation bürgerlicher Subjektivierungsmodelle legen, Konjunkturen demokratischer Bürgerlichkeit zwischen den 1940er und den 1990er-Jahren nachzeichnen und damit Aufschluss über langfristige politik- und kulturgeschichtliche Wandlungsprozesse in der Bundesrepublik Deutschland geben.