Ideologie und der Einfluss der offiziösen NS-Schulgeschichtsbuchreihen. Kolloquium am 11.Januar 2017 um 16.00 Uhr

Die Dissertation versucht intensiver als in den bisherigen Forschungen der Frage nachzugehen, was tatsächlich Inhalt, Methode und Didaktik des NS-ideologischen Geschichtsbilds war, das mithilfe der offiziellen, parteiamtlich genehmigten Schulgeschichtsbuchreihen transportiert wurde. Die Studie stellt heraus, dass es nicht nur zwischen einzelnen Schulgeschichtsbuchreihen sondern auch zwischen den Schularten unterschiedliche Vorstellungen vom Nationalsozialismus und seinem Geschichtsbild gibt.

In diesem Kontext wird der Einfluss der Parteistellen und insbesondere auch der Verlage und Autoren untersucht: Die Reihe „Volk und Führer“ wurde am stärksten verbreitet und rezipiert, so das Ergebnis der Studie. Aus diesem Grund bildet das Leben und Wirken des Herausgebers, des Braunschweigischen NS-Ministerpräsidenten Dietrich Klagges, einen Schwerpunkt. Klagges versuchte als Politiker und Ideologe seine eigene Version vom Nationalsozialismus mitunter an Schulen durchzusetzen und stand aber zugleich auch im engen Kontakt zu den Parteistellen (Hederich - Bouhler, Rosenberg, vermutlich auch Goebbels), um eine reichseinheitliche Lösung für ein Schulgeschichtswerk zu finden. Ein weiteres Ergebnis ist, dass Klagges besonders durch seine Kontakte zum Diesterweg-Verlagschef Erich Herbst, der tatkräftig völkische Autoren unterstützte, erfolgreich sein konnte; durch hohe Auflagenzahlen wurden schlichtweg Tatsachen im Bereich der NS-Geschichtsdidaktik geschaffen.

Für die Dissertation wurden die Bestände des Reichserziehungsministeriums, parteiamtliche Gutachten und Verlagsarchive sowie mehrere Landesarchive (SH, HH, Thüringen, NDS) und Stadtarchive (Frankfurt, Wilster, Flensburg, Braunschweig) gesichtet und untersucht. Im GEI wurden die komplette Schulgeschichtsbuchbestände 1933-1945 sowie Zeitschriften aus dem „Dritten Reich“, aber auch Schulgeschichtsbücher aus der Weimarer Republik und dem Kaiserreich herangezogen. Weitere NS-Schulgeschichtsbücher, die nicht im GEI auffindbar waren, wurden z.B. durch Antiquariate erworben. Von Klagges wurden Teile des privaten Nachlasses gesichtet. Ferner wurden sämtliche zeitgenössischen Periodika des NS-Bildungsbereichs auf Reichs- und Landesebene (insbesondere Preußen) analysiert.