National Points of View: Internationale Konflikte und ihre Darstellung in Wikipedia

  • Aileen Oeberst
  • 07.10.2015, 11:00Uhr
  • Georg-Eckert-Institut, Celler Str. 3, Konferenzraum

Sind militärische Interventionen im Nahen Osten ein Akt der Belagerung oder Befreiung? Wer ist verantwortlich für die Krise zwischen der Ukraine und Russland? Und wer steht einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts im Weg? Die Antwort auf solche Fragen hängt häufig davon ab, welche Konfliktpartei man fragt. Gemäß der sozialen Identitätstheorie (Tajfel & Turner, 1979) wird die eigene Gruppe zumeist positiv verzerrt. Die psychologische Forschung hat sich dabei vor allem die persönlichen Einschätzungen Einzelner konzentriert. Aber findet sich ein solcher „Eigengruppenfehler“ auch in Wikipedia, die Wissen neutral abbilden sollte? Es werden Studien vorgestellt, welche die Darstellung internationaler Konflikte (z.B. Nahostkonflikt) in den verschiedenen Sprachversionen von Wikipedia (z.B. hebräisch, arabisch) vergleichen.

Forschungsthemen

Der größte Schwerpunkt meiner Arbeit widmet sich der Frage, wie vergangene Ereignisse repräsentiert werden. Dabei interessiere ich mich vor allem für systematische Fehler, wie dem „Eigengruppenfehler“ (s.o./s.Vortrag) oder auch dem „Rückschaufehler“ (der fälschlichen Einschätzung im Nachhinein, dass Ereignisse doch „so kommen mussten“, und dies „schon immer klar war“). Darüber hinaus interessiere ich mich weniger für die persönlichen Einschätzungen von Individuen, sondern stärker für die gesellschaftliche Ebene – sprich „kollektive“ Repräsentationen. Wikipedia ist aus meiner Sicht eine viel genutzte Quelle solcher sozial ausgehandelten Repräsentationen und in zwei großen Projekten gehe ich der Frage nach, ob sich auch dort – trotz Wikipedia’s Regeln (Neutralität z.B.) – systematische Fehler wie den Eigengruppenfehler / den Rückschaufehler finden lassen. Und, ob gerade das kollaborative Verfassen der Artikel möglicherweise zu einer Verstärkung dieser Fehler beiträgt.