GEI-Kolloquium, 2. Juli 2014: "Auschwitz als Paradigma: eine Kritik zur Darstellung der Judenvernichtung in neueren Schulgeschichtsbüchern"

GEI-Kolloquium, 2. Juli 2014: "Auschwitz als Paradigma: eine Kritik zur Darstellung der Judenvernichtung in neueren Schulgeschichtsbüchern"

Am Mittwoch, den 2. Juli um 17 Uhr hält Prof. Thomas Sandkühler von der Humboldt-Universität zu Berlin einen Vortrag zum Thema: "Auschwitz als Paradigma: eine Kritik zur Darstellung der Judenvernichtung in neueren Schulgeschichtsbüchern".

Bei der Ankündigung der Ergebnisse, die das Georg-Eckert-Institut in einem international vergleichenden Projekt über die Darstellung des nationalsozialistischen Judenmords im Schullehrbuch erzielt hat, wurde auf die oftmals schwache fachliche Qualität der Bücher hingewiesen. Diese Beobachtung deckt sich mit Ergebnissen einer Fallstudie über den Berliner Schulbuchmarkt, die Prof. Sandkühler vor rund zwei Jahren publiziert hat. Bei kritischer Betrachtung von Verfassertexten, Quellen und zugehöriger Arbeitsaufträge, Bild- und Kartenmaterial in einem größeren Sample in Berlin verwendeter Lehrbücher zeigte sich, dass die Ermordung der europäischen Juden im „Dritten Reich“ mit deutlichem Fokus auf das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau dargestellt wird. Dagegen hat der osteuropäische ‚Tatort‘ keinen oder nur einen geringfügigen Stellenwert; auch die Täterschaft kommt analytisch deutlich zu kurz. Das Schulbuch hinkt insoweit hinter der Holocaust-Forschung um mindestens zwei Jahrzehnte hinterher. Im Vortrag wird an einigen Beispielen die fachliche Qualität der Lehrbücher kritisiert und nach den Ursachen dafür gefragt, dass Geschichtsforschung und geschichtskulturelle Präsenz des Holocaust im Schullehrbuch so stark auseinandertreten, woher also die Zentralstellung von „Auschwitz als Paradigma“ in der Bundesrepublik rührt.