Tagung in Bad Kissingen

Zum Abschluss eines Projektes zur Erstellung eines Schulbuchs zur „Geschichte der Deutschen in Ungarn“, an dem das GEI beratend mitwirkte, fand vom 31. Mai bis zum 2. Juni in der Akademie Mitteleuropa in Bad Kissingen eine Expertentagung statt, die sich dem Thema „Schulbücher und Schulbuchprojekte zur (Minderheiten-)Geschichte der Deutschen in einzelnen Ländern Europas“ widmete. Das GEI war Ko-Ausrichter dieser Tagung

Das Problem, dass die national ausgerichteten Geschichtsnarrative die Geschichte von ethnischen Minderheiten systematisch vernachlässigen, ist vielfach bekannt. Die Minderheitengruppen der Deutschen sind davon nicht ausgenommen. Mehr noch: Aufgrund der Belastungen durch die Volkstumsideologie des Nationalsozialismus galt ihre Geschichte als belastet und wurde vielfach tabuisiert. Auch infolge ihres partiellen Verschwindens wurden ihre Spuren in der Schulgeschichtsschreibung der Titularnationen nur mehr sehr selten zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gemacht. Dabei waren deutsche Minderheiten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in vielen Ländern Europas, speziell in Ostmittel- und Osteuropa sehr bedeutend und über Jahrhunderte geschichtsmächtig. Die von Gerhard Seewann (Universität Pécs) konzipierte Tagung zeigte, welches Potential das Aufgreifen dieses Themas erschließen kann. Speziell im letzten Jahrzehnt kam es zu sehr innovativen und vielfältigen Initiativen innerhalb der deutschen Minderheiten, ihre Geschichte für den Unterricht aufzuarbeiten. Dabei ging es nicht nur um die Schaffung eines eigenständigen Narrativs und um Identitätsfindung, sondern speziell darum, sich transnational mit der Titularnation, eventuell mit anderen Minderheiten und auch mit Deutschland zu verorten. Der Ansatz, diese Aktivitäten in einer Art Vogelschau, auch unter Einbezug Nord- und Südeuropas, zusammenzuführen und zu diskutieren, war originell und produktiv.

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