Geschichtsmythen in Europa – Chancen und Herausforderungen im Geschichtsunterricht, 5. und 6. Dezember 2014

DFG-geförderte Tagung zu Geschichtsmythen in Europa

Vom 5. bis 6. Dezember 2014 diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Georg-Eckert-Institut über Mythen in deutschsprachigen Schulbüchern aus Österreich, der Schweiz und Deutschland.

 

Geschichtsunterricht soll häufig noch immer nationale Identitäten festigen. Geschichte kann aber vor allem dann identitätsprägend wirken, wenn sie sich zum Mythos verdichtet. Diese beiden Tatsachen führen zu der beunruhigenden Frage, wie viele und welche Geschichtsmythen sich mittlerweile in europäischen Schulbüchern verselbstständigt haben, so dass sie längst keiner kritischen Hinterfragung mehr zu bedürfen scheinen: Bei Marathon wurde Europa gerettet? Bei Tours und Poitiers auch? Hermann der Cherusker ein Proto-Deutscher? Das Mittelalter hatte von der Kugelgestalt der Erde keine Ahnung? Die Schweiz hat in keiner Weise mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet? – Wie positionieren sich Geschichtsschulbücher zu derartigen teilweise sehr alten, aber daher nicht weniger fragwürdigen Deutungsmustern?

Die Tagung befasst sich mit Formen und Funktionen von europäischen wie nationalen Mythen in den deutschsprachigen Schulbüchern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Dabei wird auch nach unterschiedlichen Zugängen zum Mythos-Begriff in den Kulturwissenschaften und in der Geschichtsdidaktik sowie den sich hieraus ergebenden Impulsen gefragt. Die Schwierigkeiten der De-Konstruktion populärer Geschichtsmythen werden ebenso diskutiert, wie die Tradierungsbedürfnisse und Deutungsmuster, die diese Mythen bedienen. Schließlich will die Tagung ausloten, wie sich über die Beschäftigung mit Mythen neue Perspektiven im Unterricht für die Entwicklung eines kritischen Geschichtsbewusstseins gewinnen lassen.

Die Tagung „Geschichtsmythen in Europa – Chancen und Herausforderungen im Geschichtsunterricht“ wird gemeinsam veranstaltet von Mag. Dr. Roland Bernhard von der Pädagogischen Hochschule Salzburg, Dr. Susanne Grindel vom Georg-Eckert-Institut. Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung Braunschweig, PD Dr. Felix Hinz von der Pädagogischen Hochschule Freiburg und Prof. Dr. Christoph Kühberger von der Pädagogischen Hochschule Salzburg. Sie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und findet vom 5. bis 6. Dezember 2014 im Konferenzsaal des Georg-Eckert-Instituts –  Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung statt. Die Veranstaltung steht allen Interessierten aus Schule, Bildungspolitik und Wissenschaft offen. Das Programm der Tagung finden Sie hier.

Es wird keine Anmelde- oder Tagungsgebühr erhoben, wir bitten jedoch aus organisatorischen Gründen um Anmeldung bis zum 1. Dezember 2014 an Herrn Stefan Zülch unter zuelch@gei.de.

Hinweis zur Abbildung:
Der Holzstich „Wanderer am Weltenrand“ oder „Ein mittelalterlicher Missionar erzählt, dass er den Punkt gefunden habe, wo Himmel und Erde aneinanderstoßen" erschien 1888 als Illustration in Camille Flammarions populärwissenschaftlichem Buch „Die Atmosphäre. Volkstümliche Meteorologie“. Seitdem wurde der Stich häufig als authentische Darstellung des mittelalterlichen Weltbildes gedeutet und vielfach in Schulbüchern abgedruckt.