Vermittlung interkultureller Kompetenz durch biographisches Erzählen
Dieses Service- und Transferprojekt vermittelt Lehrern Wissen und Kompetenzen im Umgang mit der Diversität im Klassenraum. Es erreicht das, indem es Lehrer mit dem Instrument biographischen Erzählens vertraut macht.
Hypothesen:
(a) Die Bedeutung religiöser, kultureller, sozialer, ethnischer und auf Geschlecht beruhender Differenzen ist in spezifischen gesellschaftlichen Kontexten das Ergebnis von diskursiven Zuschreibungen. Im ungünstigsten Fall können diese Differenzen naturalisiert werden, Ausschluss legitimieren und damit Konflikte auslösen. Das kann durch die Initiierung von Reflexionsprozessen verhindert werden. Diese zielen darauf, sichtbare Unterschiede, die als gesellschaftliche Marker wirken, durch die Sensibilisierung für unterschiedliche biographische Erfahrungen als Produkt veränderbarer gesellschaftlicher Dominanzverhältnisse verhandelbar zu machen. Diese Sensibilisierung kann durch biographisches Erzählen erreicht werden.
(b) In der deutschen Einwanderungsgesellschaft stellt sich die Frage eines angemessenen Umgangs mit Diversität auch und vor allem in der Schule. Auch in der Schule wird darüber entschieden, wessen Geschichten warum und in welchem Kontext Bedeutung erlangen. Mittlerweise hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Diverstiät nicht mit Hilfe von universalistischen Formeln („wir sind alle Menschen“) einfach unter den Teppich gekehrt werden kann. Biographisches Erzählen bietet sich gerade im schulischen Kontext als ein Instrument angemessenen Diversitäts-Managements an. Wer gelernt hat, die eigene biographische Erfahrung im Spiegel des Anderen zu reflektieren, der wird in die Lage versetzt, die Gebundenheit der eigenen biographischen Positionierung zu erkennen. Das wird erreicht durch methodisch angeleitetes Erzählen, Zuhören und Dialog; Rollenspiele; kreatives Schreiben; die Vermittlung von Hintergrundwissen zu interkultureller Kommunikation; der Funktionsweise von Gedächtnis und oral history.
Zielsetzung:
Das Service- und Transferprojekt verfolgt zwei Ziele:
- Es will innovative Formen des Diversitäts-Managements in den Alltagspraktiken und Routinen von Lehrern verankern.
- Ein impliziter Effekt des Workshops besteht auch darin, Lehrer dazu zu befähigen, kritische Positionen zur Darstellung von Diversität in Bildungsmedien zu entwickeln.
Methodik:
Die Realisierung dieser Zielsetzung ist nur in enger Zusammenarbeit mit Multiplikatoren der Lehrerbildung und mit Lehrern leistbar. In einer Pilotphase werden Workshops durchgeführt, die einer Verfeinerung des Konzepts dienen. Langfristig zielt das Projekt auf die Institutionalisierung der Zusammenarbeit mit Lehrerfortbildungsinstitutionen und Lehrerverbänden.
Einordnung in den Forschungsstand:
Biographisches Erzählen als Methode des Diversitäts-Managements führt zwei Ansätze zusammen:
- Ursprünglich wurde diese Methode von Paulo Freire entwickelt und v.a. in Brasilien und in den USA angewendet. Paulo Freire ging davon aus, dass diese Methode Lernenden jeden Alters ermöglicht, neue Lerninhalte mit persönlicher Erfahrung zu verbinden.
- Dan Bar-On hat in Deutschland und in Israel ein ganz ähnliches Konzept entwickelt. Ihm ging es zunächst darum, Kinder von Tätern und Opfern des Holocaust durch biographisches Erzählen in einen Dialog miteinander zu bringen. In einem späteren Schritt hat er das Konzept zur Beförderung der Kommunikation zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt.
Kooperation: California State University (E. Quintero)
Laufzeit: 2008 – 2011
Finanzierung: GEI und California State University
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