Kooperation mit Zentralasien im Schulbuchbereich
Angesichts der langen sowjetischen und russischen Herrschaft über die Region sowie deren Mittellage zwischen Europa und Asien stellt sich die Frage, wie der Prozess der Nationsbildung in einer Epoche der politisch-wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb von Großregionen und der Globalisierung auf die Modernisierung des Bildungswesens, und hier insbesondere auf die historisch-politische und geographische Bildung, einwirkt:
- Stellt er unvermeidlich ein retardierendes Moment dar im Sinne einer „nachholenden Entwicklung“ hin zum Nationalstaat, oder
- kann es gelingen, die Konstruktion neuer national verfasster und der Ausbildung von Nationalbewusstsein dienender Bildungsgänge in Geschichte, Geographie und Sozialkunde und verwandten Fächern mit dem Anspruch einer säkularen Bildung zu verbinden, die sich hinsichtlich ihrer Ziele und Methoden an internationalen Standards orientiert?
- Welchen Stellenwert nimmt dabei der Bezug auf das sich erweiternde Europa auf der einen und auf den sich wirtschaftlich außerordentlich rasch entwickelnden, politisch jedoch noch wenig einheitlichen südost- und ostasiatischen Raum auf der anderen Seite ein?
Für die Konzeption der modernen Geschichte und Zeitgeschichte bleibt die Frage entscheidend, wie die russisch-sowjetische Periode eingeschätzt wird. Sie bildete ebenso eine Fessel nationalen Eigenbewusstseins wie sie gleichzeitig auch Antrieb und Rahmen der Entfaltung relativer Eigenständigkeit war:
- In wie weit greifen hier postkoloniale oder modernisierungs-theoretische Ansätze, um die Vergangenheit einer „Fremdherrschaft“ mit der Gegenwart des nationalen Aufbaus und überregionaler Verflechtung zu verbinden?
- Ähnlich verhält es sich mit der Tatsache, dass die Bevölkerung der Region überwiegend muslimisch ist. Diese religiöse Prägung wurde von der sozialistischen Staatsideologie überdeckt, aber nicht geleugnet.
- Kann nun einerseits Religionsfreiheit gewährt, andererseits diese aber auch in den Rahmen eines säkularen Staats- und Bildungswesens eingebaut und gegebenenfalls in Bezug auf fundamentalistische Strömungen „gezähmt“ werden?
Im Rahmen von fünf Länderanalysen verfolgt das Projekt die Ziele:
- Erhebung von Daten und Erfassen von Zusammenhängen für ein tieferes Verständnis der bildungspolitischen Umwälzungen in der Region, der politischen Neuordnung ebenso wie des kulturell-sozialen Kontextes;
- Erörterung neuer Konzeptionen einer geographischen, historischen und sozialwissenschaftlichen Darstellung der Prozesse der Entkolonialisierung/ Nationalstaatsbildung und Modernisierung in der Region, der europäischen Integration sowie der Globalisierung mit Partnern in der Region. Dabei sollen die Auswirkungen auf die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowohl in Deutschland/Europa als auch in Zentralasien ins Blickfeld genommen werden.
Kooperation: Akademische Institute der jeweiligen Länder, die an der Schulbuchentwicklung beteiligt sind.
Laufzeit: 2009-2011
Gefördert durch:
Kontakt
Das Foto rechts zeigt den Direktor des Tschokan-Valikhanov-Instituts des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstan, Prof. Dr. Sattar Madschitov, bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung über die Anbahnung einer wissenschaftlichen Kooperation mit dem Georg-Eckert-Institut. Beim dem genannten Institut handelt es sich um die wichtigste Einrichtung im Schulbuchbereich des Landes. Die Unterzeichnung erfolgte am Ende einer Explorationsreise nach Almaty im März 2008.





