Mythen historischer Territorien – Karten und kartographische Diskurse im postsowjetischen Raum

Dr. Sergey Rumyansev, Georg-Arnhold-Gastprofessor am GEI aus Aserbaidschan, ist Kodirektor der South Caucasus Open School in Tiflis (Georgien) und einer der Gründer des Centre for Independent Social Research (CISR) in Berlin. Von 2003 bis 2014 war er Senior Research Fellow am Institut für Philosophie und Rechtswissenschaften der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans in Baku. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nationalismus, Diaspora und Migration, Konfliktstudien und Sowjet-Studien mit einem besonderen Fokus auf Konflikte im postsowjetischen Raum. In seinem Vortrag berichtet er über seine Forschung zur Dekonstruktion von essentialistischen Mythen historischen Territorien.

Laut Dr. Rumyansev bedeutet der Krieg zwischen Russland und Georgien im Jahr 2008 die zweite Welle von territorialen Konflikten in postsowjetischen Raum. Antworten, warum solche Konflikte in den beiden Dekaden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden, neben den Motiven für die breite öffentliche Unterstützung, finden sich nicht nur in der postsowjetischen Wirtschaft und den Beziehungen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken, sondern in modernen nationalistischen Ideologien. Nationalistische politische Diskurse, die gegenwärtig von postsowjetischen Eliten konstruiert werden, werden in starkem Maße von mit einander verbundenen ursprünglichen und essentialistischen Konzepten von ethnischen Gruppen, Ethnizität und Mythen historischer Territorien beeinflusst, die in der Sowjetunion geschaffen wurden. Historische Territorien und essentialistische kartographische Diskurse werden ständig von Politikerinnen und Politikern eingesetzt und sind in den Medien und Geschichtsschulbüchern weit verbreitet. Sie spielen auch eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Konflikte im postsowjetischen Raum zu provozieren und zu rechtfertigen und sie sind ein Mittel für jedes Land, territoriale Ansprüche gegenüber seinen Nachbarn zu begründen.