1001 Idee: Muslimische Kulturen und Geschichte
Beschreibung
Die heutige Islam-Erzählung in deutschsprachigen Schulbüchern spiegelt weitgehend die europäischen Islam-Wahrnehmungen der vergangenen Jahrhunderte wider, in der Islam als eine Quelle von Rückständigkeit und Gewalt gesehen wurde. Mit dem Ziel, diese einseitigen Wahrnehmungsmuster zu durchbrechen, erschließt das Projekt seit 2005 aktuelle fachwissenschaftliche Forschung und bringt sie in Form von web-basierten Unterrichtsmaterialien (www.1001-idee.eu) in die deutschsprachige Bildung ein. Das Projekt ordnet sich damit in den aktuellen Diskurs über den Umgang mit Geschichte und Geschichten zwischen Europa und dem Orient sowie zwischen Christentum und Islam ein. Das Hinterfragen von Kategorien des Eigenen und des Anderen sowie von Darstellungen bzw. Verschleierungen von Kulturtransfer sind darin zentral.
Zielsetzung
Das Ziel des Projekts ist es, ein europäisches Referenzzentrum für den interkulturellen Unterricht zu werden. Der Fokus liegt dabei auf einer pluralistischen Wahrnehmung von Muslimen, muslimischen Traditionen, Kulturen und Geschichte in den Fächern Geschichte, Politik- und Sozialkunde, Deutsch, Literatur, Musik und Ethik. Aus einer säkularen Perspektive wird Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtsmaterial angeboten, das dazu anregt, die Zivilgesellschaft in Ländern mit muslimischen Mehrheiten in den Blick zu nehmen; ihre Gesellschaften als Ergebnis vieler verschiedener historischer und aktueller Entwicklungen wahrzunehmen und Lebensrealitäten sowie Kulturschaffen von Muslimen in Europa zu thematisieren. Dabei werden die kollektiven Bilder, welche die europäische Wahrnehmung des Islam maßgeblich geprägt haben, kritisch hinterfragt. Der Unterricht über Muslime und Islam wird somit als Teil interkulturellen Lernens betrachtet.
Im Einzelnen zielt das Projekt darauf ab,
- die religiöse Essentialisierung von Muslimen aufzuheben;
- die aus der europäischen Geschichte resultierenden; Wahrnehmungsgrenzen zu überwinden;
- Schulklassen mit interkultureller Sprachlosigkeit zur Sprache zu verhelfen;
- die Jugend in diesem Teil der Welt zu animieren, Affinität mit Jugend in anderen Teilen zu entdecken.
Innerhalb dieser übergeordneten Zielsetzung sind für den Zeitraum 2010-2011 folgende Schritte geplant:
- Evaluierung der Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen;
- deren Transfer in andere europäische Länder und Kontexte;
- Fortführung des Wissenstransfers zwischen Universitäten und Schulen sowie der Entwicklung von Unterrichtsmodulen für allgemein bildende Schulen;
- Aufbau eines Multiplikatoren-Netzwerks;
- Beratung bei der Lehrplanentwicklung der Bundesländer.
Methodik
Didaktische Aufbereitung aktueller Forschung zu Lebensformen in muslimisch geprägten Gesellschaften; Curriculumsentwicklung; Durchführung von Fortbildungen; Qualitätssicherung durch Evaluation.
Publikationen
Gerdien Jonker, Pierre Hecker, Cornelia Schnoy (2007), Muslimische Gesellschaften in der Moderne: Ideen – Geschichten – Materialien, Wien: Studienverlag
Unterrichtsmodule auf www.1001-idee.eu
Kooperation
Die Bildungsministerien und Lehrerfortbildungsinstitute der Länder Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, NRW, Hessen, Sachsen, Thüringen und Saarland; Institut für Sozialgeschichte der Universität Wien (A. Ecker); Pädagogische Fachhochschule Zentralschweiz (G. Estermann); INKA; Institute for the Study of Muslim Civilizations (London); The Institute for Ismaeli Studies (London); The Office for Democratic Institutions and Human Rights (Warschau).
Laufzeit: 2005-2011
Finanzierung: Aga Khan Development Network (AKDN)
Das Projekt 1001-idee wurde 2011 abgeschlossen. Für den 01. Januar 2013 plant das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung den Launch einer neuen virtuellen Plattform mit Unterrichtsmaterialien.
Ansprechpartner für das Projekt 'Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen für Schulen in der Einwanderungsgesellschaft' (Arbeitstitel) sind
- Dr. Andreas Christmann, Tel.: +49 (0)531 123103-251, christmann@gei.de, und
- Dr. Götz Nordbruch, Tel.: +49 (0)531 123 103 -223, nordbruch@gei.de




